Wei­ter Dis­kus­si­on um Ab­schie­bun­gen

Grü­ne wi­der­spre­chen JU-Kri­tik an Ca­ri­tas

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

OSNABRÜCK. Die Dis­kus­si­on um ge­gen den Wil­len der Be­trof­fe­nen durch­ge­führ­te Ab­schie­bun­gen geht wei­ter. Nach­dem die Jun­ge Uni­on (JU) Osnabrück die Hal­tung der Os­na­brü­cker Ca­ri­tas zu die­sem The­ma kri­ti­siert hat­te, sind die Grü­nen dem ka­tho­li­schen Wohl­fahrts­ver­band zur Sei­te ge­sprun­gen. „Wir dan­ken dem Ca­ri­tas­ver­band für sei­ne kla­ren Wor­te“, heißt es in ei­ner Pres­se­infor­ma­ti­on der grü­nen Rats­frak­ti­on. Ca­ri­tasChef Ger­rit Schul­te ha­be recht, wenn er Men­sch­lich­keit for­de­re und un­an­ge­mel­de­te und nächt­li­che Ab­schie­bun­gen kri­ti­sie­re, wer­den die so­zi­al­po­li­ti­sche Frak­ti­ons­spre­che­rin An­ke Ja­cob­sen und der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Vol­ker Ba­jus dar­in zi­tiert.

Ab­schie­bun­gen sei­en im Um­gang mit Men­schen in Not „im­mer pro­ble­ma­tisch“, heißt es in der Er­klä­rung wei­ter. Die­se Zwangs­maß­nah­men ver­schär­fe für die be­trof­fe­nen Men­schen ih­re oh­ne­hin schwie­ri­ge Si­tua­ti­on.

Das Land Nie­der­sach­sen set­ze un­ter an­de­rem auf ei­ne Här­te­fall­kom­mis­si­on, in der Be­hör­den, Po­li­tik, Kir­chen und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen zu­sam­men­wirk­ten und an die sich Be­trof­fe­ne wen­den könn­ten. „Hier geht es vor al­lem dar­um, auch die Men­schen zu schüt­zen, die durch al­le Rechts­we­ge fal­len, aber Hil­fe brau­chen“, so Ba­jus.

„We­nig Ver­ständ­nis ha­ben die Grü­nen da­ge­gen für die ört­li­che CDU“, wird in der Mit­tei­lung be­tont. Die­se ha­be die jüngs­ten Ab­schie­bun­gen und ih­re Durch­set­zung durch die Po­li­zei „oh­ne Kennt­nis der nä­he­ren Um­stän­de be­grüßt“. „Die Jun­ge Uni­on kri­ti­siert jetzt so­gar die Ca­ri­tas für ih­ren Ein­satz für Ge­flüch­te­te“, so Ba­jus. „Statt im Pa­nik­mo­dus den men­schen­ver­ach­ten­den Pa­ro­len der AfD hin­ter­her­zu­lau­fen, soll­te man sich be­sin­nen, wo­für das ,C‘ im Par­tei­na­men steht“, er­gänzt Ja­cob­sen. Die Ca­ri­tas ma­che in Osnabrück „ei­ne her­vor­ra­gen­de Ar­beit“. Sie brau­che die Un­ter­stüt­zung der Po­li­tik „und nicht un­sach­li­che Kri­tik“.

In ei­ner vom Ver­ein Exil ver­brei­te­ten Mit­tei­lung er­klä­ren sich der­weil meh­re­re Os­na­brü­cker Or­ga­ni­sa­tio­nen „so­li­da­risch mit al­len fried­li­chen Blo­cka­den ge­gen Ab­schie­bun­gen“. Die­se sei­en „Aus­druck von ak­ti­ver Mit­mensch­lich­keit, von drin­gend nö­ti­ger So­li­da­ri­tät mit Men­schen auf der Flucht“. Zi­vi­ler Un­ge­hor­sam ge­gen Ge­fah­ren und Un­ge­rech­tig­keit ha­be ei­ne sehr lan­ge und un­ver­zicht­ba­re de­mo­kra­ti­sche Tra­di­ti­on. „Es ist des­halb, ge­ra­de in Zei­ten von Krie­gen und ge­sell­schaft­li­cher Po­la­ri­sie­rung ein Zei­chen der Hoff­nung, wenn sich ganz un­ter­schied­li­che Men­schen ge­mein­sam fried­lich ge­gen die Un­mensch­lich­keit von Ab­schie­bun­gen stel­len.“

Un­ter­zeich­net ha­ben die Er­klä­rung ne­ben dem Ver­ein Exil fol­gen­de Or­ga­ni­sa­tio­nen: Ak­ti­ons­zen­trum 3. Welt, Attac, DGB Osnabrück-Ems­land, Flücht­lings­hil­fe Ro­sen­platz, Help-Age, Ver­ein „No La­ger“.

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