Fern­seh­kö­che spie­len Schnit­zel­jagd

„Kit­chen Im­pos­si­ble“mit Tim Mäl­zer geht am Sonn­tag bei Vox in die zwei­te Staf­fel

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen Am Sonntag -

„Kit­chen Im­pos­si­ble“geht wie­der los: Fern­seh­kö­che spie­len da­bei Schnit­zel­jagd – im­mer auf der Su­che nach dem rich­ti­gen Ge­schmack und ge­würzt mit klei­nen, aber fei­nen Ne­cke­rei­en für den Geg­ner.

Von Ste­fa­nie Hiek­mann

Dass Tim Mäl­zer mit all­zu gro­ßer Be­schei­den­heit nichts an­fan­gen kann, weiß je­der, der ihn ein­mal er­lebt hat – im Fern­se­hen, live oder auch per­sön­lich. Ein aus­ge­präg­tes Selbst­be­wusst­sein ge­hört zum Image des Ham­bur­gers. Wahr­schein­lich war die­ser Cha­rak­ter­zug mit da­für ver­ant­wort­lich, dass 2014 „Kit­chen Im­pos­si­ble“ge­bo­ren wur­de, die an­ders als die meis­ten an­de­ren Koch­shows kein in­ter­na­tio­na­les Vor­bild hat, son­dern von Mäl­zer selbst ent­wi­ckelt wur­de. Denn da­bei geht es dar­um, sich zu be­wei­sen, aus ei­nem Wett­kampf un­ter teils wid­ri­gen Be­din­gun­gen als Sie­ger her­vor­zu­ge­hen und hin­ter­her tüch­tig da­mit an­zu­ge­ben. All das liebt Mäl­zer.

Die Fol­gen der zwei­ten Staf­fel, die ab Sonn­tag bei Vox zu se­hen sind, le­ben

nicht nur von be­kann­ten und er­folg­rei­chen Kö­chen, son­dern vor al­lem auch von sol­chen, die wie Mäl­zer nicht auf den Mund ge­fal­len sind. Denn an­dern­falls könn­ten die sat­ten drei St­un­den Sen­de­zeit, mit de­nen Vox in den kom­men­den Wo­chen die kom­plet­te sonn­täg­li­che Pri­me Ti­me füllt, ganz schön lang­at­mig wer­den.

In der ers­ten Fol­ge sorgt ne­ben Mäl­zer Ma­ria Groß da­für, dass es nicht so ist. Groß, die sich als ei­ne von we­ni­gen Frau­en be­reits in jun­gen Jah­ren ei­nen Mi­che­lin-Stern er­kocht hat, sitzt mit Mäl­zer in des­sen Ham­bur­ger Re­stau­rant „Bul­le­rei“. Die bei­den las­sen sich das ei­ne oder an­de­re Glas Wein schme­cken, frot­zeln sich fort­wäh­rend an und kom­men­tie­ren da­bei in

der Rück­schau das Film­ma­te­ri­al der Chal­len­ges, für die sie durch halb Eu­ro­pa ge­reist sind.

Je­der der bei­den Kan­di­da­ten hat­te den an­de­ren an zwei ver­schie­de­ne Or­te ge­schickt, an de­nen er zu­nächst ei­ne schwar­ze Kis­te fin­den muss­te. Dar­in be­fand sich je­weils ein ty­pi­sches Ge­richt aus der je­wei­li­gen Ge­gend, das es galt, ex­akt so nach­zu­ko­chen, dass es Test­es­sern aus der Re­gi­on mög­lichst noch bes­ser schmeck­te als das Ori­gi­nal. Re­zep­te, Zu­ta­ten­lis­ten oder Hil­fe­stel­lun­gen gab es nicht. Die Kö­che muss­ten sich auf ih­re Na­se, ih­ren Ge­schmacks­sinn und ihr an­ge­sam­mel­tes ku­li­na­ri­sches Wis­sen ver­las­sen.

Das ist ein Kern­ele­ment der Sen­dung. Denn: „Es gibt

kein Koch-Ge­setz­buch, die Welt des Ko­chens ist so fa­cet­ten­reich und viel­fäl­tig, dass sich nicht al­les in Re­zep­te fas­sen lässt“, be­tont Tim Mäl­zer im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Um an ge­nau die­ser Stel­le an­zu­set­zen, näm­lich die Welt des Ex­pe­ri­men­tie­rens und der über­ra­schen­den und tra­di­tio­nel­len, teils auch ver­ges­se­nen Gar­me­tho­den zu zei­gen, ge­be es „Kit­chen Im­pos­si­ble“.

