Pre­mie­re für Sa­tel­li­ten­platt­form

Erst­mals seit Jahr­zehn­ten star­tet wie­der „Ma­de in Ger­ma­ny“ins All – Bre­mer Un­ter­neh­men will neu­en Markt er­schlie­ßen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Erst­mals seit Jahr­zehn­ten star­tet wie­der ein Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sa­tel­lit „ma­de in Ger­ma­ny“ins All. Mit der von der Esa ge­för­der­ten Neu­ent­wick­lung will das Bre­mer Un­ter­neh­men OHB ei­nen neu­en Markt er­schlie­ßen.

Wenn die So­jus-Ra­ke­te ins All ge­langt ist und ih­re High­tech-Fracht er­folg­reich aus­ge­setzt hat, dürf­te Andre­as Lindenthal ein St­ein vom Her­zen fal­len. Ei­ne Trä­ger­ra­ke­te mit dem ers­ten Sa­tel­li­ten aus ei­ner neu­en Bau­rei­he soll­te in der Nacht auf Sams­tag star­ten, die der deut­schen In­dus­trie ver­lo­re­nes Ter­rain im Welt­raum­markt zu­rück­er­obern soll. Denn in Deutsch­land ist seit et­wa drei Jahr­zehn­ten kein Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sa­tel­lit mehr ge­baut wor­den. „Wir wa­ren da schon mal gut un­ter­wegs, ha­ben das aber ein biss­chen ver­lo­ren“, sagt Gerd Grup­pe vom Deut­schen Zen­trum für Luft­und Raum­fahrt (DLR).

Die neue Sa­tel­li­ten­platt­form Smal­lGEO ist des­halb für das Bre­mer Un­ter­neh­men OHB, das bis­lang Sa­tel­li­ten mit nied­ri­ge­ren Flug­hö­hen bau­te, ein Sprung in ei­ne ganz an­de­re Li­ga. „Der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­markt ist der größ­te Sa­tel­li­ten­markt, das heißt der um­kämpf­tes­te“, sagt OHB-Vor­stand Lindenthal. Dort tum­meln sich Schwer­ge­wich­te wie Bo­eing in den USA so­wie Tha­les Ale­nia Space und die Air­busRaum­fahrts­par­te, die Sa­tel­li­ten in Frank­reich bau­en.

Smal­lGEO ent­stand un­ter ei­nem Tech­no­lo­gie­för­de­rungs­pro­gramm der Eu­ro­päi­schen Raum­fahrt­agen­tur Esa. Der ers­te Sa­tel­lit, der auf der Platt­form Smal­lGEO ba­siert und nun ins All ge­schickt wird, heißt Hi­s­pa­sat 36W-1. Er wur­de als öf­fent­lich-pri­va­te Part­ner­schaft mit dem spa­ni­schen Sa­tel­li­ten­be­trei­ber Hi­s­pa­sat ge­baut. Ins­ge­samt flos­sen da­für nach DLR-An­ga­ben mehr als 300 Mil­lio­nen Eu­ro öf­fent­li­che För­de­rung, al­lein Deutsch­land steu­er­te rund 150 Mil­lio­nen Eu­ro bei.

Smal­lGEO ist ei­ne Platt­form für klei­ne geo­sta­tio­nä­re Sa­tel­li­ten mit ei­nem Start­ge­wicht von bis zu 3,5 Ton­nen. Geo­sta­tio­nä­re Sa­tel­li­ten ste­hen in ei­ner Hö­he von et­wa 36 000 Ki­lo­me­tern im­mer über dem glei­chen Punkt der Erd­ober­flä­che.

Ur­sprüng­lich soll­te der ers­te Smal­lGEO-Sa­tel­lit schon 2012 ins All star­ten, doch es gab Ver­zö­ge­run­gen. „Ich muss zu­ge­ben, dass wir bei der Sa­tel­li­ten­ent­wick­lung die ein oder an­de­re Lek­ti­on ler­nen muss­ten“, sagt Lindenthal. Es ha­be län­ger ge­dau­ert als ge­dacht, tech­ni­sche Pro­ble­me zu lö­sen.

Der Groß­teil des Mark­tes für geo­sta­tio­nä­re Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sa­tel­li­ten, von de­nen welt­weit et­wa 20 im Jahr ge­baut wer­den, sind gro­ße Ge­rä­te mit ei­nem Ge­wicht um die sechs Ton­nen. „Des­we­gen be­set­zen wir da­mit so­zu­sa­gen ei­ne Markt­ni­sche, die aber in­ter­es­san­ter­wei­se jetzt ge­ra­de durch neue tech­ni­sche In­no­va­tio­nen im­mer at­trak­ti­ver wird.“Hin­ter­grund ist die Ent­wick­lung von voll­elek­tri­schen An­trie­ben, die das Treib­stoff­ge­wicht in Zu­kunft deut­lich re­du­zie­ren sol­len. Da­mit könn­ten Sa­tel­li­ten bei glei­chem Ge­wicht mehr Nutz­last trans­por­tie­ren.

Funk­tio­niert al­les? Mit­ar­bei­ter der Bre­mer OHB über­prü­fen ei­nen Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sa­tel­li­ten. Fo­to: dpa

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