Agen­ten­pos­se mit groß­ar­ti­gem En­sem­ble

Ko­mö­die „Kund­schaf­ter des Frie­dens“spielt mit Ost-West-Ste­reo­ty­pen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film - Von Frank Jür­gens

Die ge­lun­ge­ne Agen­tenPar­odie „Kund­schaf­ter des Frie­dens“spielt ge­konnt mit Ost-West-Kli­schees so­wie den bö­sen Fal­len des ewi­gen Ge­ne­ra­tio­nen­kon­flikts.

OSNABRÜCK. Die Deut­sche De­mo­kra­ti­sche Re­pu­blik war ein fried­lie­ben­des Land. So fried­lie­bend, dass es so­gar auf Spio­ne und Ge­heim­agen­ten ver­zich­te­te, ob­wohl der bö­se Klas­sen­feind di­rekt an der Mau­er lau­er­te. An­stel­le von ge­wöhn­li­chen Agen­ten wur­den in der DDR so­ge­nann­te „Kund­schaf­ter des Frie­dens“aus­ge­bil­det und in al­le Welt, vor­nehm­lich al­so nach West­ber­lin, ge­schickt. Ei­ni­ge von ih­nen, so­ge­nann­te „Ro­me­os“, ar­bei­te­ten da­bei so­gar als Kund­schaf­ter der Liebe.

Üb­rig ge­blie­ben ist von ih­nen trotz­dem noch we­ni­ger als von dem „an­ti­fa­schis­ti­schen Schutz­wall“. Aber 27 Jah­re nach dem Mau­er­fall be­kommt der BND ein Pro­blem, das sich nur mit­hil­fe ei­ni­ger al­ter Re­cken aus den Rei­hen der eins­ti­gen DDRGe­heim­dienst­ler lö­sen lässt.

Im fer­nen Land Kat­sche­kis­tan, das wie einst auch Deutsch­land in Ost und West ge­teilt ist, ste­hen die Zei­chen auf Wie­der­ver­ei­ni­gung. Dum­mer­wei­se wird dort der BND-Agent Frank Kern (Jür­gen Proch­now) mit sei­ner wich­tigs­ten Fracht, dem zu­künf­ti­gen ge­samt­kat­sche­ki­schen Prä­si­den­ten, ent­führt. Droht nun in letzter Se­kun­de die von der Bun­des­re­gie­rung ge­plan­te Frie­dens­kon­fe­renz zu plat­zen? In sei­ner Rat­lo­sig­keit gibt sich der BND der Idee hin, den eins­ti­gen Ost­agen­ten – par­don – Frie­dens­kund­schaf­ter Jo­chen Falk (Hen­ry Hüb­chen) in die fer­ne Re­gi­on zu schi­cken, wo er sich bes­tens aus­kennt.

Ge­mein­sam mit sei­nen al­ten Mit­strei­tern Ja­ecki (Micha­el Gwis­dek) und Lo­cke (Thomas Thie­me) macht sich der „Zo­nen-Ja­mes-Bond“auf den Weg. Al­ler­dings vor­sichts­hal­ber be­glei­tet von der jun­gen BND-Agen­tin Pau­la Kern (Ant­je Traue). Falk hat näm­lich auch noch ein ganz per­sön­li­ches Hühn­chen mit sei­nem ehe­ma­li­gen Wi­der­sa­cher Kern zu rup­fen, der ihn einst auf­flie­gen ließ. Falk ahnt al­ler­dings nicht, dass die­se Mis­si­on ei­ne noch viel per­sön­li­che­re Wen­dung neh­men soll.

Re­gis­seur und Ko-Au­tor Ro­bert Thal­heim ist mit „Kund­schaf­ter des Frie­dens“ei­ne klei­ne, aber fei­ne Agen­ten­pos­se von heu­te mit An­spie­lun­gen und Ver­wei­sen auf Agen­ten­fil­me der 1960er­bis 1980er-Jah­re ge­lun­gen. Schon der Vor­spann be­inhal­tet vom Split­screen bis zur Film­mu­sik lie­be­vol­le Re­fe­ren­zen an das Gen­re je­ner Zeit.

Die Ko­mö­die er­in­nert von der Idee her ein we­nig an Fil­me wie „The Ex­pen­da­bles“und „R.E.D.“. Aber na­tür­lich feh­len die­ser dann doch fi­nan­zi­ell viel zu ge­ring aus­ge­stat­te­ten Pro­duk­ti­on die Mit­tel zu Spe­zi­al­ef­fek­tor­gi­en à la Hol­ly­wood.

Das groß­ar­tig auf­ge­leg­te En­sem­ble, zu dem auch noch Win­fried Glat­ze­der als al­tern­der „Ro­meo“stößt, spielt sich statt­des­sen mit al­ler­lei Frot­ze­lei­en über deutsch­deut­sche Be­find­lich­kei­ten, den eins­ti­gen Ost-West-Kon­flikt und ganz be­son­ders über die ewi­gen Fall­stri­cke des Ge­ne­ra­tio­nen­kon­flikts durch die kurz­wei­li­ge Ko­mö­die. Ins­be­son­de­re Gwis­dek ge­lingt es in sei­ner Rol­le als Ja­eckie da­bei, sei­ner hun­dert­pro­zen­tig rück­wärts­ge­wand­ten, ent­wur­zel­ten und aus der Zeit ge­fal­le­nen Fi­gur des zau­se­li­gen Al­ten auch ei­ne tra­gi­ko­mi­sche No­te zu ver­pas­sen. Aber das nur am Ran­de die­ser klei­nen wie fei­nen Ost-West-Ge­ne­ra­tio­nen­ko­mö­die.

Fo­to: Ma­jes­tic-Film­ver­leih

Alt­her­ren-Agen­ten-Re­gie (v. l.): Lo­cke (Thomas Thie­me), Ja­ecki (Micha­el Gwis­dek) und Jo­chen (Hen­ry Hüb­chen) rei­sen mit BND-Agen­tin Pau­la Kern (Ant­je Traue) nach Kat­sche­kis­tan.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.