Zur Stär­kung des Eh­ren­am­tes

Mehr Geld für Aus­schuss­vor­sit­zen­de im Lot­ter Rat?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Von Tho­mas Nie­mey­er

Ein de­li­ka­tes The­ma hat der Lot­ter Ge­mein­de­rat En­de März vor der Brust: das ei­ge­ne Geld. Ge­nau­er ge­sagt, die vom Land NRW vor­ge­se­he­ne Ver­dop­pe­lung der Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen für die Vor­sit­zen­den der Fach­aus­schüs­se.

Wohl­ge­merkt: Al­le Rats­mit­glie­der ar­bei­ten eh­ren­amt­lich, er­hal­ten aber Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen, von de­nen sie wahr­lich nicht reich wer­den kön­nen, zu­mal sie ei­nen Teil an ih­re Par­tei­en ab­füh­ren. Da die­ses En­ga­ge­ment in der Kom­mu­nal­po­li­tik eher rück­läu­fig ist, hat der Bun­des­tag 2013 mit sei­nem Eh­ren­amts­stär­kungs­ge­setz steu­er­li­che Frei­be­trä­ge er­höht und bü­ro­kra­ti­sche Hür­den ge­senkt.

Län­der zu­stän­dig

Da der Bund kei­nen Zu­griff auf die Kom­mu­nen hat, wa­ren die Län­der ge­for­dert, ih­re fi­nan­zi­el­len Re­ge­lun­gen für die Mit­glie­der in Stadt-, Ge­mein­de­rä­ten und Kreis­ta­gen zu über­prü­fen. In Nord­rhein-West­fa­len ste­hen die in der „Ver­ord­nung über die Ent­schä­di­gung der Mit­glie­der kom­mu­na­ler Ver­tre­tun­gen und Aus­schüs­se“.

Mit Wir­kung zum 1. Ja­nu­ar 2016 wa­ren die mo­nat­li­chen Pau­scha­len für Rats­mit­glie­der an­ge­ho­ben wor­den; bei Ge­mein­den bis 20 000 Ein­woh­ner von 192,60 auf 211,90 Eu­ro. Dies gilt mit zehn Pro­zent nach ei­ni­gen Jah­ren des Still­stands als re­gu­lä­rer In­fla­ti­ons­aus­gleich. Für die 2542,80 Eu­ro im Jahr nimmt der Be­zie­her an min­des­tens sechs Rats-, et­li­chen Aus­schus­sund wö­chent­li­chen Frak­ti­ons­sit­zun­gen teil. Vor­und Nach­be­rei­tung sind in­be­grif­fen. Je nach En­ga­ge­ment dürf­te der St­un­den­lohn deut­lich un­ter 15 Eu­ro lie­gen.

Zu­sätz­li­che Auf­ga­ben

Schon zu­vor gal­ten je­doch zu­sätz­li­che Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen für zu­sätz­li­che Auf­ga­ben. So er­hält der ers­te Stell­ver­tre­ter des Bür­ger­meis­ters wie je­der Vor­sit­zen­de ei­ner Frak­ti­on mit mehr als zehn Mit­glie­dern zu­sätz­lich den drei­fa­chen Satz, bei klei­ne­ren Frak­tio­nen den zwei­fa­chen und die zwei­te Stell­ver­tre­te­rin des Bür­ger­meis­ters den an­der­halb­fa­chen Satz. In all die­sen Funk­tio­nen ist der Zeit­auf­wand durch Re­prä­sen­ta­ti­on und Sit­zungs­vor­be­rei­tung deut­lich hö­her.

Stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­chefs er­hiel­ten bis­lang zu­sätz­lich den ein­fa­chen Satz, seit Jah­res­be­ginn laut ge­än­der­ter Ent­schä­di­gungs­ver­ord­nung den an­dert­halb­fa­chen – mit jähr­lich 1271,40 Eu­ro im Jahr eher ei­ne mar­gi­na­le Er­hö­hung.

