Im Vi­sier von Po­lens Re­gie­rung

Sor­ge vor „Kor­rek­tu­ren“: Dan­zigs Mu­se­um des Zwei­ten Welt­krie­ges öff­net vor­zei­tig

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Den Ma­chern von Dan­zigs neu­em Mu­se­um des Zwei­ten Welt­kriegs läuft die Zeit da­von: Ob­wohl noch nicht al­le Ex­po­na­te an ih­ren Plät­zen ste­hen, öff­nen sie am Wo­che­n­en­de ei­ni­gen Hun­dert Po­len die Tür. Es könn­te die ein­zi­ge Mög­lich­keit sein, ih­re jah­re­lan­ge Ar­beit zu­min­dest ei­nem Teil der Öf­fent­lich­keit zu zei­gen.

Die Re­gie­rung könn­te die Aus­stel­lung bald um­bau­en, er­klärt Mu­se­ums­di­rek­tor Pa­wel Mach­ce­wicz. „Sie wird in ih­rer jet­zi­gen Form wahr­schein­lich nie mehr zu se­hen sein“, ver­mu­tet der Kul­tur­schaf­fen­de, der des­we­gen zum Tag der of­fe­nen Tür ge­la­den hat. Seit 2008 bau­te er das pol­ni­sche Prestige-Pro­jekt mit auf. Vor der Mu­se­ums­er­öff­nung wird er höchst­wahr­schein­lich ent­las­sen. Denn zum Fe­bru­ar wird aus dem Haus ein na­tio­na­les Kul­tur­in­sti­tut. Da­mit ge­rät es un­ter Ein­fluss der na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven Re­gie­rung, die seit ei­nem Rechts­ruck 2015 in Po­lens Ge­schichts­po­li­tik neue Ak­zen­te setzt. Sie pro­pa­giert Wer­te wie na­tio­na­le Iden­ti­tät und Pa­trio­tis­mus. Wie­der­holt hat­ten War­schau­er Kul­tur­po­li­ti­ker de­ren Man­gel in dem neu­en Mu­se­um be­an­stan­det, des­sen Initia­tor der ehe­ma­li­ge Mi­nis­ter­prä­si­dent Do­nald Tusk war.

Sie kri­ti­sier­ten: Zu uni­ver­sa­lis­tisch sei der An­satz, am Bei­spiel Po­lens das Leid der ge­sam­ten Zi­vil­be­völ­ke­rung zu zei­gen. Nach Mei­nung der Na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven soll­te die pol­ni­sche Per­spek­ti­ve stär­ker her­vor­ge­ho­ben wer­den – die Po­len als Op­fer der Na­zis und Hel­den im Un­ter­grund so­wie an der Front. Schon vor Mo­na­ten sprach Kul­tur­mi­nis­ter Piotr Glin­ski in die­sem Zu­sam­men­hang von mög­li­chen „Kor­rek­tu­ren“. Die­se könn­te er nun durch ei­ne Zu­sam­men­le­gung mit dem deut­lich klei­ne­ren Wes­ter­plat­te-Mu­se­um um­set­zen. Für die so ent­ste­hen­de Kul­tur­ein­rich­tung kann ein neu­er Di­rek­tor be­ru­fen wer­den – ei­ne Mög­lich­keit für die Re­gie­ren­den, Ein­fluss zu neh­men. Laut Kul­tur­mi­nis­te­ri­um aber wer­den die In­sti­tu­tio­nen aus Kos­ten­grün­den zu­sam­men­ge­schlos­sen.

Dan­zigs Bür­ger­meis­ter Pa­wel Ada­mo­wicz ist skep­tisch und warnt: Wür­den in nächs­ter Zeit Än­de­run­gen an der Aus­stel­lung vor­ge­nom­men, wä­re es ei­ne Ver­schwen­dung von Steu­er­gel­dern. Im äu­ßers­ten Fall droht er in der Zei­tung „Ga­ze­ta Wy­borc­za“, das Mu­se­umsgrund­stück zu­rück­zu­ver­lan­gen. Es war ei­ne Schen­kung der Stadt, auf de­ren na­he ge­le­ge­ner Halb­in­sel Wes­ter­plat­te mit dem Über­fall der Deut­schen der Zwei­te Welt­krieg of­fi­zi­ell be­gann.

Den Zu­sam­men­schluss der Mu­se­en kön­nen die Kul­tur­schaf­fen­den nicht mehr be­ein­flus­sen. Ih­re Ar­beit, die ge­lobt wur­de, ver­tei­di­gen sie aber. Für Ex­per­ten or­ga­ni­sier­ten die Mu­se­ums­ma­cher ei­ne Vor­be­sich­ti­gung. Auch die War­schau­er Mi­nis­ter wä­ren über­zeugt wor­den, dass das Mu­se­um auf groß­ar­ti­ge Wei­se Po­lens Ge­schich­te er­zählt, sagt Di­rek­tor Mach­ce­wicz. Die Haupt­aus­stel­lung wid­me der welt­weit weit­ge­hend un­be­kann­ten Ge­schich­te Po­lens in dem Krieg ei­ne be­son­de­re Rol­le. Doch die Po­li­ti­ker hät­ten sei­ne Ein­la­dung nicht an­ge­nom­men.

„Wir wer­den Zeu­gen, wie das Mu­se­um noch vor sei­ner Er­öff­nung auf­hört zu be­ste­hen“, sagt Dan­zigs Bür­ger­meis­ter. Das Haus ste­he im Ge­gen­satz zur jüngst in Po­len be­trie­be­nen Kul­tur­po­li­tik. Die­se sei „an die Lei­ne der re­gie­ren­den Mehr­heit ge­bun­den“, meint Ada­mo­wicz.

Blick in die Aus­stel­lung des Mu­se­ums des Zwei­ten Welt­kriegs in Dan­zig. Fo­to: Czarek So­ko­low­ski/AP/dpa

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