Schulz will ran an die „Rie­sen­ver­mö­gen“

SPD-Kan­di­dat möch­te sich aber nicht auf Steu­er fest­le­gen – Neu­re­ge­lung für Ka­pi­tal­er­trä­ge an­ge­peilt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Foto: AFP

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz will sehr gro­ße Ver­mö­gen in Deutsch­land stär­ker be­steu­ern. „Rie­sen­ver­mö­gen“müss­ten hö­her be­las­tet wer­den als klei­ne und mitt­le­re, sag­te Schulz am Mon­tag in Berlin. Zu­dem dürf­ten Er­trä­ge aus Ka­pi­tal künf­tig nicht mehr ge­rin­ger be­steu­ert wer­den als Ar­beits­ein­kom­men. So will die SPD die pau­scha­le Ab­gel­tungs­teu­er von 25 Pro­zent auf Ka­pi­tal­er­trä­ge ab­schaf­fen.

Kei­ne kon­kre­ten An­ga­ben mach­te Schulz, wie er zu der von Lin­ken und Tei­len der Grü­nen ge­for­der­ten Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gen­steu­er oder ei­ner hö­he­ren Be­steue­rung von Fir­mener­ben steht: „Die Re­du­zie­rung der De­bat­te nur auf die­se Kampf­be­grif­fe ist völ­lig falsch.“

Zum Ab­schluss ei­ner Vor­stands­klau­sur er­klär­te der frisch ge­kür­te Kanz­ler­kan­di­dat, die SPD wer­de erst En­de Mai bei ei­nem Par­tei­tag ihr Wahl­pro­gramm fest­zur­ren. Der 61-Jäh­ri­ge zeig­te sich er­freut über die Auf­bruch­stim­mung in der Par­tei seit sei­ner No­mi­nie­rung und über stei­gen­de Um­fra­ge­wer­te. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen tra­ten fast 1800 Men­schen neu in die SPD ein.

Der Bun­des­tags­wahl­kampf sei ein Langstre­cken­lauf, mein­te Schulz. Er sei frü­her nicht nur Ama­teur-Fuß­bal­ler ge­we­sen, son­dern auch 10 000-Me­ter-Läu­fer. „Man muss sich die Kraft ein­tei­len, das meis­te braucht man für den End­spurt.“Er­neut sen­de­te Schulz, der am 19. März zum Par­tei­chef und Nach­fol­ger von Sig­mar Ga­b­ri­el ge­wählt wer­den soll, kei­ne Si­gna­le für künf­ti­ge Ko­ali­tio­nen aus. Sein Man­dat im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment will Schulz die­se Wo­che nie­der­le­gen.

Links­frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht kri­ti­sier­te, mehr „so­zia­le Ge­rech­tig­keit“ha­be die SPD bis­her vor je­der Wahl ver­spro­chen. „Er­geb­nis ih­rer Po­li­tik da­ge­gen sind die Zu­stän­de, die Mar­tin Schulz jetzt zu Recht be­klagt“, sag­te sie. Auch Grü­ne und die SPD-Ju­sos dräng­ten den Kanz­ler­kan­di­da­ten zu kla­ren Stand­punk­ten in der So­zi­alund Bil­dungs­po­li­tik so­wie beim Kli­ma­schutz.

Ei­ne Ko­ali­ti­on der SPD mit Grü­nen und Lin­ken ist nach ak­tu­el­len Um­fra­gen die wahr­schein­lichs­te Mög­lich­keit für Schulz, Bun­des­kanz­ler zu wer­den. Ei­ne Stim­men­mehr­heit hat das Bünd­nis in den Um­fra­gen aber nicht.

Kri­tik kam auch von der FDP. „Herr Schulz hat ei­ne lan­ge Lis­te neu­er Aus­ga­ben­wün­sche vor­ge­legt, aber we­nig zum Er­wirt­schaf­ten un­se­res Wohl­stands ge­sagt“, sag­te FDP-Vor­sit­zen­der Chris­ti­an Lind­ner der „Welt“zu Schulz’ An­tritts­re­de. „Wenn das die Rich­tung ist, in die er Deutsch­land steu­ern will, dann hal­te ich ei­ne Kanz­ler­schaft we­der für mehr­heits­fä­hig noch wün­schens­wert.“

In der ARD-Show „Anne Will“wies der frü­he­re EUPar­la­ments­prä­si­dent Kri­tik zu­rück, ihm feh­le es an Re­gie­rungs­er­fah­rung. „Das Schick­sal tei­le ich mit Ba­rack Oba­ma. Der hat­te auch kei­ne Re­gie­rungs­er­fah­rung, als er Prä­si­dent wur­de.“ Vor ei­nem Lang­lauf sieht sich Mar­tin Schulz.

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