Ein Zeit­ge­nos­se Lu­thers aus Meppen

Theo­de­rich von Rhe­den er­leb­te den Re­for­ma­tor als Po­li­ti­ker

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - 500 Jahre Reformation - Von Man­fred Fi­ckers

Der Rat Mar­tin Lu­thers war ge­fragt, nicht nur in re­li­giö­sen Din­gen, son­dern auch in der Po­li­tik. Er woll­te als Frie­dens­stif­ter wir­ken und lös­te un­wil­lent­lich neue po­li­ti­sche Kon­flik­te aus, de­ren Wir­kun­gen bis heu­te zu spü­ren sind.

Im Le­ben des Geist­li­chen Theo­de­rich von Rhe­den spie­geln sich die Kon­se­quen­zen von Lu­thers Rat­schlä­gen an Po­li­ti­ker wi­der. Rhe­den hat als Di­plo­mat an de­ren Ver­wirk­li­chung mit­ge­wirkt. Er wur­de um 1470 in Meppen ge­bo­ren und scheint die mit der Propstei­kir­che St. Vi­tus ver­bun­de­ne Latein­schu­le be­sucht zu ha­ben. In Osnabrück ist er zum Pries­ter ge­weiht wor­den. Ab 1493 stu­dier­te er an der Uni­ver­si­tät Greifs­wald.

1518 hol­te der Hoch­meis­ter des Deut­schen Or­dens, Al­brecht von Bran­den­burg–Ans­bach (1490–1568), Rhe­den nach Kö­nigs­berg in Preu­ßen. In Rom durf­te der Geist­li­che ab 1519 für sei­nen Di­enst­herrn tä­tig sein, denn der Papst ver­mit­tel­te im Streit zwi­schen dem Deut­schen Or­den und dem Kö­nig von Po­len, Si­gis­mund I. (1467 - 1548). Gleich­zei­tig be­trieb Rhe­den dort Stu­di­en, die ihm den Dok­tor­ti­tel des geist­li­chen Rechts ein­brach­ten.

Al­brecht hat­te sich nach ei­nem Brief­wech­sel mit Mar­tin Lu­ther im No­vem­ber 1523 zur Ein­füh­rung der Re­for­ma­ti­on im Ge­biet des Deut­schen Or­dens ent­sch­los- sen, wan­del­te es in das Her­zog­tum Preu­ßen um und ver­söhn­te sich mit dem Kö­nig von Po­len, Si­gis­mund. Rhe­den ver­such­te in Rom, die­se Ve­rän­de­rung als Di­plo­mat des Her­zogs ab­zu­si­chern. Die päpst­li­che Ku­rie ver­häng­te des­halb Kir­chen­stra­fen ge­gen ihn. Als 1532 auf Be­trei­ben des Deut­schen Or­dens die Reichs­acht über Al­brecht ver­hängt wur­de, gab Rhe­den sei­ne Tä­tig­keit auf.

Der Mep­pe­ner wur­de zum Dom­herrn in Frau­en­burg im Erm­land er­nannt, dem heu­ti­gen From­bork (Po­len). Zu­nächst ver­trat er das Dom­ka­pi­tel in Rom. Der Erm­län­di­sche Bi­schof Mau­ri­ti­us Fer­ber (1471–1537) und sein Nach­fol­ger Jo­han­nes Dan­tis­cus (1485–1548) wa­ren Geg­ner Her­zog Al­brechts und be­kämpf­ten in ih­rem Bis­tum die Re­for­ma­ti­on. Rhe­den hat­te po­li­tisch und kirch­lich Po­si­ti­on bei den An­hän­gern der rö­mi­schen Kir­che be­zo­gen.

