Der Po­li­tik zu nah

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Chris­ti­an Schaud­wet c.schaud­wet@noz.de

Es muss schon sehr schlecht um ei­nen Spit­zen­ma­na­ger ste­hen, wenn er so über­ra­schend den Job hin­schmeißt, nach­dem er kurz zu­vor noch Er­fol­ge ver­kün­det und von ei­ner „Trend­wen­de“ge­spro­chen hat. War die feh­len­de Ei­ni­gung auf die Dau­er der Amts­zeit und die Hö­he des Ge­halts der Aus­lö­ser für den Rück­tritt von Bahn-Vor­stands­chef Rü­di­ger Gru­be? Wahr­schein­li­cher ist, dass Tei­le des Bahn-Auf­sichts­rats schon lan­ge da­bei wa­ren, Gru­be zu de­mon­tie­ren.

Zwar hat er nach dem Ver­lust­jahr 2015 für das ver­gan­ge­ne Jahr ei­nen Ge­winn und ei­nen Rück­gang von Zug­ver­spä­tun­gen prä­sen­tiert. Doch konn­te Gru­be in sei­nen sie­ben Amts­jah­ren kei­nes der gro­ßen Pro­ble­me des Kon­zerns lö­sen: Im Wett­be­werb mit der Stra­ße un­ter­liegt die Schie­ne nach wie vor. Die Bahn ver­liert im Fern- und im Gü­ter­ver­kehr wei­ter Markt­an­tei­le an Au­to, Fern­bus und Last­wa­gen. Die im­mer noch vie­len Ver­spä­tun­gen sind ein per­ma­nen­tes Är­ger­nis für Fahr­gäs­te und schre­cken Au­to­fah­rer da­von ab, Neu­kun­den zu wer­den.

Den­noch hät­te es zu die­ser Lü­cke an der Spit­ze nicht kom­men dür­fen. Wer die Po­si­ti­on ei­nes Vor­stands­chefs un­ter­gräbt, soll­te ei­nen Nach­fol­ger in der Hin­ter­hand ha­ben. Vor­stands­kol­le­ge Ro­nald Po­fal­la wä­re nicht der rich­ti­ge. 16 Mo­na­te nach sei­nem Ein­tritt in den Bahn-Vor­stand ist der frü­he­re Kanz­ler­amts­chef der Po­li­tik noch zu nah.

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