Gr­ab­tuch

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Zur Per­son: Her­mann Wieh ist Pfarr­de­chant der ka­tho­li­schen Pfar­rei St. Jo­hann. Kon­takt: au­to­ren@ stadt­kir­che-os­nabru­eck.de

Von Her­mann Wieh

Er­staun­lich, wie vie­le Men­schen sich für das „Tu­ri­ner Gr­ab­tuch“in­ter­es­sie­ren. In der Jo­han­nis­kir­che wird bis zum 12. Fe­bru­ar die Aus­stel­lung „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“ge­zeigt. Im Mit­tel­punkt: die

Ko­pie ei­nes schlich­ten Lei­nen­tuchs, das ei­ne gro­ße An­zahl Blut­fle­cken auf­weist und bei der Durch­leuch­tung mit Rönt­gen­strah­len die Gestalt ei­nes Man­nes zeigt. Das Ori­gi­nal wird im Tu­ri­ner Dom als „Gr­ab­tuch Je­su“ver­ehrt. Es ist ein­ge­hend un­ter­sucht wor­den: mit Rönt­gen­strah­len, um die Hin­ter­grün­de zu durch­leuch­ten, mit ei­ner historischen Ana­ly­se des Stof­fes, um des­sen Al­ter und Her­kunft fest­zu­stel­len, mit che­mi­schen Me­tho­den, um den Blut­fle­cken ge­nau­er auf die Spur zu kom­men. Dem­nach scheint er­wie­sen, dass in die­sem Tuch im 1. Jahr­hun­dert ein am Kreuz ge­stor­be­ner Mann bei­ge­setzt wur­de. Trotz­dem bleibt die Fra­ge: Ist es wirk­lich das Ab­bild Je­su? Wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chun­gen kön­nen die Aus­sa­gen der Bi­bel als glaub­wür­dig er­wei­sen. Ei­nen ul­ti­ma­ti­ven Be­weis für die Kreu­zi­gung und Au­fer­ste­hung Je­su kann und will das Gr­ab­tuch nicht bie­ten. Al­le Glau­ben­den su­chen Be­wei­se, um ei­ge­nen Zwei­feln und kri­ti­schen Fra­gen zu ent­kom­men. Die Fra­gen der Zwei­feln­den müs­sen ernst ge­nom­men wer­den. Aber eben­so ernst zu neh­men ist die per­sön­li­che Glau­bens­aus­sa­ge vie­ler Chris­ten nach dem Stu­di­um der Bild­ta­feln und dem Blick auf die­ses Tuch: „Für mich ist es das Bild Je­su, an des­sen Liebe zu den Men­schen ich glau­be und auf des­sen Kraft zur Au­f­er­we­ckung der To­ten ich hof­fe.“

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