Mut zu den Grau­tö­nen der Ge­schich­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Chris­ti­ne Adam c.adam@noz.de

Die Ge­schich­te des ei­ge­nen Lan­des durch die pa­trio­ti­sche Bril­le zu be­trach­ten, ge­hört zu den Merk­ma­len rechts­po­pu­lis­ti­scher Re­gie­run­gen wie zur­zeit in Po­len. Doch et­wa die Po­gro­me von Po­len an 300 jü­di­schen Nach­barn von 1941 lie­ber weg­las­sen zu wol­len zu­guns­ten des hel­den­haf­ten Wi­der­stan­des ge­gen den NS-Staat, grenzt an

Ge­schichts­klit­te­rung. Die Grau­tö­ne der Ge­schich­te, die das Dan­zi­ger Mu­se­um des Zwei­ten Welt­krie­ges zei­gen will, wer­den so ge­leug­net.

Auf die­se Wei­se ge­ra­de auch dem ei­ge­nen Nach­wuchs Ge­schich­te ver­mit­teln zu wol­len, ist in­fan­til und selbst ein his­to­ri­scher Rück­schritt. Si­cher, die Au­f­ar­bei­tung his­to­ri­scher Wahr­hei­ten ist oft kein Zu­cker­schle­cken, das na­tio­na­le Iden­ti­tä­ten stärkt und be­flü­gelt. Doch ge­sun­des na­tio­na­les Selbst­be­wusst­sein kann nicht auf Kos­ten von uni­ver­sel­lem Den­ken wach­sen.

Die Flucht in den he­roi­sie­ren­den Na­tio­na­lis­mus ist oh­ne­hin kei­ne rei­fe Ant­wort auf die glo­ba­len Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit.

Des­halb soll­te Po­lens Re­gie­rung ganz sou­ve­rän die Hän­de vom bis­he­ri­gen Aus­stel­lungs­kon­zept des Dan­zi­ger Mu­se­ums des Zwei­ten Welt­krie­ges las­sen.

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