Pro­test über Hö­ckes Äu­ße­run­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „Em­pö­rung über AfD-Po­li­ti­ker Hö­cke“(Aus­ga­be vom 19. Ja­nu­ar).

„Mitt­ler­wei­le sind nicht nur Björn Hö­cke, son­dern auch al­le an­de­ren Par­tei­füh­rer und die ge­sam­te AfD zu ei­ner Schan­de und Ge­fahr für un­ser Land ver­kom­men. Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land, das kann gut sein, ha­be auch ich ein­mal ge­dacht. Ei­ne Par­tei, EU-kri­tisch, setzt sich vi­el­leicht für die so­zia­len Be­lan­ge der Be­völ­ke­rung ein und auch für bes­se­re Bil­dungs­chan­cen al­ler so­zia­len Schich­ten. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu ei­ner CDU/CSU, die das Wort ,christ­lich‘ längst ver­lo­ren hat, ei­ner SPD, die seit Ger­hard Schrö­der mit dem Wort ,so­zi­al‘ nichts mehr an­fan­gen kann, und ei­ner Par­tei ,Die Grü­nen‘ , die schon lan­ge nicht mehr weiß, wo­für sie in den 80er-Jah­ren ge­stan­den hat. Aber lei­der ist aus die­ser Al­ter­na­ti­ve nichts ge­wor­den au­ßer ei­ner Par­tei, aus­län­der­feind­lich und ras­sis­tisch, die NS-Pro­pa­gan­da nach­plap­pert und auf Flücht­lin­ge schie­ßen las­sen will. Die­se Par­tei ist un­wähl­bar ge­wor­den.“

Klaus-Pe­ter Krü­ger Bad Ro­then­fel­de

„Es ist schon im ne­ga­ti­ven Sinn be­mer­kens­wert. Da schreibt die AfD selbst, dass sie ge­zielt pro­vo­zie­ren möch­te, um da­mit die Men­schen zu er­rei­chen, die mit ihr sym­pa­thi­sie­ren. Was pas­siert in den Me­di­en, sie set­zen die­se Pro­vo­ka­tio­nen, hier­zu zählt der Auftritt von Herrn Hö­cke, auf die Ti­tel­sei­te. Muss

das wirk­lich sein? Le­ser ge­winnt man da­mit si­cher nicht, Sym­pa­thi­san­ten der AfD tun den Me­di­en da­mit un­ter Um­stän­den ei­nen Ge­fal­len und be­stär­ken sie, sich die­ser Par­tei mit ih­rem Wahl­zet­tel an­zu­schlie­ßen. Die Re­de von Bun­des­prä­si­dent Gauck wä­re an die­sem Tag ei­ne Schlag­zei­le mit ei­nem Kom­men­tar wert ge­we­sen. Das ha­be ich sehr ver­misst. [...]“

Dr. Jobst-W. Carl Osnabrück

„Wie weit darf man mit Wor­ten un­ge­straft in Deutsch­land ge­hen, um Men­schen zu ver­un­glimp­fen? Zu Recht em­pö­ren sich vie­le Po­li­ti­ker in Deutsch­land über

die Aus­sa­gen ei­nes ex­trem rechts­po­pu­lis­tisch agie­ren­den Lan­des­vor­sit­zen­den ei­ner klei­nen po­li­ti­schen Par­tei! Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit wür­den Psy­cho­lo­gen so je­man­dem dia­gnos­ti­zie­ren. Re­de viel Blöd­sinn, Haupt­sa­che du kommst in die Schlag­zei­len. Auch sehr schlimm dar­an ist die Tat­sa­che, dass zu­meist jun­ge Men­schen sol­chem Ge­re­de auch noch ap­plau­die­ren! Ich […] ver­ur­tei­le sol­che Äu­ße­run­gen […]. Das sind wir dem An­den­ken der jü­di­schen Be­völ­ke­rung schul­dig!“

Karl­heinz Aeh­len Has­ber­gen

„Am [...] 17. Ja­nu­ar 2017 hat der AfD-Po­li­ti­ker Björn Hö­cke bei ei­ner Ver­an­stal­tung der Jun­gen Al­ter­na­ti­ven in Dres­den ei­ne Re­de ge­hal­ten, der un­be­dingt wi­der­spro­chen wer­den muss. Dort sprach er un­ter an­de­rem von ei­nem ,voll­stän­di­gen Sieg der AfD in un­se­rem Land‘ , so­wie von ei­nem ,Denk­mal der Schan­de in der deut­schen Haupt­stadt‘ . Da­mit woll­te Björn Hö­cke zum Aus­druck brin­gen, dass wir Deut­schen uns schä­men soll­ten, an den Ho­lo­caust zu er­in­nern.

