Ge­lieb­te Kind­heits­er­in­ne­rung

Pup­pen­stun­de bei der Alt-Lot­ter Frau­en­hil­fe

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Meh­re­re Jahr­zehn­te zu­rück in die Kin­der­zeit reis­ten die Be­su­che­rin­nen der Frau­en­hil­fe im evan­ge­li­schen Ge­mein­de­haus „Ar­che“. „Mei­ne ers­te Pup­pe“hieß das The­ma, bei dem aber auch Ted­dys ih­ren Platz hat­ten.

Egal was in der Kin­der­zeit See­len­trös­ter, Ge­heim­nis­trä­ger oder in­nig ge­lieb­tes Ku­schel­kind war: Es ist Teil der per­sön­li­chen Ge­schich­te. Wen so ein Ge­sel­le jah­reo­der gar jahr­zehn­te­lang be­glei­tet hat, der kann sich da­von zeit­le­bens nicht tren­nen. So hat­te Frau­en­hil­fe­lei­te­rin Git­ta Sch­weg­mann un­ter an­de­rem ih­re rund 72 Jah­re al­te Pup­pe mit­ge­bracht und ei­ne Schild­kröt-Pup­pe, die sie einst aus ei­nem Alt­klei­der­sack ret­te­te. Annette Sa­lo­mo hat­te ei­ne gleich­falls einst ge­lieb­te Pup­pe und ih­ren ab­ge­wetz­ten viel ge­ku­schel­ten Pan­da­bä­ren vor sich auf dem Tisch sit­zen.

An­ge­regt von Bea­mer­bil­dern über Kä­the-Kru­se-Pup­pen, Bar­bie, die seit 1959 na­he­zu al­le ge­sell­schaft­li­chen Trends ver­kör­pert, die bei den Frau­en we­ni­ger be­kann­ten Caho-Bie­ge­pup­pen, Pup­pen­stu­ben und Pup­pen­wa­gen, be­rich­te­ten ei­ni­ge Frau­en über ih­re Kind­heits­er­in­ne­run­gen.

Längst nicht je­de Fa­mi­lie konn­te sich für die Töch­ter Pup­pen oder gar Zu­be­hör leis­ten. Lie­se­lot­te Zim­mer­ling er­in­ner­te sich: „Mein Va­ter hat für mich un­ter ei­nem Ap­fel­si­nen­korb Rä­der mon­tiert und ei­ne Schie­be­stan­ge an­ge­baut. Das war dann mein Pup­pen­wa­gen.“

Ger­traud Deu­per be­rich­te­te lä­chelnd: „Ich hat­te ein Cel­lu­loid-Ba­by. Da­mals hat mich mei­ne Freun­din im­mer mit ih­rem Pup­pen­wa­gen ab­ge­holt, und wir sind mit un­se­ren Ba­bys spa­zie­ren ge­gan­gen. An­schlie­ßen ha­ben wir sie in der Gar­ten­lau­be ge­wi­ckelt. Ich ha­be mein Ba­by aus­ge­zo­gen und nach­ge­schaut. ,Guck mal, schon wie­der voll‘ , ha­be ich dann ge­sagt und die Win­del ge­wech­selt. Die war ein Ta­schen­tuch von mei­nem Va­ter mit ei­nem Klecks Senf.“Schmun­zelnd er­gänz­te sie: „... nur mei­ne Mut­ter war mit dem Senf so gei­zig.“

Spu­ren von Lie­be

Dass Mäd­chen nicht aus­schließ­lich mit Pup­pen, son­dern sehr wohl mit Ted­dys und an­de­ren Schmu­se­tie­ren spie­len und ge­spielt ha­ben,

kam in der Ge­sprächs­run­de eben­so zu­ta­ge.

Pas­send hat­te Pas­tor Det­lef Sa­lo­mo zwar kei­ne Bi­bel­stel­le über Pup­pen ge­fun­den, reg­te die Da­men aber mit sei­ner Ge­schich­te über ei­nen Samm­ler-Ted­dy zum Nach­den­ken an. Auf Auk­tio­nen wur­de die­ser un­be­schä­dig­te Vi­tri­nen-Ted­dy für viel Geld ge­han­delt und schau­te fast ver­ächt­lich auf ei­nen mit reich­lich Ge­brauchs­spu­ren ver­se­he­nen Ted­dy her­ab: „Wer das nicht möch­te, soll­te wie ich in ei­ner Vi­tri­ne sit­zen“, schloss die Ge­schich­te über den Edel­bä­ren – doch wer möch­te schon auf lie­be­vol­les Ge­ku­schel ver­zich­ten? Auch das mag manch ei­ner Frau­en­hil­fe­schwes­ter durch den Kopf ge­gan­gen sein, als sie sich nun an die viel ge­lieb­ten Kind­heits­be­glei­ter er­in­ner­ten.

Foto: Ur­su­la Holt­grewe

Ver­gnüg­li­ches rund um Pup­pen und Spiel­zeug kön­nen Det­lef Sa­lo­mo (von links), Lie­se­lot­te Zim­mer­ling, Annette Sa­lo­mo, Git­ta Sch­weg­mann und Ger­traud Deu­per be­rich­ten.

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