Ein Wahl­kampf vol­ler Fra­ge­zei­chen

Vor Prä­si­den­ten­wahl in Frank­reich ist al­les of­fen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bir­git Holzer

Drei Mo­na­te vor der Wahl in Frank­reich wer­den die Kar­ten neu ge­mischt. Die So­zia­lis­ten ha­ben kaum noch Chan­cen, die Kon­ser­va­ti­ven sind ge­schwächt. Pro­fi­tie­ren dürf­te der Front Na­tio­nal.

Nach­dem auch die So­zia­lis­ten ih­ren Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten be­stimmt ha­ben, geht Frank­reichs Wahl­kampf in sei­ne ent­schei­den­de Pha­se. Ge­wählt wird am 27. April und 7. Mai. Die So­zia­lis­ten ste­hen je­doch vor ei­ner Zer­reiß­pro­be, denn ihr Kan­di­dat Be­noît Ha­mon ver­tritt ra­di­ka­le Po­si­tio­nen. Ha­mon ver­sprach nach sei­ner Kür, die an­ge­schla­ge­ne Par­tei zu ei­nen und ein Aus­ein­an­der­bre­chen zu ver­hin­dern.

Er strebt zu­dem mit dem mäch­ti­gen Links­po­li­ti­ker Je­an-Luc Mé­len­chon und dem Grü­nen-Spit­zen­kan­di­da­ten Yan­nick Ja­dot ein brei­tes Bünd­nis an. Ob dies ge­lingt, ist al­ler­dings of­fen.

In Um­fra­gen für die ers­te Run­de der Wahl lie­gen der­zeit die Rechts­po­pu­lis­tin Ma­ri­ne Le Pen, der Kon­ser­va­ti­ve François Fil­lon und der un­ab­hän­gi­ge Be­wer­ber Em­ma­nu­el Ma­cron vorn.

Al­ler­dings ist der Kon­ser­va­ti­ve und frü­he­re Pre­mier­mi­nis­ter Fil­lon durch ei­nen Skan­dal er­heb­lich un­ter Druck ge­ra­ten. Wäh­rend Fil­lon so­zia­le Här­ten an­kün­digt, un­ter an­de­rem 500 000 Be­am­ten­stel­len strei­chen und das Ren­ten­ein­tritts­al­ter auf 65 er­hö­hen will, kommt er in Er­klä­rungs­not, weil er sei­ner Ehe­frau Pe­ne­lo­pe jah­re­lang ein üp­pi­ges Ho­no­rar als par­la­men­ta­ri­sche As­sis­ten­tin zahl­te, wäh­rend Be­le­ge für ih­re Mit­ar­beit feh­len.

Am Wo­che­n­en­de ver­tei­dig­te Fil­lon in ei­nem feu­ri­gen Wahl­kampf-Auf­tritt sich und sei­ne Frau und er­hielt ste­hen­de Ova­tio­nen sei­ner An­hän­ger – doch sein Sta­tus als Fa­vo­rit ist be­droht. Das Paar sei am Mon­tag ge­trennt an­ge­hört wor­den, be­rich­te­ten fran­zö­sische Me­di­en un­ter Be­ru­fung auf Er­mitt­ler­krei­se. Soll­te die Jus­tiz ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­lei­ten, will Fil­lon so­gar sei­ne Kan­di­da­tur zu­rück­zie­hen. Doch wer wür­de ihn er­set­zen? Sei­ne un­ter­le­ge­nen Ri­va­len bei den Vor­wah­len, Alain Jup­pé und Ni­co­las Sar­ko­zy, ha­ben er­klärt, nicht mehr zur Ver­fü­gung zu ste­hen.

Um­fra­gen se­hen in­zwi­schen den So­zi­al­li­be­ra­len Em­ma­nu­el Ma­cron an drit­ter Stel­le mit 21 Pro­zent der Stim­men. Der un­ab­hän­gi­ge Kan­di­dat und frü­he­re Mi­nis­ter hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr sei­ne ei­ge­ne Par­tei „En mar­che!“(„In Be­we­gung“!) ge­grün­det. Mit sei­ner un­ver­brauch­ten Au­ra und dem Ver­spre­chen ei­nes Neu­an­fangs kommt Ma­cron gut an.

Von der Schwä­che Fil­lons dürf­te ne­ben Ma­cron vor al­lem ei­ne Kan­di­da­tin pro­fi­tie­ren: Ma­ri­ne Le Pen. Zwar ist der Front Na­tio­nal selbst in Kor­rup­ti­ons­af­fä­ren ver­wi­ckelt. Doch in­dem Le Pen stets am lau­tes­ten das Esta­blish­ment kri­ti­siert, wird sie für vie­le Ver­dros­se­ne zur Zuflucht. Nach­dem sie bei der Wahl vor fünf Jah­ren rund 18 Pro­zent er­reich­te, könn­te die Rechts­po­pu­lis­tin die­ses Mal rund 25 Pro­zent im ers­ten Durch­gang schaf­fen. Dass Le Pen dann auch zur Prä­si­den­tin ge­wählt wird, hal­ten Ex­per­ten aber für un­wahr­schein­lich.

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