Ein­zi­ge sys­te­ma­ti­sche Än­de­rung an der Ver­ord­nung ist, dass nun­mehr auch die Vor­sit­zen­den der Fach­aus­schüs­se zu­sätz­lich den ein­fa­chen Satz er­hal­ten sol­len. Auch hier ist ein Mehr­auf­wand un­um­strit­ten, je­doch je nach Aus­schuss und Na­tu­rell der Per­son höchst un­ter­schied­lich. Die Ver­ord­nung nimmt be­reits den Wahl­prü­fungs­aus­schuss, der nur ein­mal pro Wahl­pe­ri­ode tagt, und den Haupt­aus­schuss, dem der haupt­amt­li­che Bür­ger­meis­ter vor­sitzt, aus.

Der Lot­ter Rat ver­fügt über wei­te­re fünf Aus­schüs­se, die mit un­ter­schied­li­cher Häu­fig­keit ta­gen. Ein­mal im Jahr et­wa ei­ne St­un­de lang tagt zum Bei­spiel der Rech­nungs­prü­fungs­aus­schuss. Da sich aber des­sen Vor­sit­zen­der Die­ter Hörn­sche­mey­er von den Grü­nen kei­nen St­un­den­lohn von 2542,80 Eu­ro in die­ser Funk­ti­on nach­sa­gen las­sen will, hat er be­reits sei­nen Ver­zicht er­klärt.

Der Ge­mein­de­rat könn­te die­sen Aus­schuss in sei­ner Haupt­sat­zung auch ge­ne­rell aus­neh­men. Denn au­to­ma­tisch tre­ten die Kann-Be­stim­mun­gen der Ver­ord­nung nicht in Kraft. Der Rat muss dar­über ent­schei­den. Und des­halb be­riet der Haupt­aus­schuss in sei­ner jüngs­ten Sit­zung die Um­set­zung nicht öf­fent­lich. In der Sum­me geht es in Lot­te um ei­ne Mehr­be­las­tung des 20-Mil­lio­nen­Haus­hal­tes um 10171,20 Eu­ro.

Ob­wohl Bür­ger­meis­ter Rai­ner Lam­mers ganz ak­tu­ell aus der Run­de sei­ner Kol­le­gen im Kreis be­rich­ten durf­te, dass die meis­ten Rä­te aus fi­nan­zi­el­len Grün­den auf die zu­sätz­li­chen Zu­wen­dun­gen ver­zich­ten wol­len, zeich­ne­te sich im Lot­ter Haupt­aus­schuss ei­ne an­de­re Hal­tung ab, of­fen­bar über die Frak­ti­ons­gren­zen hin­weg.

Die Ar­gu­men­te da­für

Ein Ar­gu­ment für den Voll­zug der Ver­ord­nung war das Fak­tum, dass sich Lot­te die­se re­la­tiv ge­rin­ge Sum­me im Ge­gen­satz zu manch an­de­rer Kom­mu­ne lo­cker leis­ten kön­ne. Weit­aus stär­ker be­tont aber wur­de, dass die NRWVer­ord­nung wie das Eh­ren­amts­stär­kungs­ge­setz dem brei­ten po­li­ti­schen Wil­len auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne ent­spre­che. Zu­dem for­de­re die un­be­streit­ba­re Mehr­be­las­tung der Aus­schuss­vor­sit­zen­den ei­ne ver­gleich­ba­re Be­hand­lung et­wa ge­gen­über den Frak­ti­ons­chefs.

Die Ent­schei­dung soll der Ge­mein­de­rat am 23. März tref­fen. Dort könn­te er so­gar ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung in den Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen zwi­schen den vier ver­blie­be­nen Aus­schüs­sen vor­neh­men.

Nicht nur die Frak­ti­ons­chefs sol­len in Lot­te künf­tig hö­he­re Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen er­hal­ten als die ein­fa­chen Rats­mit­glie­der, son­dern auch die Aus­schuss­vor­sit­zen­den. Foto: Tho­mas Nie­mey­er

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