So wur­de Mäl­zer für die ers­te Fol­ge der neu­en Staf­fel von Ma­ria Groß nach Tsche­chi­en ge­schickt. Sei­ne Auf­ga­be: Ap­fel­stru­del mit Va­nil­le­so­ße so um­zu­set­zen, dass es dem Fa­mi­li­en­re­zept der Pra­ger Kon­di­to­rin Ive­ta Fa­be­so­va mög­lichst in nichts nach­steht. Wäh­rend sich die­se Auf­ga­be für den ge­wief­ten Koch­pro­fi als durch­aus mach­bar ent­pupp­te, war sei­ne zwei­te schon we­sent­lich kniff­li­ger: In Ös­ter­reich muss­te das be­ken­nen­de Stadt­kind in ei­nem selbst ge­bud­del­ten Erd­loch Ta­fel­spitz ga­ren – und das un­ter star­ken Schmer­zen, da er nach dem ob­li­ga­to­ri­schen Holz­ha­cken übel Rü­cken hat­te.

Nichts­des­to­trotz: Die Gril­lak­ti­on ha­be sich ge­lohnt, er­zählt der TV-Koch. „Die ge­mä­ßig­te Hit­ze ist für das Pro­dukt schon sehr gut.“Ge­mä­ßig­te Tem­pe­ra­tu­ren ver­wen­den, da­für aber ei­ne län­ge­re Gar­zeit – wo­für Spit­zen­kö­che ger­ne mal High­tech-Ge­rä­te ver­wen­den, klappt eben auch in ei­nem Erd­loch. Das ha­be man üb­ri­gens nichts her­aus­ge­schmeckt, ver­si­chert Mäl­zer. „Das ist wie ein tie­fer ge­leg­ter Ofen.“Wäh­rend Tim Mäl­zer im Vor­arl­ber­ger Wald wer­kel­te, weil­te Ma­ria Groß bei ei­nem für sei­ne kom­pli­zier­te Mo­le­ku­lar­kü­che be­kann­ten Spit­zen­koch in Bar­ce­lo­na – und in der un­ga­ri­schen Pusz­ta, wo sie ein mög­lichst ori­gi­nal­ge­treu­es Pör­k­ölt ko­chen muss­te. Da­hin­ter ver­birgt sich das un­ga­ri­sche Na­tio­nal­ge­richt, das in Deutsch­land un­ter dem Na­men Gu­lasch be­kannt ist .

Es sind nicht nur die au­then­ti­schen Ge­rich­te, die frei nach Na­sen- und Mund­ge­fühl um­ge­setzt wer­den müs­sen, die die Kü­chen­stars bei „Kit­chen Im­pos­si­ble“her­aus­for­dern. Auch oder vor al­lem die un­ter­schied­li­chen ört­li­chen Be­ge­ben­hei­ten und die teils al­ten, tra­di­tio­nel­len Gar­me­tho­den, die mit ein­be­zo­gen wer­den müs­sen, sor­gen für schwie­ri­ge Si­tua­tio­nen, die viel Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent er­for­dern. Die Fra­gen, die da­bei für die Kan­di­da­ten am En­de ei­ner je­den Fol­ge steht: Wer hat den an­de­ren ge­schla­gen? Und wie hat den Test­es­sern die Free­style-Um­set­zung ge­schmeckt? Für die meis­ten Zu­schau­er wird das aber eher ne­ben­säch­lich sein. Was „Kit­chen Im­pos­si­ble“tat­säch­lich sehr un­ter­halt­sam macht, sind die span­nen­den Ein­bli­cke in die Ess­kul­tu­ren an­de­rer Län­der – so­wie die mit­un­ter tat­säch­lich sehr lus­ti­gen Dia­lo­ge zwi­schen den Kan­di­da­ten.

„Kit­chen Im­pos­si­ble“: Sonn­tag, Vox, 20.15 Uhr. Bis 12. März im­mer sonn­tags.

Al­le Tei­le die­ser Se­rie im In­ter­net auf noz.de/me­di­en

Kis­te mit Über­ra­schung: Wel­che Auf­ga­be er­war­tet Koch Tim Mäl­zer wohl in Ös­ter­reich? Fo­to: Vox

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