1539 sie­del­te Rhe­den nach Frau­en­burg um. Sein Kol­le­ge, Dom­herr Ni­ko­laus Koper­ni­kus (1473–1543) woll­te sei­ne Theo­rie von der Be­we­gung der Pla­ne­ten und der Er­de um die Sonne in ei­ner aus­führ­li­chen Schrift nie­der­le­gen. Der Mep­pe­ner ge­hör­te zu dem Freun­des­kreis, der half, „De Re­vo­lu­tio­ni­bus Or­bi­um Coelesti­um“zu ver­fas­sen und zu ver­öf­fent­li­chen. Mar­tin Lu­ther nann­te Koper­ni­kus zu­nächst ei­nen „Nar­ren“, der „die gan­ze Kunst As­tro­no­miae um­keh­ren“will, aber bald fand die Theo­rie des Koper­ni­kus in evan­ge­li­schen Krei­sen An­er­ken­nung.

Als Di­plo­mat ver­han­del­te Koper­ni­kus mit Her­zog Al­brecht über ein fried­li­ches Mit­ein­an­der des pol­ni­schen Bis­tums mit dem Her­zog­tum Preu­ßen. Nach dem Tod sei­nes Freun­des Koper­ni­kus wur­de Rhe­den Propst in Mainz, wo­hin er sei­nen Wohn­sitz ver­leg­te. Ein neu­er Freund wur­de der Dom­pfar­rer und Weih­bi­schof von Mainz, ab 1550 Bi­schof von Mer­se­burg, Micha­el Hel­ding (1506–1561). Die­ser führ­te zwi­schen 1540 und 1557 Ge­sprä­che mit den Lu­the­ra­nern mit dem Ziel, die Ein­heit der Kir­che zu wah­ren.

Das war ver­geb­lich, denn längst war der Streit um die Re­for­ma­ti­on Teil ei­nes po­li­ti­schen Kon­flikts zwi­schen Kai­ser Karl V. (1500–1558) und den Reichs­stän­den ge­wor­den. Als Lu­ther am 18. Fe­bru­ar 1546 starb, lie­fen be­reits die Kriegs­vor­be­rei­tun­gen des Kai­sers ge­gen den 1531 von pro­tes­tan­ti­schen Fürs­ten ge­grün­de­ten Schmal­kal­di­schen Bund. Mit der Ver­hän­gung der Reichs­acht am 20. Ju­li 1546 be­gann der Krieg, der 1547 mit ei­ner Nie­der­la­ge der Pro­tes­tan­ten en­de­te. Wer sich nicht recht­zei­tig auf die Sei­te des Kai­sers ge­schla­gen hat­te, ver­lor sei­nen Be­sitz, so wie Graf Kon­rad von Teck­len­burg. Kai­ser Karl V. schick­te 1547 Trup­pen, die Kon­rad die Graf­schaft Lin­gen ent­ris­sen.

1551 wähl­te das Dom­ka­pi­tel von Lü­beck den im Al­ter fast völ­lig er­blin­de­ten Rhe­den als Theo­de­rich III. zum Bi­schof. Die Mehr­heit der Be­völ­ke­rung im Bis­tum be­kann­te sich längst zur lu­the­ri­schen Leh­re. 1554 trat er vom Amt zu­rück. Sei­ne Be­grün­dung ist in un­ter­schied­li­chen Ver­sio­nen über­lie­fert, aber sie zeigt, dass er kei­ne Mög­lich­keit sah, zur Ein­heit im Glau­ben zu­rück­zu­fin­den. 1556 starb Theo­de­rich von Rhe­den in Mainz.

Kriegs­rat wäh­rend des Donau­feld­zugs im Schmal­kal­di­schen Krieg 1546/1547. Holz­schnitt aus dem „Kriegs­buch des Rein­hart des Äl­te­ren, Graf zu Solms und Herr zu Münt­zen­berg“von 1549. Solms war kai­ser­li­cher Ge­ne­ral­feld­mar­schall. Ab­bil­dung: Wi­ki­me­dia Com­mons

Ein Stra­ßen­schild er­in­nert in Meppen an Theo­de­rich von Rhe­den, der zum Freun­des­kreis von Ni­ko­laus Koper­ni­kus ge­hör­te. Fo­to: Man­fred Fi­ckers

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.