Volks­fest­stim­mung am He­ger Tor

Am 2. Mai 1970 er­leb­te Os­na­brück den ers­ten Floh­markt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Joa­chim Dier­ks

An­de­re gro­ße Städ­te ha­ben es vor­ge­macht, Os­na­brück woll­te nicht nach­ste­hen. Am 2. Mai 1970 ver­an­stal­te­te die Ha­se­stadt ih­ren ers­ten Floh­markt. Er be­schränk­te sich auf die Geh­we­ge rund um das He­ger Tor und die Bocks­mau­er. „Dar­auf ha­ben In­ter­es­sen­ten lan­ge ge­war­tet“, ti­tel­te die NOZ, die schon zwei Jah­re lang da­für ge­trom­melt hat­te, und ver­sprach ei­nen „Rie­sen­spaß – ein Zu­sam­men­tref­fen von En­ge, Ge­drän­ge, Jux und Ju­bel“.

Es wur­de ein vol­ler Er­folg. Die Po­li­zei zähl­te 15 000 Be­su­cher, von de­nen al­ler­dings die meis­ten erst mal nur guck­ten und staun­ten. Äl­te­re hät­ten sich wohl nicht ge­traut, über die an­ge­bo­te­nen Ge­gen­stän­de auch et­was über sich selbst preis­zu­ge­ben. Des­halb war es der Ju­gend vor­be­hal­ten, Fun­de von Omas Dach­bo­den zu prä­sen­tie­ren, das Hin­den­burg-Bild oder den noch gut er­hal­te­nen WC-De­ckel, ein Bün­del ver­staub­ter Lie­bes­brie­fe oder an­ge­schla­ge­nes Por­zel­lan, das Kitsch-Bild vom röh­ren­den Hirsch oder die Schmet­ter­lings­samm­lung. Skur­ri­les, Apar­tes und Ver­blüf­fen­des ver­sprüh­ten ein we­nig Pa­ri­ser At­mo­sphä­re. Weit­ge­reis­te Stu­den­ten ur­teil­ten: „Mit die­sem Floh­markt sprengt Os­na­brück sei­ne eng­stir­ni­ge und klein­bür­ger­li­che Grund­hal­tung.“

In der Fol­ge­zeit ent­wi­ckel­ten sich die In­nen­stadt­F­loh­märk­te zu ei­ner fes­ten Ein­rich­tung, wo­bei die or­ga­ni­sa­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen mehr­fach ver­än­dert wur­den. Das Ge­sche­hen ver­la­ger­te sich vom He­gerTor-Vier­tel in die Ein­kaufs­stra­ßen, aus dem Tag- wur­de ein Nacht­floh­markt. Pro­fes­sio­nel­le Händ­ler und der Ver­kauf von Neu­wa­ren wur­den aus­ge­schlos­sen, ein klei­nes Stand­geld war zu zah­len. Je­weils am ers­ten Wo­che­n­en­de im Mai und am zwei­ten im Sep­tem­ber darf von sams­tags, 21 Uhr, bis sonn­tags, 12 Uhr, ge­feilscht und ge­hö­kert wer­den. Ne­ben dem In­nen­stadt-Floh­markt eta­blier­ten sich Ab­le­ger et­wa an der Halle Gart­la­ge, im Mos­kau­bad und im GZ Ler­chen­stra­ße.

Fun­de von Omas Dach­bo­den kom­men beim Floh­markt zum Vor­schein. Hier ein Mo­tiv von 1986. Fo­to: Klaus Lin­de­mann

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