Wohl­be­fin­den der Tie­re wich­ti­ger als ein kur­zes Ver­gnü­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Leserbriefe -

Zum Ar­ti­kel „Ge­richt kippt Wild­tier­zir­kus-Ver­bot – Ma­ne­ge frei für Charles Knie?“er­reich­te uns ein Le­ser­brief des frü­he­ren Os­na­brü­cker Zoo­di­rek­tors Wolf Everts (Aus­ga­be vom 17. Ja­nu­ar).

„Schon 2003 und 2011 ha­ben die Län­der Hes­sen, Rhein­land-Pfalz und Thü­rin­gen ei­nen Ent­schlie­ßungs­an­trag für ein Hal­tungs­ver­bot von Wild­tie­ren im Zir­kus ein­ge­bracht. 2015 wur­de ein er­neu­ter Ver­such un­ter­nom­men. Zur­zeit be­fin­det er sich in der Be­ra­tungs­pha­se. Nach wie vor gibt es gro­ße Be­den­ken, und die Aus­sich­ten auf ei­nen Er­folg sind lei­der ge­ring. Es gibt ho­he ver­fas­sungs­recht­li­che Hür­den.

Lei­der gibt es wie­der ei­nen be­dau­er­li­chen Rück­schlag. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver hat ei­nen Os­na­brü­cker Rats­be­schluss von 2015 ge­kippt, in wel­chem dem Zir­kus Knie ein Auf­tritts­ver­bot für das Jahr 2017 auf­er­legt wur­de. Da­ge­gen hat­te die­ser ge­klagt.

Die ju­ris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung ist är­ger­lich. Das The­ma, wel­ches mich da­bei be­wegt, steht un­ter dem Mot­to: ,Hal­tung von Wild­tie­ren mit zwei­er­lei Maß‘ . So be­haup­tet un­ter an­de­rem Herr [Die­ter] See­ger, der Vor­stands­spre­cher des Ver­ban­des Deut­scher Cir­kus­un­ter­neh­men, ich zi­tie­re: ,Tie­ren im Zir­kus geht es nicht schlech­ter als Tie­ren im Zoo – eher bes­ser!‘

Wor­auf be­grün­det er sei­ne Mei­nung? Bei der Hal­tung von Wild­tie­ren in Men­schen­ob­hut ist fest­zu­hal­ten, dass sie in Kunst­bio­to­pen le­ben, die um Zeh­ner­po­ten­zen klei­ner sind als ih­re na­tür­li­chen Le­bens­räu­me. Die Funk­ti­ons­fä­hig­keit ver­schie­de­ner Fak­to­ren, die ein Wohl­be­fin­den ga­ran­tie­ren, muss da­bei ge­währ­leis­tet sein. Die ent­spre­chen­den Be­din­gun­gen re­gelt ein Gut­ach­ten des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Er­näh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten über die Min­dest­an­for­de­run­gen zur Hal­tung von Säu­ge­tie­ren aus dem Jah­re 2014. Be­dau­er­li­cher­wei­se gilt dar­in die im Jah­re 2000 ver­fass­te Leit­li­nie für die Hal­tung von Wild­tie­ren im Zir­kus wei­ter­hin. Hier gel­ten an­de­re Vor­ga­ben.

So­mit un­ter­schei­det der Ge­setz­ge­ber Zoo-Wild­tie­re und Zir­kus-Wild­tie­re. Bei mei­ner 35-jäh­ri­gen Zoo­tä­tig­keit ha­be ich al­ler­dings kei­ne Un­ter­schie­de fest­stel­len kön­nen. Ein Löwe ist ein Löwe, ein Nas­horn ist ein Nas­horn. Glei­ches gilt für Ele­fant, Ti­ger und Co [. . .].

Es sieht lei­der so aus, dass sich bis auf Wei­te­res die Si­tua­ti­on nicht än­dern wird. [. . .]

Ich wün­sche mir für die na­he Zu­kunft ei­ne Ein­sicht der Ge­setz­ge­ber und Be­hör­den, da­mit die Hal­tung von Wild­tie­ren im Zir­kus ein En­de fin­det. Das Wohl­be­fin­den der Tie­re ist wich­ti­ger als ih­re Ver­wen­dun­gen für Ver­gnü­gun­gen, das heißt für ei­nen we­ni­ge Mi­nu­ten dau­ern­den Auftritt in der Ma­ne­ge.“

Dr. Wolf Everts Osnabrück

Fo­to: ima­go/EQ Images

Ele­fan­ten­dres­sur im Cir­cus Knie – sol­che Sze­nen brin­gen Tier­schüt­zer auf die Pal­me.

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