Osnabrück-Pul­li bei Mo­den­schau in Pa­ris

Kommt Sweat­shirt von Herd­buch-Ge­nos­sen­schaft?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Mit ei­nem grü­nen Pul­li Bei ei­ner Mo­den­schau in Pa­ris trug ein Mo­del ei­nen Swea­ter mit dem Slo­gan „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“. Der Spruch wur­de vor 15 Jah­ren durch ei­ne gro­ße Kam­pa­gne be­kannt. Doch wie kommt der Pul­li nach Pa­ris, und was hat er mit ei­nem Bul­len zu tun?

Von Na­di­ne Gru­ne­wald

Ein männ­li­ches Mo­del mit ei­ner bei­gen Ho­se und ei­nem trans­pa­ren­ten Re­gen­man­tel sorg­te bei ei­ner Mo­den­schau des La­bels Ve­te­ments in Pa­ris für Auf­se­hen in Osnabrück. Der Grund: Der Mann trug ei­nen dun­kel­grü­nen Swea­ter mit dem Slo­gan „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“. War­um das Mo­del den Swea­ter trug und wie die­ser nach Pa­ris ge­kom­men ist, ist un­klar. Ve­te­ments hat ei­ne Pres­se­an­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on bis­lang nicht be­ant­wor­tet.

Un­se­re Re­cher­che führt uns zu­rück in die Jah­re 2002/03. Zu der Zeit führ­ten meh­re­re Un­ter­neh­men zu­sam­men mit dem „Stern“ei­ne Um­fra­ge durch, die klä­ren soll­te, wo in Deutsch­land die glück­lichs­ten und zu­frie­dens­ten Men­schen leb­ten. Die Ant­wort: in Osnabrück. „Der da­ma­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter Hans-Jür­gen Fip woll­te da­mals ein Orts­ein­gangs­schild ha­ben, auf dem das ir­gend­wie stand“, sagt Thomas Schul­te, Ge­schäfts­füh­rer der Wer­be­agen­tur Ha­gen­hoff. „Wir ha­ben dann an ei­nem Wo­che­n­en­de gleich ei­ne gan­ze Kam­pa­gne ent­wi­ckelt.“So wur­de der Satz ge­bo­ren, der noch heu­te häu­fig ver­wen­det wird: „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“.

In ei­ner gro­ßen Print­kam­pa­gne im „Stern“stell­ten sich Un­ter­neh­men aus der Re­gi­on vor, die­se Zei­tung brach­te ei­ne gro­ße Son­der­bei­la­ge zu dem The­ma her­aus. Auch die Be­völ­ke­rung soll­te an der Kam­pa­gne be­tei­ligt wer­den. Sven Jür­gen­sen, Spre­cher Stadt Osnabrück

Da zu der Zeit die Mai­wo­che statt­fand, wur­den T-Shirts mit dem Slo­gan für das Per­so­nal ge­druckt. Und die schlu­gen ein wie ei­ne Bom­be: „Sie wa­ren bei den Be­su­chern so be­gehrt, dass sie neu auf­ge­legt wur­den“, sagt Schul­te, der da­mals an der Kam­pa­gne be­tei­ligt war.

Seit­dem taucht der Claim im­mer mal wie­der auf – als Eti­kett an Au­tos, in Re­den, auf dem T-Shirt ei­ner Schau­spie­le­rin im Tat­ort oder wie jetzt ge­ra­de auf dem Lauf­steg. Der Swea­ter könn­te von der Os­na­brü­cker Herd­buchGe­nos­sen­schaft (OHG) stam­men, ei­ner der füh­ren­den Rin­der­zucht­or­ga­ni­sa­tio­nen in Eu­ro­pa. „Wir hat­ten da­mals den welt­bes­ten Bul­len Na­mens Lan­ce­lot“, sagt Andre­as Kand­zi von der OHG. „Ich ha­be den Slo­gan auf ei­nem Au­to ge­se­hen und ihn an­läss­lich der eu­ro­päi­schen Hol­stein­show in Ol­den­burg auf dun­kel­grü­ne Sweat­shirts dru­cken las­sen.“Auf der Rück­sei­te sei­en wie bei ei­nem Tor­wart­tri­kot der Na­me des Bul­len und ei­ne „eins“ge­druckt wor­den.

Dass die OHG den Slo­gan ab­ge­kup­fert hat, fin­det die Wer­be­agen­tur im Üb­ri­gen nicht schlimm. Auch an­de­re Un­ter­neh­men hät­ten das ge­macht. „Wir freu­en uns wahn­sin­nig, dass je­mand in Pa­ris mit dem Slo­gan rum­läuft und die Ge­schich­te im­mer noch wei­ter­lebt“, sagt Schul­te. Im­mer wie­der wür­den Men­schen bei ih­nen an­ru­fen und nach T-Shirts oder Auf­kle­bern mit dem Claim fra­gen. Bis­lang gibt es die­se zwar seit der Kam­pa­gne nicht mehr – mög­li­cher­wei­se aber bald wie­der. „Wir über­le­gen, ob wir den Auftritt des Mo­dels nicht zum An­lass neh­men sol­len, noch mal TShirts mit dem Spruch be­dru­cken zu las­sen“, sagt Sven Jür­gen­sen, Spre­cher der Stadt Osnabrück. Doch war­um hat man das nicht schon frü­her ge­macht, wenn der Spruch im­mer noch so be­liebt ist? „Die Kam­pa­gne war wohl die er­folg­reichs­te, die wir je ge­macht ha­ben. Es soll­te kein La­den­hü­ter wer­den, son­dern ei­ne kraft­vol­le Kam­pa­gne. Und die hat im­mer ei­nen An­fang und ein En­de.“

Skur­ri­le Looks der Ber­li­ner Fa­shionweek auf noz.de/ver­misch­tes

mit dem Slo­gan „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“lief ein Mo­del auf ei­ner Schau des Mo­de­la­bels Ve­te­ments in Pa­ris. Fo­to: AFP

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