Das Ren­dez­vous der Alt­meis­ter

Na­dal kämpft sich ge­gen Di­mitrov ins Nost­al­gie-Fi­na­le ge­gen Fe­de­rer – „Wahn­sinn“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Es war ein har­tes Stück Ar­beit für Ra­fa­el Na­dal, bis der Spa­nier Ro­ger Fe­de­rer ins Fi­na­le der al­ten Meis­ter bei den Aus­tra­li­an Open ge­folgt war.

Von Jörg Allmeroth

Im letz­ten Herbst be­such­te Ro­ger Fe­de­rer auf Mallor­ca den Ten­nis-Un­ter­neh­mer Ra­fa­el Na­dal. Der Schwei­zer war der pro­mi­nen­tes­te Eh­ren­gast bei der Er­öff­nung der Na­dalA­ka­de­mie, ei­ner im­po­nie­ren­den Aus­bil­dungs­stät­te für am­bi­tio­nier­te Ta­len­te. Fe­de­rer ge­ra­de mit­ten­drin in ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Ver­let­zungs­aus­zeit, Na­dal mal wie­der in ei­ner Come­back­mis­si­on – kein Wun­der, dass sich der Ma­e­s­tro und der „Stier von Ma­na­cor“ehr­lich frag­ten, ob sie je­mals wie­der in ei­nem gro­ßen Match auf dem Platz ste­hen wür­den. „Wir ha­ben ge­sagt: Lass uns we­nigs­tens mal wie­der ein Schau­match ma­chen“, er­in­nert sich Na­dal an je­nen son­ni­gen Tag auf sei­ner Hei­mat­in­sel, es war der 19. Ok­to­ber.

Am Sonn­tag ste­hen sich ge­nau je­ne bei­den schil­lern­den Groß­meis­ter der Ver­gan­gen­heit Au­gen in Au­ge ge­gen­über. Es geht – im ewig­grü­nen Klas­si­ker zwi­schen dem per­fek­ten Sti­lis­ten und dem Aus­nah­me-Figh­ter – noch ein­mal um ei­nen Grand-Slam-Ti­tel. Um Num­mer 18 für Fe­de­rer. Oder um Num­mer 15 für Na­dal.

Je­ner Na­dal, der nach jah­re­lan­ger Ver­let­zungs­pein fast schon ab­ge­schrie­ben war, folg­te Fe­de­rer in ei­ner sei­ner le­gen­dä­ren Kraft­an­stren­gun­gen ins End­spiel nach, mach­te das welt­weit her­bei­ge­sehn­te Ren­dez­vous mit Fe­de­rer per­fekt. Welch ein Sieg, welch ein Dra­ma, welch ein Ma­ra­thon aber war es: Vier St­un­den und 56 Mi­nu­ten brauch­te der 30-Jäh­ri­ge, um den fünf Jah­re jün­ge­ren Bul­ga­ren Gri­gor Di­mitrov mit 6:3, 5:7, 7:6 (7:4), 6:7 (4:7) und 6:4 in ei­nem der größ­ten Aus­tra­li­an-OpenMat­ches al­ler Zei­ten nie­der­zu­rin­gen und erst­mals seit den French Open 2014 wie­der ein Ma­jor-Fi­na­le zu er­rei­chen. „Ich bin sehr mü­de, aber auch sehr glück­lich“, sag­te Na­dal nach dem aus­zeh­ren­den Ma­ra­thon­sieg.

Wel­che Aus­wir­kun­gen die­ser knapp fünf St­un­den wäh­ren­de Ex­trem­sport auf höchs­tem Ni­veau hat­te, war die na­he lie­gen­de Fra­ge. Vor acht Jah­ren hat­te Na­dal ei­nen ähn­li­chen Halb­fi­nalKlas­si­ker ge­gen sei­nen Lands­mann Fer­nan­do Ver­das­co ge­won­nen, auch da­mals ging die Par­tie erst weit nach Mit­ter­nacht zu En­de. Al­le rech­ne­ten mit ei­nem Ein­bruch von Na­dal, zwei Ta­ge spä­ter im End­spiel ge­gen ei­nen ge­wis­sen Ro­ger Fe­de­rer, doch der Spa­nier ver­ließ mit dem Po­kal im Ge­päck Mel­bourne. „Ich hof­fe, dass ich mich bis zum Sonn­tag er­ho­len kann“, sag­te der Spa­nier, „ich will ge­rüs­tet sein für die­ses Match.“Schon am Don­ners­tag hat­te Fe­de­rer, der Ge­win­ner des Schwei­zer Du­ells ge­gen Stan Wa­wrin­ka, an­ge­kün­digt, er wer­de „ab­so­lut al­les in die­sem End­spiel raus­las­sen, auch wenn ich da­nach fünf Mo­na­te nicht mehr lau­fen kann“.

Ganz gleich, was noch pas­sie­ren wird in die­sem Nost­al­gie-Fi­na­le – Fe­de­rer und Na­dal, die bei­den Haupt­dar­stel­ler, hat­ten al­le im Wan­der­zir­kus schon mal auf dem fal­schen Fuß er­wischt. Nicht zu­letzt aber auch sich selbst. „Ich hät­te nicht viel ge­wet­tet auf mich“, sag­te Na­dal kopf­schüt­telnd nach dem Fi­nal­ein­zug, der ihm genau­so un­wirk­lich und be­stau­nens­wert vor­kam wie Fe­de­rer 24 St­un­den zu­vor. „Schlicht der Wahn­sinn“sei die 35. Auf­la­ge des Gi­gan­ten-Kampfs, die­ser Show­down von Mel­bourne, gab TV-Mann Bo­ris Be­cker zu Pro­to­koll: „Die­se Sto­ry hät­te man sich nicht bes­ser aus­den­ken kön­nen.“Im­mer­hin schon drei Jah­re liegt das letz­te Grand-Slam-Du­ell des Du­os zu­rück, das sich in der ers­ten De­ka­de die­ses Jahr­hun­derts die gro­ßen Ti­tel und die Macht im Welt­ten­nis fein säu­ber­lich auf­ge­teilt hat­te – 2014 bei den Aus­tra­li­an Open sieg­te Na­dal in drei Sät­zen in der Vor­schluss­run­de.

Ge­gen Di­mitrov er­leb­te der Spa­nier ei­nen sti­lis­ti­schen, wohl auch dra­ma­tur­gi­schen Vor­ge­schmack, was ihn am Sonn­tag er­war­tet. Der Bul­ga­re trägt nicht zu Un­recht den Spitz­na­men „Ba­by-Fed“, er gleicht in vie­len Ak­tio­nen dem be­rühm­ten Ma­e­s­tro, aber bis­her fehl­te ihm oft die Zä­hig­keit und der Punch, die Fe­de­rer auch aus­zeich­nen. Doch in die­sem Du­ell mit Na­dal kün­dig­te er sich trotz sei­ner bit­ter un­glück­li­chen Nie­der­la­ge wie nie zu­vor als kom­men­der Cham­pi­on an, leis­te­te bis zur al­ler­letz­ten Se­kun­de des Kri­mis er­bit­ter­te Ge­gen­wehr.

Fas­sungs­los: Ra­fa­el Na­dal. Fo­to: AFP

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