Mit sei­ner For­de­rung nach ei­ner ,er­in­ne­rungs­po­li­ti­schen Wen­de um 180 Grad‘ möch­te Herr Hö­cke ger­ne ei­nen Schluss­strich un­ter das Er­in­nern an die furcht­ba­ren Ver­bre­chen der Na­zi­zeit und ins­be­son­de­re den Ho­lo­caust zie­hen und die­se nach Mög­lich­keit ver­ges­sen ma­chen. Die­se Re­de zeigt doch ganz ein­deu­tig, wes­sen Geis­tes Kind Björn Hö­cke ist (der NPD-Slo­gan da­zu heißt, Schluss mit dem Schuld­kult). Nach ei­nem – be­rech­tig­ten – Auf­schrei der Em­pö­rung in un­se­rem Land fühl­te sich Hö­cke falsch ver­stan­den und droh­te sei­nen Kri­ti­kern mit Kla­ge, um die­se mund­tot zu ma­chen. Nur, was ist an sol­chen Äu­ße­run­gen falsch zu ver­ste­hen, ins­be­son­de­re, wenn man sich die Leu­te auf dem Vi­deo an­schaut, die ei­nem Hö­cke be­geis­tert Bei­fall ge­spen­det ha­ben? Nichts, denn es ist ja nicht das ers­te Mal, dass ein Björn Hö­cke mit ras­sis­ti­schen und an­ti­se­mi­ti­schen Äu­ße­run­gen auf­ge­fal­len ist (zum Bei­spiel die Re­de aus dem No­vem­ber 2015 über fort­pflan­zungs­freu­di­ge Afri­ka­ner). Ich fin­de es gut, dass die Lin­ke Herrn Hö­cke we­gen sei­ner Re­de bei der Staats­an­walt­schaft in Dres­den an­ge­zeigt hat. Was aber sagt die Par­tei­füh­rung der AfD um Frau­ke Pe­try da­zu? Die Dis­tan­zie­rung über die­se un­ge­heu­er­li­chen Äu­ße­run­gen von Frau Pe­try wa­ren mir viel zu we­nig (na­tür­lich ist er ei­ne Be­las­tung für die Par­tei). Der Par­tei­vi­ze Gau­land ver­tei­dig­te Hö­cke noch, in­dem er des­sen brand­ge­fähr­li­che Re­de ver­tei­dig­te. Es ist aber nicht nur Björn Hö­cke, der in der AfD mit rech­ten Aus­fäl­len auf­fällt. Die Vor­sit­zen­de Frau Pe­try woll­te un­ter an­de­rem auf Flücht­lin­ge schie­ßen be­zie­hungs­wei­se den Be­griff ,völ­kisch‘ po­si­tiv be­set­zen. Da­her stellt sich für mich die Fra­ge, in­wie­weit die AfD noch auf dem Bo­den un­se­res Grund­ge­set­zes steht, zu­mal Herr Hö­cke im­mer noch Mit­glied in der Par­tei ist. Es wird Zeit, dass der Ver­fas­sungs­schutz sich end­lich mit die­ser Par­tei be­schäf­tigt, denn An­lass ge­nug da­zu gibt die­se Par­tei ja. Au­ßer­dem soll­te Herrn Hö­cke end­lich die Lehr­er­laub­nis ent­zo­gen wer­den. Leu­te mit sol­chen Äu­ße­run­gen ha­ben kein Recht, die Schü­ler in un­se­rem Land zu un­ter­rich­ten.“Uwe Ma­ne­mann Lin­gen

„Un­er­träg­lich, was der thü­rin­gi­sche AfD-Chef Björn Hö­cke in sei­ner ,Dresd­ner Re­de‘ in Be­zug auf das Ho­lo­caust-Mahn­mal in Ber­lin von sich ge­ge­ben hat! Wie kann ein Mensch, der po­li­tisch ak­tiv ist und Ver­ant­wor­tung für die Be­lan­ge von Bür­gern trägt, sich der­art her­ab­las­send und ent­wür­di­gend äu­ßern? Es zeugt von ab­so­lu­ter Un­mensch­lich­keit, die Be­wäl­ti­gungs­po­li­tik hin­sicht­lich der Na­zi-Ver­bre­chen als ,däm­lich’ zu be­zeich­nen. Der Ho­lo­caust, den Hit­ler und sei­ne Scher­gen zu ver­ant­wor­ten ha­ben, soll­te mehr denn je ein The­ma mit obers­ter Prio­ri­tät im Ge­schichts­un­ter­richt an al­len Schu­len un­se­res Lan­des (ger­ne auch dar­über hin­aus) sein. Nicht, um den nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen Schuld­ge­füh­le zu ver­ur­sa­chen, son­dern um wirk­lich nie­mals zu ver­ges­sen und neu­en fa­schis­ti­schen Strö­mun­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken. Un­ser Land ist ei­ne De­mo­kra­tie, auf die wir stolz sein kön­nen und die es zu er­hal­ten gilt. Men­sch­lich­keit und ein gleich­be­rech­tig­ter Um­gang al­ler Bür­ger auf sämt­li­chen Ebe­nen des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens sind selbst­ver­ständ­lich und sol­len es blei­ben. Frau­en und Män­ner, die sich der Po­li­tik ver­schrie­ben ha­ben, soll­ten das Wohl al­ler im Au­ge und im Sinn ha­ben. […]“

Bir­git Bern­storff Osnabrück

Fo­to: dpa

Sorg­te mit sei­ner Re­de für ei­nen Auf­schrei der Em­pö­rung: AfD-Po­li­ti­ker Björn Hö­cke.

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