AfD vor Fu­si­on der Kreis­ver­bän­de

Zu­sam­men­schluss der Kreis­ver­bän­de ge­plant – Rechts­po­pu­lis­ten er­war­ten neu­en Par­tei­vor­stand

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

jcf Die bei­den AfD-Kreis­ver­bän­de für Stadt und Land­kreis Os­na­brück ha­ben sich auf Son­der­par­tei­ta­gen am Sams­tag auf­ge­löst, um im März ei­nen ge­mein­sa­men AfD-Kreis­ver­band für die Re­gi­on Os­na­brück zu grün­den. Ent­spre­chen­de In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on be­stä­tig­te ein AfD-Spre­cher am Mon­tag. Vier Mit­glie­der des AfDS­tadt­ver­ban­des hat­ten zu­vor die Fu­si­on der Kreis­ver­bän­de be­an­tragt. Sie hat­ten den Chef der Os­na­brü­cker AfD kri­ti­siert, weil die Rechts­po­pu­lis­ten in der Stadt nicht zur Kom­mu­nal­wahl an­ge­tre­ten wa­ren. Der bis­he­ri­ge Os­na­brü­cker AfD-Vor­sit­zen­de will jetzt recht­lich ge­gen den Be­schluss vor­ge­hen. Der nie­der­säch­si­sche AfD-Lan­des­vor­sit­zen­de hin­ge­gen sieht die Auf­lö­sung der Kreis­ver­bän­de als rein for­ma­len Akt, um den neu­en Kreis­ver­band zu grün­den.

Die bei­den AfD-Kreis­ver­bän­de in der Re­gi­on ha­ben sich am Sams­tag auf­ge­löst und wol­len im März ei­nen ge­mein­sa­men Kreis­ver­band für die Re­gi­on grün­den. Die bei­den bis­he­ri­gen Chefs der AfD-Kreis­ver­bän­de in der Stadt und im Land­kreis ver­such­ten ver­geb­lich, das zu ver­hin­dern.

Von Je­an-Charles Fays

Der Pres­se­spre­cher des AfD-Kreis­ver­bands Os­na­brü­cker Land, Hart­wig Kno­ops, be­stä­tig­te am Mon­tag ein ent­spre­chen­des Schrei­ben, das un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. „Die bei­den Kreis­ver­bän­de be­schlos­sen in ei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung am Sams­tag, je­weils mit der er­for­der­li­chen Zwei­drit­tel­mehr­heit, zu ei­nem ge­mein­sa­men Kreis­ver­band zu fu­sio­nie­ren.“

Vier Mit­glie­der des AfDS­tadt­ver­ban­des hat­ten zu­vor die Fu­si­on der für Stadt und Land­kreis Os­na­brück zu­stän­di­gen Kreis­ver­bän­de be­an­tragt. Dar­über wur­de in den Son­der­par­tei­ta­gen am Sams­tag in ge­trenn­ten Ab­stim­mun­gen ent­schie­den. Die Mit­glie­der hat­ten es als Skan­dal be­zeich­net, dass bei

der Kom­mu­nal­wahl in der Stadt Os­na­brück in kei­nem ein­zi­gen Wahl­be­zirk ein AfD-Kan­di­dat an­ge­tre­ten ist. Sie hat­ten den Os­na­brü­cker AfD-Vor­sit­zen­den Chris­to­pher Jahn da­für ver­ant­wort­lich ge­macht, dass die AfD in Os­na­brück nur 30 Mit­glie­der ha­be, weil er sehr häu­fig gar nicht vor Ort sei.

Jahn hat­te die­se Vor­wür­fe auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on als „be­dau­er­lich“be­zeich­net, weil er et­wa auf E-Mails im­mer sehr zeit­nah re­agie­re.

Jetzt plant Jahn nach in­ter­nen AfD-In­for­ma­tio­nen, recht­lich ge­gen den Be­schluss vor­zu­ge­hen. Ein AfD-Mit­glied, das na­ment­lich nicht ge­nannt wer­den woll­te, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Das ist nicht sat­zungs­kon­form. Nach der Ab­stim­mung zur Fu­si­on sind vie­le Mit­glie­der ge­gan­gen. Es hät­te zur Auf­lö­sung der Kreis­ver­bän­de ei­nes ei­ge­nen, ord­nungs­ge­mä­ßen Par­tei­tags be­durft.“Die bei­den ak­tu­el­len Kreis­ver­bands­vor­sit­zen­den

Chris­to­pher Jahn und Matthias Lin­der­kamp wa­ren am Mon­tag für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht zu er­rei­chen.

Der nie­der­säch­si­sche AfD-Lan­des­vor­sit­zen­de Ar­min Paul Ham­pel, der bei den Son­der­par­tei­ta­gen der Kreis­ver­bän­de am Sams­tag ei­ner der bei­den Ver­samm­lungs­lei­ter war, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Es ist kein Hin­de­rungs­grund, dass ei­ni­ge AfD-Mit­glie­der schon ge­gan­gen sind, als die Auf­lö­sung der Kreis­ver­bän­de be­schlos­sen wur­de. Das ist ein rein for­ma­ler Akt, um im März den neu­en Kreis­ver­band für den Groß­raum Os­na­brück zu grün­den.“

Jahn hat­te sich zu­vor mit dem AfD-Lan­des­chef über­wor­fen und ihn für sei­nen dik­ta­to­ri­schen Stil kri­ti­siert.

Laut AfD-Spre­cher Kno­ops ist ein neu­er Par­tei­vor­stand zu er­war­ten. We­der Lin­der­kamp noch Jahn oder Kno­ops, der ak­tu­ell selbst Vor­stands­mit­glied ist, stün­den künf­tig für den Par­tei­vor­stand zur Ver­fü­gung. Kno­ops be­grün­de­te, dass sie ei­ne Fu­si­on skep­tisch ge­se­hen hät­ten. Kno­ops zeig­te sich ir­ri­tiert, wie künf­tig neun Par­tei­vor­stands­mit­glie­der in ei­nem Kreis­ver­band bes­se­re Ar­beit ma­chen sol­len als zu­vor 18 in bei­den Kreis­ver­bän­den.

Wie lahm­ge­legt

Kno­ops kri­ti­sier­te: „Ei­gent­lich gab es ei­ne gu­te Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Stadt­und Kreis­ver­band, aber seit zwei Mo­na­ten ist die Par­tei wie lahm­ge­legt und be­schäf­tigt sich nur noch mit Sat­zungs­fra­gen an­statt mit In­hal­ten.“

Ein AfD-Mit­glied, das sich an­onym an un­se­re Re­dak­ti­on ge­wandt hat­te, be­schei­nig­te Jahn „Un­ver­mö­gen, ei­nen po­li­ti­schen Ver­band zu füh­ren. Trotz To­tal­ver­sa­gens bei der Kom­mu­nal­wahl war er völ­lig un­ein­sich­tig. Un­ter­stützt wur­de er da­bei noch vom AfD-Kreis­vor­sit­zen­den Os­na­brück-Land, Matthias Lin­der­kamp, der sich vor ei­ni­ger Zeit auf die Sei­te von Chris­to­pher Jahn ge­stellt hat und sich da­mit von der Mehr­heit sei­ner Kreis­vor­stands­mit­glie­der ent­fern­te.“

Ein The­men-Spe­zi­al zur AfD fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de/AfD

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