Nie­der­säch­si­sche Nord­see stär­ken

Rot-Grün will Ge­setz ver­schär­fen – Mehr Vi­deo­über­wa­chung

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Tou­ris­ti­ker wol­len die Ost­frie­si­schen In­seln und die nie­der­säch­si­sche Nord­see­küs­te für Ur­lau­ber at­trak­ti­ver ma­chen. Die Re­gi­on soll sich ge­gen die Kon­kur­renz aus Schles­wig-Hol­stein und Meck­len­burg-Vor­pom­mern be­haup­ten.

Von Klaus Wie­sche­mey­er

HANNOVER. Nie­der­sach­sen will Fuß­fes­seln für ter­ro­ris­ti­schen Ge­fähr­der ein­füh­ren. In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) und Jus­tiz­mi­nis­te­rin Ant­je Nie­wisch-Lenn­artz (Grü­ne) stell­ten am Mon­tag in Hannover ei­ne ent­spre­chen­de Ver­schär­fung des be­reits in Ab­stim­mung be­find­li­chen nie­der­säch­si­schen Po­li­zei­ge­set­zes vor. Die­se sei be­reits mit den rot-grü­nen Re­gie­rungs­frak­tio­nen ab­ge­stimmt und sol­le noch in die­sem Jahr in Kraft tre­ten, sag­te Pis­to­ri­us vor Jour­na­lis­ten.

Bis­lang tra­gen le­dig­lich ver­ur­teil­te Straf­tä­ter elek­tro­ni­sche Fuß­fes­seln, wenn Rich­ter dies an­ge­ord­net ha­ben. Nach dem An­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt am 19. De­zem­ber hat­te die Bun­des­re­gie­rung die Ein­füh­rung der Fuß­fes­sel für „Ge­fähr­der“an­ge­kün­digt. Nun sei Nie­der­sach­sen das ers­te Bun­des­land, wel­ches ein kon­kre­tes Maß­nah­men­pa­ket vor­le­ge, sag­te Pis­to­ri­us.

Die Sa­che ist recht­lich kniff­lig, denn der Be­griff „Ge­fähr­der“ist bis­lang ein po­li­zei­li­cher Ter­mi­nus. Er be­deu­tet, dass die Be­hör­den je­man­den für ge­fähr­lich hal­ten. Nicht, dass er be­reits et­was straf­recht­lich Re­le­van­tes ge­tan hat. Dar­um wol­le man den Be­griff der „ter­ro­ris­ti­schen

Straf­tat“ins neue Ge­setz auf­neh­men, kün­dig­te Jus­tiz­mi­nis­te­rin Nie­wischLenn­artz an. Für die Fuß­fes­sel kä­men dann nur so­ge­nann­te „ter­ro­ris­ti­sche Ge­fähr­der“in­fra­ge. Au­ßer­dem Per­so­nen, die we­gen Ter­ror­ge­fahr ent­we­der nicht aus­rei­sen dürf­ten oder die ge­ra­de nicht ab­ge­scho­ben wer­den könn­ten.

Ka­me­ras bei Fes­ten

Al­ler­dings soll nicht je­der Ge­fähr­der au­to­ma­tisch ei­ne Fuß­fes­sel be­kom­men. Bei vie­len hät­ten die Er­mitt­ler gar kein In­ter­es­se, dass die Ziel­per­son von ih­rer Be­ob­ach­tung wis­se.

Ne­ben der Fuß­fes­sel sieht das Maß­nah­men­pa­ket auch ei­ne Vi­deo­über­wa­chung von Groß­er­eig­nis­sen wie Schüt­zen­fes­ten, Ma­ra­thon­läu­fen oder Weih­nachts­märk­ten vor. Dies gel­te, wenn dort Ter­ror­ak­te oder sons­ti­ge Straf­ta­ten denk­bar sei­en.

Die Re­ak­tio­nen auf den Vor­stoß fie­len durch­wach­sen aus: Re­gie­rungs­frak­tio­nen be­grüß­ten die Än­de­run­gen ge­mein­sam. „So­zi­al­de­mo­kra­ten und Grü­ne ste­hen für ei­ne Si­cher­heits­po­li­tik, die den kon­kre­ten Ge­fah­ren be­geg­net“, er­klär­ten die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Jo­han­ne Mod­der (SPD) und An­ja Piel (Grü­ne). Die Po­li­zei­ge­werk­schaft GdP be­grüß­te die An­kün­di­gun­gen.

Kri­tik kam von der Op­po­si­ti­on und von der Grü­nen Ju­gend: Die be­zeich­ne­te Fuß­fes­seln als „Aus­druck ei­ner völ­lig sinn­lo­sen Sym­bol­po­li­tik“. CDU-Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer Jens Na­cke sprach von „rot-grü­ner Schnap­p­at­mung“. „Die Lan­des­re­gie­rung will jetzt hek­tisch auf­ho­len, was sie über Jah­re ver­säumt hat“, kri­ti­sier­te Na­cke. FDP-Frak­ti­ons­vi­ze Ste­fan Birk­ner er­klär­te, Pis­to­ri­us igno­rie­re Ver­säum­nis­se und hand­le zu spät.

Foto: dpa

Elek­tro­ni­sche Fuß­fes­seln sol­len den Be­hör­den künf­tig zei­gen, wo sich Ge­fähr­der her­um­trei­ben.

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