„Fa­na­ti­sches Ver­hal­ten“

Kul­tur­schaf­fen­de kri­ti­sie­ren Trumps Ein­rei­se­ver­bot

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Ralf Dö­ring und Ste­fan Lüd­de­mann

Krea­ti­ve aus al­len Spar­ten be­geh­ren ge­gen den von US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­häng­ten Ein­rei­sestopp für Men­schen aus sie­ben mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Staa­ten auf. Ne­ben ame­ri­ka­ni­schen Film­schaf­fen­den mel­den sich auch Kul­tur­ma­cher in Deutsch­land zu Wort. Zu ih­nen ge­hö­ren die Os­na­brü­cker Kunst­hal­len­lei­te­rin und Prä­si­den­tin der In­ter­na­tio­na­len Ku­ra­to­ren-Ta­gung (IKT) Ju­lia Dra­ga­no­vic und der dem Os­na­brü­cker Mor­gen­land­fes­ti­val ver­bun­de­ne sy­ri­sche Kla­ri­net­tist Ki­n­an Az­meh. Auch der Deut­sche Kul­tur­rat kri­ti­siert die Ver­fü­gung Trumps scharf.

Der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te ira­ni­sche Re­gis­seur As­ghar Far­ha­di nimmt aus Pro­test nicht an der Os­car-Ver­lei­hung teil. In ei­ner Er­klä­rung in der „New York Ti­mes“schrieb Far­ha­di: „Eng­stir­ni­ge In­di­vi­du­en nut­zen das Ein­flö­ßen von Angst häu­fig da­zu, Ex­tre­mis­mus und fa­na­ti­sches Ver­hal­ten zu recht­fer­ti­gen.“„Das Ein­rei­se­ver­bot ist ein Ma­kel, und es ist un­ame­ri­ka­nisch“, er­klär­te die Schau­spie­le­rin Ju­lia LouisD­rey­fus bei der Preis­ver­lei­hung des ame­ri­ka­ni­schen Schau­spie­ler­ver­ban­des SAG am Sonn­tag­abend in Los An­ge­les.

Als „voll­kom­men ab­surd“be­zeich­ne­te Ku­ra­to­rin Ju­lia Dra­ga­no­vic den Ein­rei­sestopp. Die künst­le­ri­sche Ar­beit der Aus­stel­lungs­häu­ser wer­de nun „ex­trem schwie­rig“, sag­te Dra­ga­no­vic, die als Prä­si­den­tin der IKT rund 450 in­ter­na­tio­na­le Ku­ra­to­rin­nen und Ku­ra­to­ren ver­tritt. Ein­rich­tun­gen, die den frei­en Aus­tausch un­ter­stütz­ten, wür­den nun in den USA ge­schlos­sen oder ver­lö­ren ih­re staat­li­che Un­ter­stüt­zung, sag­te die Aus­stel­lungs­ma­che­rin und nann­te un­ter an­de­rem den Na­tio­nal En­dow­ment for the Arts in Wa­shing­ton als Bei­spiel. Künst­ler wie die Do­cu­men­ta-Teil­neh­me­rin Ta­nia Bru­gue­ra pro­tes­tier­ten ge­gen die US-Re­gie­rungs­po­li­tik. Vie­le US-Künst­ler sei­en „in Hys­te­rie“und hät­ten das Ge­fühl, in ei­ner Dik­ta­tur zu le­ben“, fass­te Dra­ga­no­vic Be­rich­te aus den USA zu­sam­men.

Den sy­ri­schen Kla­ri­net­tis­ten Ki­n­an Az­meh be­trifft das Ein­rei­se­ver­bot wo­mög­lich di­rekt. Der in Da­mas­kus ge­bo­re­ne Mu­si­ker lebt seit 2000 in New York und be­sitzt zu­dem die Green­card, al­so die dau­er­haf­te Auf­ent­halts­und Ar­beits­er­laub­nis. Nach ei­nem äu­ßerst er­folg­rei­chen Kon­zert mit dem Cel­lis­ten Yo-Yo Ma in der Elb­phil­har­mo­nie am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag ist er jetzt nach Bei­rut ge­reist, um dort den So­lo­part in Mo­zarts Kla­ri­net­ten­kon­zert zu über­neh­men. Ob er an­schlie­ßend wie­der in die USA ein­rei­sen darf, weiß Az­meh noch nicht. „Wie es der­zeit aus­sieht, kann ich nicht zu­rück nach New York“, hat er un­se­rer Re­dak­ti­on per Mail mit­ge­teilt. Gleich­zei­tig be­tont er: „Es geht nicht um mich. Es geht um die Be­schnei­dung der Frei­heit so vie­ler Men­schen.“Nie­mand sol­le das Recht ha­ben, je­man­den da­von ab­zu­hal­ten, den Ort auf­zu­su­chen, den er sein Zu­hau­se nen­ne.

„Der in­ter­na­tio­na­le Kul­tur­aus­tausch wird durch die­se Maß­nah­me mas­siv be­hin­dert“, sag­te Olaf Zim­mer­mann, Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Kul­tur­ra­tes. Von dem Ein­rei­se­ver­bot be­trof­fen sind laut Kul­tur­rat et­wa die Schrift­stel­ler Said und Na­vid Ker­ma­ni, die Schau­spie­le­rin Jas­min Ta­ba­ta­bai und der bil­den­de Künst­ler Ka­ni Ala­vi, die nun nicht mehr in die USA rei­sen kön­nen.

Foto: dpa

Boy­kot­tiert die Os­car-Ver­lei­hung: der ira­ni­sche Re­gis­seur As­ghar Far­ha­di.

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