Zeit für Bit­co­in noch nicht reif

Os­na­brü­cker Hoch­schu­len scheu­en Di­gi­tal­wäh­rung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Als ers­te deut­sche Hoch­schu­le führt in Berlin die Eu­ro­pean School of Ma­nage­ment and Tech­no­lo­gy (ESMT) Bit­co­in als Zah­lungs­mit­tel ein. Aus­län­di­sche Stu­den­ten sol­len leich­ter ih­re Stu­di­en­ge­büh­ren zah­len kön­nen. In Os­na­brück ist die di­gi­ta­le Wäh­rung nur Zu­kunfts­mu­sik.

Wie der Ber­li­ner „Ta­ges­spie­gel“be­rich­tet, kom­men 90 Pro­zent der ESMT-Stu­den­ten aus dem Aus­land – vie­le aus afri­ka­ni­schen, süd­ame­ri­ka­ni­schen oder asia­ti­schen Län­dern. Um de­ren grenz­über­schrei­ten­de Zah­lun­gen an die pri­va­te Hoch­schu­le zu ver­ein­fa­chen, ha­be die ESMT Berlin sich nun für die Di­gi­tal­wäh­rung ge­öff­net. Ob Stu­di­en­ge­büh­ren oder Es­sens­mar­ken: Al­les, was ih­re Stu­den­ten bis­lang per Über­wei­sung be­zahlt ha­ben, kön­nen sie nun mi­nu­ten­schnell und prak­tisch ge­büh­ren­frei in Bit­co­ins be­glei­chen.

Die ESMT ist da­mit nach ei­ge­nen An­ga­ben die ers­te deut­sche Hoch­schu­le, die das seit 2009 im Um­lauf be­find­li­che Kryp­to­geld ak­zep­tiert. „Bit­co­in als Zah­lungs­me­tho­de in un­se­ren Hoch­schul­all­tag zu in­te­grie­ren ist ei­ne lo­gi­sche Kon­se­quenz der Di­gi­ta­li­sie­rung“, zi­tiert die Eu­ro­pean School of Ma­nage­ment and Tech­no­lo­gy in ei­ner Mit­tei­lung ih­ren kauf­män­ni­schen Ge­schäfts­füh­rer Ge­org Gar­lichs. Im Un­ter­schied zu her­kömm­li­chen, greif­ba­ren Zah­lungs­mit­teln wie Schei­nen und Mün­zen exis­tie­ren Bit­co­ins aus­schließ­lich in der ver­netz­ten Com­pu­ter­welt. Die auf ei­ner kom­pli­zier­ten, aber frei ver­füg­ba­ren Re­chen­for­mel ba­sie­ren­de Wäh­rung wird elek­tro­nisch er­zeugt und ver­wahrt. Nie­mand kon­trol­liert sie, al­le Trans­ak­tio­nen wer­den in ei­ner ver­schlüs­sel­ten Da­ten­bank ge­spei­chert (Block­chain). Ban­ken sind in die­sem Sys­tem über­flüs­sig – was als größ­ter Vor­teil von Bit­co­in gilt.

Noch hat das Kryp­to­geld al­ler­dings ein paar Nach­tei­le: star­ke Kurs­schwan­kun­gen zum Bei­spiel. Nach ei­nem Ein­bruch im Som­mer ist es im Wert zu­letzt wie­der an­ge­stie­gen, der­zeit ent­spricht ein Bit­co­in 735 Eu­ro. Die ESMT Berlin wis­se dar­um, wol­le mit den Bit­co­ins aber nicht spe­ku­lie­ren, so der „Ta­ges­spie­gel“. Wer in der Di­gi­tal­wäh­rung be­zah­len will, be­kom­me von der Hoch­schu­le ei­nen Wech­sel­kurs ge­nannt, der nur 24 St­un­den lang gül­tig sei. Au­ßer­dem tau­sche die ESMT die Bit­co­ins so­fort in Eu­ro um.

Und was sa­gen die Os­na­brü­cker Hoch­schu­len zu dem Ber­li­ner Vor­stoß? „In der Tat hal­te ich Bit­co­in für ein ori­gi­nel­les und zu­kunfts­ori­en­tier­tes Kon­zept“, er­klärt Oli­ver Vorn­ber­ger, In­for­ma­tik­pro­fes­sor der Uni­ver­si­tät Os­na­brück. Bit­co­in bie­te die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen, wenn man von ei­ner in­ter­na­tio­na­len Kund­schaft Geld ein­sam­meln wol­le. Die ESMT-Ak­ti­on sei für ihn je­doch „ei­ne rei­ne Mar­ke­ting-Maß­nah­me“. Für die Uni Os­na­brück wür­de sich der Auf­wand, Bit­co­in für Stu­di­en­ge­büh­ren oder Se­mes­ter­bei­trä­ge zu ak­zep­tie­ren, „mit Si­cher­heit nicht“loh­nen. Die Ziel­grup­pe sei viel zu klein.

Auch an der Hoch­schu­le Os­na­brück ist die Zeit für Bit­co­in noch nicht reif. „Wir se­hen der­zeit kei­ne Ver­an­las­sung, uns mit der Di­gi­tal­wäh­rung zu be­fas­sen“, sagt Vi­ze­prä­si­dent Kai Han­del. Den Stu­den­ten wür­den hier al­le klas­si­schen Zah­lungs­we­ge of­fen­ste­hen, und mit den be­ste­hen­den Ver­fah­ren sei die Hoch­schu­le Os­na­brück auch zu­frie­den. Die Ent­wick­lung des Bit­co­in wer­de man in­ter­es­siert, aber zu­rück­hal­tend ver­fol­gen. „Wir schau­en uns na­tür­lich an, was sich auf die­sem Sek­tor künf­tig be­we­gen wird, aber wir wer­den hier kei­ne Ri­si­ken ein­ge­hen.“

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