Sport­stars fle­hen: Bit­te macht wei­ter

Fe­de­rer und Na­dal ge­fei­ert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Das 35. Du­ell zwi­schen Ro­ger Fe­de­rer und Ra­fa­el Na­dal bleibt ei­nes für die Ten­nis-Ewig­keit. Der Schwei­zer wird mit Lo­bes­hym­nen über­häuft, Na­dal be­kommt Trost. Und bei­de wer­den ge­ra­de­zu an­ge­fleht, noch ei­ne Wei­le wei­ter­zu­spie­len.

Von Ro­bert Semm­ler

Am Tag nach sei­ner un­ver­gess­li­chen Ten­nis-Show po­sier­te Ro­ger Fe­de­rer noch ein­mal mit dem un­er­war­tets­ten sei­ner nun 18 Grand-Slam-Po­ka­le. Mit dem lieb ge­won­ne­nen Stück im Arm be­rich­te­te der Schwei­zer in ei­nem Park in Melbourne über sei­ne kur­ze Nacht nach sei­nem sen­sa­tio­nel­len Aus­tra­li­an-Open-Tri­umph und sei­ne Ge­dan­ken nach dem Auf­wa­chen: „Nach­dem ich heu­te Mor­gen doch noch ei­ne St­un­de ge­schla­fen hat­te und aus dem Zim­mer ging, dach­te ich: Es stimmt wirk­lich, es war nicht ein­fach nur ein Traum“, sag­te Fe­de­rer.

Mit Freun­den und Fa­mi­lie und ei­nem ei­ge­nen DJ hat­te der 35-Jäh­ri­ge den End­spielEr­folg über den Spa­nier Ra­fa­el Na­dal ge­fei­ert. „Ich ging nicht mal ins Ho­tel­zim­mer, son­dern gleich mit der Ten­nis­ta­sche in den Club“, ver­riet er gut ge­launt. Als er ge­gen 6.30 Uhr zu­rück­kehr­te, weck­ten ihn sei­ne vier Kin­der schnell wie­der auf. „Die Bu­ben ha­ben gleich ih­re Spiel­sa­chen in den Po­kal rein­ge­tan“, er­zähl­te Fe­de­rer la­chend. „Und die Mäd­chen ha­ben an­ge­fan­gen, ihn zu put­zen.“

Auch die Zwil­lings­paa­re hät­ten si­cher nichts ge­gen wei­te­re Po­ka­le des Pa­pa . Sei­ne be­mer­kens­wer­te Rei­se durch das Tur­nier strahl­te auch am Tag da­nach aus Melbourne noch in die Sport­welt. Und nie­mand mag sich vor­stel­len, dass der Gran­dSlam-Re­kord­sie­ger und der dies­mal tief ent­täusch­te Na­dal die Schlä­ger ei­nes Tages aus der Hand le­gen wer­den.

Als „Ge­ni­us“zeich­ne­te Bo­ris Be­cker Fe­de­rer aus. Sprint­star Usain Bolt gra­tu­lier­te via Twit­ter eben­so wie die Fuß­ball-Welt­meis­ter Mats Hum­mels, Phil­ipp Lahm, Me­sut Özil, To­ni Kroos und Lu­kas Po­dol­ski – und auch Golf-Le­gen­de Jack Nick­laus. „Als gro­ßer Fan des Ten­nis und von Ih­nen, hö­ren Sie jetzt nicht auf “, be­schwor der 77-jäh­ri­ge Ame­ri­ka­ner – selbst Ge­win­ner von 18 Ma­jor-Ti­teln – den 35 Jah­re al­ten Ba­se­ler.

Die­se Be­den­ken zer­streu­te Fe­de­rer we­ni­ge St­un­den nach dem nie er­war­te­ten Tri­umph. Er wol­le auch 2018 in Melbourne sein. „Ich hof­fe na­tür­lich, dass ich im nächs­ten Jahr zu­rück­kom­men kann“, be­ton­te die lang­jäh­ri­ge Num­mer eins.

Auf dem Platz hat­te er sich noch nicht so klar ge­äu­ßert und Raum für In­ter­pre­ta­tio­nen ge­las­sen. Fe­de­rer ist vor­sich­tig, nach­dem er sich nach den vo­ri­gen Aus­tra­li­an Open beim Ba­den mit sei­nen Töch­tern ei­nen Me­nis­kus­riss zu­zog und we­gen Be­schwer­den nach sei­ner Ope­ra­ti­on im vo­ri­gen Ju­li früh­zei­tig die ver­gan­ge­ne Sai­son be­en­den Von der Sport­welt ge­fei­ert: muss­te. „Du weißt nie, wann dein nächs­ter Grand Slam sein wird, wann du noch ein­mal ei­ne Mög­lich­keit auf die­ser Büh­ne be­kommst“, er­klär­te Fe­de­rer. Trotz­dem: 2018 ist Down Un­der sein Ziel.

Das hof­fen auch sei­ne Kol­le­gen. „Dan­ke euch bei­den, hört nie­mals mit dem Ten­nis auf“, bat der Ar­gen­ti­ni­er Juan Mar­tin Del Po­tro. „Die­ser Ro­ger Fe­de­rer er­fin­det sich im­mer wie­der neu und wird das hof­fent­lich noch lan­ge Zeit tun“, schrieb die „Bas­ler Zei­tung“. Me­di­en fei­er­ten ihn nach dem „Fi­na­le, bei dem die Welt still­stand“, wie „The Age“in Aus­tra­li­en dich­te­te. Die fran­zö­sische „L’ Équi­pe“be­fand: „Als Sie­ger sei­nes 18. Grand Slams mit 35 Jah­ren un­ter­mau­ert der Schwei­zer sei­nen Platz im Pan­the­on der größ­ten Sport­ler al­ler Zei­ten, an der Sei­te von Pelé, Mu­ham­mad Ali oder Carl Le­wis. Um nicht zu sa­gen an ers­ter Stel­le?“

Wäh­rend Fe­de­rer die Her­zen zu­zu­flie­gen schei­nen, be­kam Na­dal viel Trost. Er wirk­te fast ge­nau­so un­glück­lich wie bei sei­nem Fren­chOpen-Ab­schied 2016 we­gen sei­ner Hand­ge­lenks­ver­let­zung. Als ei­nen der Cham­pi­ons mit der größ­ten Klas­se lob­te der frü­he­re Welt­rang­lis­ten-Ers­te An­dy Rod­dick den mit 14 Grand-Slam-Ti­teln de­ko­rier­ten Na­dal. „Ten­nis ist glück­lich, dich zu ha­ben. GRAN­DE“, schrieb der Ame­ri­ka­ner. Auch er war be­geis­tert vom Fi­na­le. „Ich kann nicht glau­ben, was ich da ge­se­hen ha­be“, mein­te Rod­dick.

Aus­tra­li­an-Open-Sie­ger Ro­ger Fe­de­rer. Foto: AFP

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