Neue We­ge aus der Teil­zeit­fal­le

DGB for­dert ge­setz­li­che Neu­re­ge­lung auch für klei­ne Be­trie­be

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Teil­zeit­ar­beit: mehr zu ak­tu­el­len Plä­nen, Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen auf noz.de/po­li­tik

Der DGB for­dert in der Dis­kus­si­on um Aus­we­ge aus der „Teil­zeit­fal­le“deut­lich mehr Rech­te für die Ar­beit­neh­mer. In ei­ner Stel­lung­nah­me zum Ge­setz­ent­wurf von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD), die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, wird un­ter an­de­rem ver­langt, die „Klein­be­triebs­klau­sel“zu strei­chen.

Von Uwe West­dörp

OS­NA­BRÜCK. Nach dem Ent­wurf von Nah­les soll das Recht auf Rück­kehr in ei­ne Voll­zeit­stel­le nur dann gel­ten, wenn der Ar­beit­ge­ber mehr als 15 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt. Der DGB kri­ti­siert, die Klau­sel ha­be zur Fol­ge, „dass ins­be­son­de­re Frau­en, die in klei­nen Be­trie­ben über­pro­por­tio­nal ver­tre­ten sind und häu­fig in Teil­zeit ar­bei­ten, ih­re Ar­beits­zeit­wün­sche nicht durch­set­zen kön­nen“. Das ver­fes­ti­ge die struk­tu­rel­le Be­nach­tei­li­gung von Frau­en und kon­ter­ka­rie­re das Ziel, die Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie zu ver­bes­sern. DGBVor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach for­der­te statt­des­sen „ein Recht auf be­fris­te­te Teil­zeit, un­ab­hän­gig von der Be­triebs­grö­ße und dem An­lass“.

Bun­ten­bach er­läu­ter­te, es ge­be vie­le le­gi­ti­me Grün­de oder An­lie­gen, zeit­wei­se kür­zer­tre­ten zu wol­len, et­wa Wei­ter­bil­dung, ein Eh­ren­amt oder mehr Zeit für die Kin­der: „Nie­mand soll­te da­bei Ge­fahr lau­fen, in der Teil­zeit­fal­le

ste­cken zu blei­ben. Des­halb ist ein Rück­kehr­recht auf Voll­zeit so wich­tig – für Frau­en, aber ge­ra­de auch für Män­ner“, so die Ge­werk­schaf­te­rin ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on.

Un­ter Teil­zeit­fal­le wird ver­stan­den, dass vie­le Be­schäf­tig­te, die ih­re Ar­beits­zeit re­du­ziert ha­ben, spä­ter häu­fig in der Teil­zeit­ar­beit ste­cken blei­ben. Meist geht es um Frau­en. In Deutschland ar­bei­ten laut DGB 14 Mil­lio­nen Men­schen in Teil­zeit.

Vier von fünf der Teil­zeit­be­schäf­tig­ten (elf Mil­lio­nen) sind Frau­en.

Der DGB drängt auch auf mehr recht­li­che Mög­lich­kei­ten für die Ar­beit­neh­mer, ih­re For­de­run­gen durch­zu­set­zen. Bun­ten­bach: „Wün­sche nach ver­kürz­ter Ar­beits­zeit las­sen sich sel­ten auf­schie­ben. Ge­nau das pas­siert aber, wenn der Ar­beit­ge­ber es ab­lehnt, die Ar­beits­zeit zu re­du­zie­ren und die Be­schäf­tig­ten ein Ge­richt ein­schal­ten müs­sen.“Bis zum Rich­ter­spruch

daue­re es oft Mo­na­te oder gar Jah­re. Bis da­hin müs­se im bis­he­ri­gen Um­fang wei­ter­ge­ar­bei­tet wer­den. Die Ge­werk­schaf­te­rin kri­ti­sier­te: „Die­se Re­ge­lung nutzt erst ein­mal nur den Ar­beit­ge­bern. Das muss drin­gend kor­ri­giert wer­den: Ar­beit­neh­mer müs­sen die Ar­beits­zeit vor­läu­fig re­du­zie­ren kön­nen, bis der Rechts­streit bei­ge­legt ist.“

Der DGB for­dert zu­dem mehr Ar­beits­zeit­sou­ve­rä­ni­tät. Al­le Ar­beit­neh­mer soll­ten nach den Wor­ten von

Bun­ten­bach „über La­ge und Dau­er der Ar­beits­zeit mit­be­stim­men kön­nen, da­mit sie Be­ruf und Pri­vat­le­ben bes­ser ver­ein­ba­ren kön­nen“. Als Vor­schlag für den Ge­set­zes­text for­mu­liert der DGB: „Ein Ar­beit­neh­mer kann auch oh­ne Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit de­ren werk­täg­li­che Ver­tei­lung ver­lan­gen.“

Fo­to: dpa

14 Mil­lio­nen Men­schen ha­ben in Deutschland Teil­zeit­jobs, über­wie­gend im Di­enst­leis­tungs­ge­wer­be. Meist sind es Frau­en. Vie­le wür­den nach ei­ner ge­wis­sen Zeit ger­ne wie­der län­ger ar­bei­ten, blei­ben aber in der Teil­zeit­fal­le hän­gen.

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