Putz­mit­tel sel­ber ma­chen

Viel mehr als nur Na­tron und So­da

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wohn Welt - Von Eve­lyn St­ein­bach

Vie­le Men­schen bau­en Ge­mü­se auf­wen­dig im Gar­ten an, stri­cken Schals selbst und bau­en Re­ga­le. Die Do-it-yours­elf-Be­we­gung will krea­tiv sein, sie will aber vor al­lem si­cher­stel­len, gu­te Qua­li­tät und In­hal­te zu be­kom­men. Man­che mi­schen auch Putz­mit­tel selbst.

dpa/tmn WE­DE­MARK. Spül­mit­tel, Ba­drei­ni­ger, Scheu­er­milch: Ein­fa­che Putz­mit­tel kann je­der leicht selbst her­stel­len. Öko­lo­gisch ver­träg­li­cher sind sie nicht im­mer, da man auch ih­re Zu­ta­ten ein­zeln ver­packt im Ge­schäft kau­fen muss. Da­für weiß man ge­nau, was drin steckt. Und das ist bei han­dels­üb­li­chen Haus­halts­rei­ni­gern nicht im­mer der Fall.

Zwei Ar­ten von Rei­ni­gern

Grund­sätz­lich be­nö­tigt man im Haus­halt nur zwei Ar­ten von Rei­ni­gern, die ei­nen Groß­teil der üb­li­chen Ver­schmut­zun­gen ent­fer­nen kön­nen: ei­nen Rei­ni­ger mit nied­ri­gem pH-Wert, der Kalk­fle­cken an der Spü­le oder in der Du­sche ent­fernt, so­wie ei­nen Rei­ni­ger mit ho­hem pH-Wert, der fett­hal­ti­ge Ver­schmut­zun­gen be­sei­tigt“, er­klärt die Buch­au­to­rin San­dra Cramm aus We­de­mark bei Han­no­ver.

Ei­nen nied­ri­gen pH-Wert ha­ben Es­sig und Es­si­ges­senz, Zi­tro­nen­saft oder Zi­tro­nen­säur­e­pul­ver, das in Was­ser ge­löst wer­den kann. Ei­nen ho­hen pH-Wert fin­det man bei Wasch­so­da oder Haus­halts­na­tron. Aus die­sen Zu­ta­ten und wei­te­ren na­tür­li­chen Pro­duk­ten, die häu­fig in der Dro­ge­rie oder im Su­per­markt er­hält­lich sind, las­sen sich be­kann­te Haus­halts­rei­ni­ger her­stel­len.

War­um soll­te man sich die Mü­he ma­chen? Über­zeug­te Sel­ber­ma­cher wol­len es nicht der In­dus­trie über­las­sen, was sie ver­wen­den. „Ich will die Din­ge selbst in die Hand neh­men und nicht ge­täuscht wer­den“, sagt Ta­tia­na War­cho­la, die ein Buch zu DIYPutz­mit­teln ge­schrie­ben hat. Und San­dra Cramm er­gänzt: „Die In­dus­trie setzt bei ih­ren Rei­ni­gern auf künst­li­che Ten­si­de, die or­dent­lich schäu­men und ent­fet­ten, aber in den Klär­an­la­gen nur schwer von den Mi­kro­or­ga­nis­men ab­ge­baut wer­den. Auch Phos­pha­te und an­de­re Zu­sät­ze ge­lan­gen so in un­se­re Ge­wäs­ser.“

Harm­lo­se Ba­sis­rei­ni­ger

Im La­den er­ken­ne man die ag­gres­si­ven Rei­ni­ger kaum, sagt Phi­lip Heldt von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fah­len. Al­ler­dings se­he er nicht die Not­wen­dig­keit, dass al­le Men­schen jetzt ih­re Putz­mit­tel selbst ma­chen müss­ten. „Ba­sis­rei­ni­ger sind so harm­los für die Um­welt, dass es kei­nen öko­lo­gi­schen Nut­zen macht, die­se selbst an­zu­mi­schen“, sagt er. Doch Heldt fin­det: „Spe­zi­al­rei­ni­ger sind in den meis­ten Fäl­len Geld­ver­schwen­dung.“Selbst den Fens­ter­rei­ni­ger kön­ne man mit Was­ser, Neu­tral­rei­ni­ger und Spi­ri­tus leicht her­stel­len.

Da Es­si­ges­senz und Na­tron die Atem­we­ge rei­zen kön­nen, ist aber Vor­sicht ge­bo­ten. „Wenn viel Kalk ge­löst wer­den soll, kommt es zu ei­ner star­ken Re­ak­ti­on mit auf­stei­gen­den Dämp­fen der Es­sig­säu­re“, er­klärt Cramm. Schutz­bril­le, Hand­schu­he und ein feuch­tes Tuch um den Mund so­wie gründ­li­ches Lüf­ten hel­fen. Auch soll­te man erst an ei­ner un­auf­fäl­li­gen Stel­le tes­ten, ob die Ober­flä­che den Rei­ni­ger ver­trägt. La­ckier­te Flä­chen und Kunst­stof­fe re­agie­ren oft emp­find­lich. „Auf kei­nen Fall dür­fen es­sig­hal­ti­ge Rei­ni­ger mit Chlor-Rei­ni­gern ge­mischt wer­den“, warnt die Au­to­rin. Das kann gif­ti­ges Chl­or­gas frei­set­zen.

In­hal­te nicht ver­wech­seln

Be­ach­ten muss man auch, dass die Ver­pa­ckung zur Ge­fah­ren­quel­le wer­den kann. „Üb­li­cher­wei­se wer­den selbst ge­mach­te Rei­ni­ger in ehe­ma­li­ge Le­bens­mit­telVer­pa­ckun­gen ge­füllt, wo­durch man die In­hal­te ver­wech­seln kann“, sagt Mar­cus Gast vom Um­welt­bun­des­amt. Eben­so feh­len auf den Pro­duk­ten Do­sier­an­ga­ben und Warn­hin­wei­se. Ein Kom­pro­miss kön­nen Bio-Pro­duk­te aus dem Han­del sein. Sie tra­gen zum Bei­spiel den Blau­en En­gel oder das EUUm­welt­zei­chen Eu­ro­b­lu­me. „Die­se dür­fen nur Roh­stof­fe ver­wen­den, die für Um­welt und Ge­sund­heit ver­träg­lich sind und die Rei­ni­gungs­leis­tung ga­ran­tie­ren“, er­klärt Gast.

Ein selbst­ge­mach­tes Scheu­er­pul­ver ist sehr mild und schont die Ober­flä­chen im Ver­gleich zu han­dels­üb­li­chen Pro­duk­ten. Fo­to: Fran­zis­ka Gab­bert

Ein Kalkreiniger ent­steht aus ei­nem Mix aus 100 Mil­li­li­ter Es­si­ges­senz, 300 Mil­li­li­ter Was­ser und 30 Trop­fen Tee­baum-, La­ven­del- oder Eu­ka­lyp­tus­öl.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.