Kein Grund zum Ju­beln

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Kars­ten Frei k.frei@noz.de

Deutsch­lands Ar­beit­neh­mer ha­ben sich 2016 sel­te­ner krank­ge­mel­det. Lei­der ist das kein Grund zum Ju­beln. Denn zwi­schen krank sein und sich krank­mel­den be­steht ein gro­ßer Un­ter­schied. Rotz­na­sen, Rö­chel­hus­ten und Rü­cken­schmer­zen ge­hö­ren zum All­tag im Bü­ro.

Es ist noch kein Jahr her, dass der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund ei­ne Stu­die ver­öf­fent­licht hat, der zu­fol­ge sich zwei von drei Be­schäf­tig­ten min­des­tens ein­mal im Jahr krank zur Ar­beit schlep­pen. Ten­denz stei­gend. Sei es, weil sonst

ein rie­si­ger Berg Auf­ga­ben bei der Rück­kehr war­tet, sei es, um Kol­le­gen nicht im Stich zu las­sen oder aus Sor­ge um die Ver­län­ge­rung des be­fris­te­ten Ver­tra­ges. Die Grün­de sind viel­fäl­tig – die Fol­gen mit­un­ter ver­hee­rend.

Denn der Kör­per fin­det ein Ven­til, um mit ver­schlepp­ten Krank­hei­ten, stei­gen­der Ar­beits­ver­dich­tung und wach­sen­der Un­si­cher­heit um­zu­ge­hen – auch das zei­gen die DAK-Kran­ken­stands­da­ten. Nie gab es mehr Aus­fall­ta­ge we­gen psy­chi­scher Lei­den als 2016. De­pres­sio­nen und Burn-out las­sen sich nicht ein­fach mit Tee, Hus­ten­saft und Bett­ru­he ku­rie­ren.

Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ste­hen glei­cher­ma­ßen in der Ver­ant­wor­tung: Die ei­nen müs­sen ih­ren Be­schäf­tig­ten das Ge­fühl der Ent­behr­lich­keit neh­men, die an­de­ren die Zwangs­vor­stel­lung ab­le­gen, bei der Ar­beit un­ent­behr­lich zu sein.

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