Ein Rück­tritt, der Re­spekt ver­dient?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Rück­tritt Sig­mar Ga­b­ri­els als Par­tei­vor­sit­zen­der, u. a. zum Ar­ti­kel „Ga­b­ri­el lässt Schulz den Vor­tritt“(Aus­ga­be vom 25. Ja­nu­ar).

„So lang­sam aber si­cher ist die SPD auf dem bes­ten Weg, sich ab­zu­schaf­fen. Grund­sätz­lich ist nichts da­ge­gen ein­zu­wen­den, wenn sich ei­ne Par­tei ver­ab­schie­det, die den Bür­gern ein­fach zu viel zu­ge­mu­tet hat. Ren­te mit 67, Agen­da 2010, Eda­thy . . . So­zi­al und kor­rekt ist nichts mehr an die­ser Par­tei. Jetzt, da Herr Ga­b­ri­el fest­ge­stellt hat, dass mit die­ser Po­li­tik keine Mehr­heit zu be­kom­men ist, muss es mal wie­der je­mand an­de­res rich­ten.

Sinn­voll wä­re es, wenn sich Herr Ga­b­ri­el ganz aus der Po­li­tik zu­rück­zie­hen wür­de, weil die­ses un­be­re­chen­ba­re Ver­hal­ten von Spit­zen­po­li­ti­kern nur da­zu führt, Po­pu­lis­mus sa­lon­fä­hig zu ma­chen. Ich ge­he, aber ei­gent­lich nicht ganz. Nach­dem ei­ne Kurs­kor­rek­tur durch­ge­führt wur­de zu sa­gen ,ich ge­he‘ , hat Re­spekt ver­dient, nicht nach­dem man ei­nen Scher­ben­hau­fen hin­ter­las­sen hat.“

Micha­el Sch­mitt-Bo­e­ger Lot­te

„Der Rück­tritt von Sig­mar Ga­b­ri­el als SPD-Vor­sit­zen­der ver­dient An­er­ken­nung und Re­spekt. Gro­ße Hoff­nung auf den künf­ti­gen Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz set­zen jetzt schon 6,1 Mil­lio­nen Be­triebs­rent­ner. Wer ein Le­ben lang ge­ar­bei­tet hat, hat ei­nen An­spruch auf ei­ne ver­läss­li­che Al­ters­ver­sor­gung, wie sie die Re­gie­rung Kohl in den 90erJah­ren den Ar­beit­neh­mern durch Steu­er­er­mä­ßi­gung ver­spro­chen hat.

Hier schleppt die Bun­des­re­gie­rung aber ei­ne schwe­re Alt­last aus dem Jahr 2004 mit sich her­um, wie die fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­che­rin der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on, An­ja Kar­lic­zek, frei­mü­tig be­kennt. So wur­de durch ei­nen un­schein­ba­ren ge­setz­li­chen Ein­griff die selbst fi­nan­zier­te, pri­va­te Di­rekt­ver­si­che­rung von der Po­li­tik rück­wir­kend in ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung um­ge­wan­delt.

Durch die­se kal­te Ent­eig­nung dür­fen die Kran­ken­kas­sen bei ge­setz­lich Ver­si­cher­ten auf die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu­rück­grei­fen und von ih­nen den Ar­beit­neh­merals auch den Ar­beit­ge­ber­bei­trag über ei­nen Zei­t­raum von 120 Mo­na­ten ein­for­dern. Da­mit wur­den ih­re Er­spar­nis­se um 20 Pro­zent ge­schmä­lert. Hier liegt die Hoff­nung auf Mar­tin Schulz, dass er die nö­ti­gen Re­for­men zu­stan­de bringt.

[…] Letzt­end­lich re­den wir hier über ei­ne Rück­er­stat­tung von drei Mil­li­ar­den Eu­ro. Zum Auf­takt ei­ner Rei­he von Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen er­klär­te An­ge­la Mer­kel, die CDU sei ,keine Mä­kel­par­tei oder Pro­blem-Auf­lis­tungs-Par­tei, son­dern ei­ne Par­tei mit Lö­sungs­kom­pe­tenz‘ . Auf Tau­sen­den von Brie­fen hat sie sich aber stets der ,Ver­ant­wor­tung‘ ent­zo­gen. Gleich­zei­tig er­hal­ten die Ban­ken Mil­li­ar­den­be­trä­ge. Die­se Po­li­tik treibt die Men­schen aber zu den rechts­ra­di­ka­len Par­tei­en. […]“Horst Geh­ring So­zi­al­po­li­ti­scher Be­ra­ter des Di­rekt­ver­si­che­rungs­ge­schä­dig­te (DVG) e. V. Os­na­brück

Ver­ant­wor­tungs­vol­ler Rück­zug oder Flucht? Sig­mar Ga­b­ri­el lässt Mar­tin Schulz bei der SPD den Vor­tritt. Fo­to: dpa

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