Trumps „Ta­bu­bruch“löst Wel­le der Kritik aus

Schulz em­pört – Auch Mer­kel kri­ti­siert Ein­rei­sestopp für Flücht­lin­ge und vie­le Mus­li­me

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Mit sei­nem vor­läu­fi­gen Ein­rei­se­ver­bot für Bür­ger aus meh­re­ren mus­li­mi­schen Län­dern stößt USPrä­si­dent Do­nald Trump im In- und Aus­land auf mas­si­ven Wi­der­stand. Ei­ne New Yor­ker Bun­des­rich­te­rin un­ter­sag­te auf An­trag von Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen die Aus­wei­sung von Aus­län­dern, die auf Grund­la­ge von Do­nald Trumps De­kret trotz gül­ti­ger Ein­rei­se­er­laub­nis an US-Flug­hä­fen fest­ge­hal­ten wer­den. Die­sen Men­schen dro­he an­sons­ten „nicht wie­der­gut­zu­ma­chen­der Scha­den“.

Trump hat­te zu­vor das US-Pro­gramm zur Auf­nah­me von Flücht­lin­gen für vier Mo­na­te aus­ge­setzt, bis auf Weiteres ei­nen Auf­nah­me­stopp für Flücht­lin­ge aus dem Bür­ger­kriegs­land Sy­ri­en ver­hängt und die Ein­rei­se­be­din­gun­gen für vie­le Mus­li­me deut­lich ver­schärft. In den kom­men­den 90 Ta­gen wer­den Bür­ger aus sie­ben mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Län­dern keine Ein­rei­se­vi­sa

be­kom­men, heißt es in ei­nem Er­lass mit dem Ti­tel „Schutz der Na­ti­on vor der Ein­rei­se aus­län­di­scher Ter­ro­ris­ten in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten“. Das gilt für Irak, Sy­ri­en, Iran, Li­by­en, So­ma­lia, Su­dan und Je­men.

Auf­grund des Ein­rei­se­ver­bots wur­den zu­nächst Dut­zen­de Be­trof­fe­ne an US-Flug­hä­fen fest­ge­hal­ten. Die „New York Ti­mes“sprach von 100

bis 200 Be­trof­fe­nen. An meh­re­ren gro­ßen US-Flug­hä­fen gab es Proteste ge­gen die Ein­rei­se­ver­bo­te.

Auch Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) kri­ti­sier­te Trump. Sie sei „über­zeugt, dass auch der not­wen­di­ge ent­schlos­se­ne Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus es nicht recht­fer­tigt, Men­schen ei­ner be­stimm­ten Her­kunft oder ei­nes be­stimm­ten Glau­bens

un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht zu stel­len“, er­klär­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert am Sonn­tag in Ber­lin. In ih­rem Te­le­fo­nat mit Trump am Sams­tag ha­be Mer­kel den US-Prä­si­den­ten auf hu­ma­ni­tä­re Ver­pflich­tun­gen ge­mäß der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on hin­ge­wie­sen.

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz kri­ti­sier­te: „Dass ein US-Prä­si­dent Mau­ern hoch­zie­hen will, laut über Fol­ter nach­denkt und Frau­en, Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, Min­der­hei­ten, Men­schen mit Be­ein­träch­ti­gun­gen, Künst­ler und In­tel­lek­tu­el­le mit un­ver­schäm­ten und ge­fähr­li­chen Äu­ße­run­gen at­ta­ckiert, das ist ein Ta­bu­bruch, der un­er­träg­lich ist.“Eu­ro­päi­sche Po­li­ti­ker müss­ten die neue US-Re­gie­rung dar­an er­in­nern, dass das Völ­ker­recht und die Men­schen­rech­te auch für Trump gel­ten wür­den, sag­te Schulz am Sonn­tag in Ber­lin.

Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May ließ zur US-Ein­wan­de­rungs­po­li­tik er­klä­ren, ih­re Re­gie­rung stim­me „die­ser Form des Vor­ge­hens nicht zu“. Der ka­na­di­sche Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau dis­tan­zier­te sich, in­dem er Ver­folg­ten Auf­nah­me ver­sprach – „un­ge­ach­tet eu­res Glau­bens“.

Die Ver­ein­ten Na­tio­nen re­agier­ten mit in­di­rek­ter Kritik: „Re­li­gi­on, Na­tio­na­li­tät oder Eth­nie“von Flücht­lin­gen dürf­ten keine Rol­le spie­len, teil­ten das Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR und die In­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on für Mi­gra­ti­on (IOM) mit.

Ein Spre­cher von Trump wies die Kritik an den Ein­rei­se­ver­bo­ten für vie­le Mus­li­me zu­rück. Es ge­he um die Si­cher­heit der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, sag­te Se­an Spi­cer am Sonn­tag im Sen­der ABC. Man wol­le si­cher­stel­len, dass die Men­schen, die ins Land kä­men, den USA kei­nen Scha­den zu­füg­ten.

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