Lu­ther ist Bos­sa No­va – der neue Boss

Drei Pas­to­ren un­ter­hal­ten mit ei­ner kurz­wei­li­gen Re­vue zum 500. Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Von Joa­chim Dier­ks

Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um mal an­ders: In ei­ner Mi­schung aus Ka­ba­rett, Mu­sik­re­vue und theo­lo­gi­schem Dis­kurs ge­stal­te­ten drei Pas­to­ren ei­ne ver­gnüg­li­che Ge­burts­tags­fei­er. Die Pre­mie­re im Blue No­te war aus­ver­kauft.

Die Rah­men­hand­lung ko­pier­ten sie vom TV-Dau­er­bren­ner „Din­ner for One“. Mar­tin Lu­ther – ver­kör­pert vom Mel­ler Su­per­in­ten­den­ten Hans-Ge­org Mey­er-ten Tho­ren – ist wie­der­auf­er­stan­den und fei­ert den 500. Ge­burts­tag sei­ner Groß­tat mit ima­gi­nä­ren Gäs­ten: Für Phil­ipp Me­lan­chthon, Her­mann Bon­nus, Kur­fürst Fried­rich von Sach­sen und Kat­ha­ri­na von Bo­ra ist an der Ta­fel ein­ge­deckt. But­ler „Ja­mes“, ge­spielt von Pas­tor Hart­mut Heyl, ser­viert die Me­nü­fol­ge, leert tap­fer die Glä­ser der Gäs­te, mo­de­riert aber auch in­halt­lich und be­glei­tet am Key­board die Mu­sik­num­mern. Ganz wie beim Vor­bild sorgt als Ein­gangs­mu­sik der Wal­zer „Char­mai­ne“für fei­er­li­che Stim­mung, rückt „Ja­mes“die Tel­ler zu­recht und ent­zün­det die Ker­zen. Der ers­te Gang: die Mock­turt­le­sup­pe. Und was wün­schen Dr. Lu­ther da­zu zu trin­ken? Na­tür­lich ein Ein­be­cker Ur-Bock. Lu­ther weiß zu ge­nie­ßen: „Iss, was gar ist! Trink, was klar ist! Red, was wahr ist!“Doch zu­vor ver­liest „Ja­mes“Ge­burts­tags­post. Jus­tus Mö­ser gra­tu­liert und lobt Lu­ther als ei­nen Theo­lo­gen, der sich ob sei­ner er­götz­li­chen Ti­sch­re­den auch in sei­nem – al­so dem 18. – Jahr­hun­dert hät­te se­hen las­sen kön­nen. Noch mehr­fach im Ver­lauf der Re­vue wer­den der­ar­ti­ge „Gruß­adres­sen“ein­ge­streut.

Als Drit­ter im Bun­de der drei schau­spie­lern­den Pas­to­ren schlüpft Mar­tin St­ein­ke, der­zeit Kran­ken­haus­seel­sor­ger in Bad Ro­then­fel­de, in ver­schie­de­ne Rol­len. Als Phil­ipp Me­lan­chthon ist er der Ge­gen­part zum lau­ten, zo­ti­gen, zor­ni­gen, lei­den­schaft­li­chen Voll­blut-Pre­di­ger Dr. Mar­ti­nus Lu­ther, der sich von kei­nen di­plo­ma­ti­schen Um­we­gen auf­hal­ten lässt, um das zu ver­fol­gen, was er für rich­tig hält. Me­lan­chthon hin­ge­gen, lang­sam und lei­se spre­chend, be­hut­sam im Um­gang mit an­de­ren, kommt als der In­tel­lek­tu­el­le da­her, der sorg­sam ab­wägt, des­sen Wor­te ihr Ge­wicht nicht durch die Laut­stär­ke ver­lie­hen be­kom­men.

Wäh­rend das Me­nü mit Nord­see-Fo­rel­le und ei­nem frei ge­lau­fe­nen südol­den­bur­gi­schen Hähn­chen, da­zu Naum­bur­ger Mess­wein und ein „stark’ Wit­ten­ber­gisch’ Bier“, sei­nen Fort­gang nimmt, ver­kör­pert Mar­tin St­ein­ke in wei­te­ren Kurz­auf­trit­ten den aus Qua­ken­brück stam­men­den Re­for­ma­tor Her­mann Bon­nus, „un­se­ren Art­land Dra­gon“, und Lu­thers Gat­tin Kat­ha­ri­na von Bo­ra. Wie Lu­ther und sei­ne „Kä­the“zu­sam­men­fan­den, das lässt sich wie­der­um treff­lich be­sin­gen. Denn „Schuld war nur der Bos­sa No­va, ja der neue Boss!“Als die­sen him­melt Kat­ha­ri­na ih­ren Mar­ti­nus an.

Das ge­lun­ge­ne Pot­pour­ri aus Tex­ten und Mu­sik stammt über­wie­gend aus der Fe­der von Hart­mut Heyl, der Seel­sor­ger im Ame­os-Kli­ni­kum auf dem Ger­tru­den­berg ist. Mey­er-ten Tho­ren und St­ein­ke er­gänz­ten und feil­ten am Text. Wer nach all den unend­lich vie­len his­to­ri­schen Wür­di­gun­gen des Re­for­ma­ti­ons-Ju­bi­lä­ums Lust auf 90 Mi­nu­ten kurz­wei­li­ger, aber nie­mals kla­mau­ki­ger Spie­ge­lung des The­mas hat, dem sei die Re­vue emp­foh­len.

Wei­te­re Vor­stel­lun­gen in den Kir­chen­krei­sen Os­na­brück und Mel­le-Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­te, In­fos: kir­chen­krei­sos­nabru­eck.de

Fo­to: Michael Grün­del

Zeig­ten ei­ne ge­lun­ge­ne Re­for­ma­ti­ons-Re­vue: die Pas­to­ren (von links) Mar­tin St­ein­ke, Hans-Ge­org Mey­er­ten Tho­ren und Hart­mut Heyl im Blue No­te.

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