Te­le­fon-Di­plo­ma­tie mit Mer­kel

Trump lo­tet Ge­mein­sam­kei­ten auch mit Moskau aus

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Mar­tin Biale­cki, Irm­gard Kern, Friedemann Koh­ler und Wer­ner Her­pell

Fünf Te­le­fo­na­te in acht St­un­den führt US-Prä­si­dent Do­nald Trump am Sams­tag aus dem Oval Of­fice des Wei­ßen Hau­ses. Am an­de­ren En­de der Lei­tung: die Staats­und Re­gie­rungs­chefs von Ja­pan, Deutschland, Russ­land, Frank­reich und Aus­tra­li­en. Zwei der Ge­sprä­che setzt Trumps Spre­cher Se­an Spi­cer per Twit­ter ins Bild – wohl nicht ganz zu­fäl­lig die mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Kreml-Chef Wla­di­mir Pu­tin.

Die ers­te Aus­wer­tung des 45-mi­nü­ti­gen Ge­sprächs von Trump mit der von ihm an­geb­lich ge­schätz­ten, aber öf­fent­lich kri­ti­sier­ten Kanz­le­rin liest sich recht po­si­tiv. Es dau­ert zwar be­mer­kens­wer­te vier­ein­halb St­un­den, bis bei­de Sei­ten am spä­ten Sams­tag­abend ei­ne ge­mein­sa­me Pres­se­er­klä­rung her­aus­ge­ben. Dar­in aber be­to­nen Trump und Mer­kel Ge­mein­sam­kei­ten: die „fun­da­men­ta­le Be­deu­tung“der Na­to für die trans­at­lan­ti­schen Be­zie­hun­gen, Sta­bi­li­tät und die in­ten­si­ve Zu­sam­men­ar­beit im Kampf ge­gen den Ter­ror. Zu­dem will man sich bald tref­fen.

Ein The­ma sei­en auch die EU-Sank­tio­nen ge­gen Russ­land ge­we­sen, schiebt ein Re­gie­rungs­spre­cher in Ber­lin am Sonn­tag noch nach. Wo­mög­lich hat es hier schon ge­hakt zwi­schen dem po­ten­zi­el­len Pu­tin-Freund Trump und Mer­kel.

De­fi­ni­tiv ge­gen­sätz­lich sind aber die Po­si­tio­nen zu ei­nem an­de­ren The­ma. Sei­nen Ein­rei­sestopp für Flücht­lin­ge und Bür­ger mus­li­misch ge­präg­ter Staa­ten hält Mer­kel für falsch. Mer­kel scheint Trump nun ins Ge­wis­sen ge­re­det zu ha­ben. „Die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on for­dert die in­ter­na­tio­na­le Staa­ten­ge­mein­schaft auf, Kriegs­flücht­lin­ge aus hu­ma­ni­tä­ren Grün­den auf­zu­neh­men. Al­le Un­ter­zeich­ner­staa­ten sind dem ver­pflich­tet. Die Bun­des­kanz­le­rin hat­te die­se Po­li­tik dem US-Prä­si­den­ten in ih­rem gest­ri­gen Te­le­fo­nat er­läu­tert“, teilt ihr Spre­cher Stef­fen Sei­bert am Sonn­tag mit.

Ein Glas Co­la vor sich, spricht Trump so­dann mit Pu­tin. Die knap­pe Wie­der­ga­be des Wei­ßen Hau­ses liest sich et­was we­ni­ger eu­pho­risch als die des Kremls, die ein­stün­di­ge Un­ter­re­dung wird aber als Neu­start der Be­zie­hun­gen ge­wer­tet. Die­se be­dürf­ten der Re­pa­ra­tur, und man wol­le mehr Frie­den in der Welt. Auch über ei­ne Zu­sam­men­ar­beit im Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz IS ha­be man ge­spro­chen. Das könn­te in der US-Re­gie­rung kom­pli­ziert wer­den, ge­hen hier die Mei­nun­gen über Russ­land doch sehr weit aus­ein­an­der.

In Russ­land in­des wird der ge­mein­sa­me An­ti-Ter­rorKampf schon als be­schlos­se­ne Sa­che be­wer­tet. „Wenn das so kommt, dann sind die Ta­ge des IS buch­stäb­lich ge­zählt“, ju­belt der Au­ßen­po­li­ti­ker Franz Klin­ze­witsch vom rus­si­schen Fö­de­ra­ti­ons­rat.

Hier spricht Washington: Trump am Te­le­fon. Fo­to: dpa

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