Frü­he­rer Land­ge­richts­prä­si­dent An­to­ni­us Fah­ne­mann neu­er An­sprech­part­ner für Ge­schä­dig­te

Bis­tum zahl­te Geld an 17 Miss­brauchsop­fer

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land - Von An­to­nia Wahm­hoff Foto: Da­vid Ebe­ner

Im Bis­tum Os­na­brück hat es in den zu­rück­lie­gen­den Jahr­zehn­ten 28 Hin­wei­se auf Miss­brauchs­fäl­le ge­ge­ben. Die­se Zwi­schen­bi­lanz teil­te das Bis­tum an­läss­lich der Vor­stel­lung des neu­en An­sprech­part­ners für Miss­brauchs­fäl­le mit. Da­bei han­delt es sich um An­to­ni­us Fah­ne­mann, frü­he­rer Land­ge­richts­prä­si­dent.

Die 28 Hin­wei­se auf Miss­brauchs­fäl­le be­zo­gen sich auf 21 Per­so­nen, dar­un­ter 16 Geist­li­che der Diö­ze­se. Über die Zahl der Op­fer sa­ge dies nichts; sie sei auch nicht zu er­mit­teln, so der Jus­ti­zi­ar des Bis­tums, Lud­ger Wiem­ker. 19 An­trä­ge auf ma­te­ri­el­le An­er­ken­nung er­lit­te­nen Leids wur­den nach den An­ga­ben von Op­fern ge­stellt. Da­von sei­en zwei ab­ge­wie­sen wor­den. In den an­de­ren Fäl­len sei­en Be­trä­ge zwi­schen 1000 und 10 000 Eu­ro aus­ge­zahlt wor­den.

Über­wie­gend be­zie­hen sich die Hin­wei­se nach den An­ga­ben auf Fäl­le, bei de­nen die Be­schul­dig­ten ver­stor­ben sind. Ne­ben 16 Geist­li­chen der Diö­ze­se wur­den drei sons­ti­ge kirch­li­che Mit­ar­bei­ter be­schul­digt so­wie zwei seit Län­ge­rem dem Erz­bis­tum Ham­burg an­ge­hö­ren­de Geist­li­che. Die Ham­bur­ger Erz­diö­ze­se war 1995 haupt­säch­lich aus Tei­len des Bis­tums Os­na­brück neu ge­grün­det wor­den.

Pro Jahr mel­de­ten sich bei ihr ein bis zwei Per­so­nen, sag­te die seit 2002 tä­ti­ge zwei­te An­sprech­part­ne­rin für Miss­brauchs­fäl­le, die Frau­en­ärz­tin Irm­gard Wit­schen-Heg­ge. Ne­ben se­xu­el­lem Miss­brauch ge­be es Hin­wei­se auf Ge­walt­an­wen­dun­gen und psy­chi­schen Miss­brauch. Ein wich­ti­ges An­lie­gen der Be­trof­fe­nen sei im­mer wie­der der Wunsch, an­ge­hört und ernst ge­nom­men Zu­stän­dig für die Auf­klä­rung von Miss­brauchs­fäl­len im Bis­tum Os­na­brück: An­to­ni­us Fah­ne­mann, frü­he­rer Land­ge­richts­prä­si­dent, ist nun ge­mein­sam mit Irm­gard Wit­schenHeg­ge An­sprech­part­ner für Ge­schä­dig­te.

zu wer­den. Vie­le woll­ten, dass die Tä­ter zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wer­den, an­de­ren ge­nü­ge ei­ne Ent­schul­di­gung des Tä­ters. Auch lan­ge zu­rück­lie­gen­de Er­eig­nis­se führ­ten viel­fach heu­te noch zu Kon­flik­ten im All­tags­le­ben der Be­trof­fe­nen.

Fah­ne­mann, der das Eh­ren­amt von Dom­de­chant

Hein­rich Si­lies über­nom­men hat, und Wit­schen-Heg­ge be­ton­ten die über­re­gio­na­le Be­deu­tung des öf­fent­li­chen Buß­akts von Os­na­brücks Bi­schof Franz-Jo­sef Bo­de 2010. Die­ser hat­te um Ver­ge­bung für die Kir­che ge­be­ten, in­dem er sich im Dom vor dem Al­tar auf den Bo­den ge­legt und dort Mi­nu­ten lang in Stil­le ver­harr­te. Die zu die­sem Zeit­punkt öf­fent­lich ge­wor­de­nen Fäl­le von „ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Ta­ten“be­schrieb Fah­ne­mann als „Damm­bruch“für ei­ne ernst­haf­te und auf­rich­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ge­scheh­nis­sen. Die Be­trof­fe­nen wür­den sich ge­ra­de im Kin­des­al­ter häu­fig selbst die Schuld an den Miss­brauchs­fäl­len zu­wei­sen. Um die­se „of­fe­nen Wun­den“zu schlie­ßen, müs­se die Schuld des Tä­ters fest­ge­stellt wer­den.

Ein wich­ti­ger Aspekt ih­res Eh­ren­amts sei die in­ne­re Un­ab­hän­gig­keit zur Kir­che, be­ton­ten Fah­ne­mann und Wit­schen-Heg­ge. Sie könn­ten den Be­trof­fe­nen völ­lig un­vor­ein­ge­nom­men ge­gen­über­tre­ten, so­dass es kei­ner­lei Ten­den­zen ge­be, Vor­fäl­le zu be­schö­ni­gen. Fah­ne­mann mach­te zu­dem deut­lich, dass die An­sprech­part­ner an die Schwei­ge­pflicht ge­bun­den sei­en. Al­ler­dings wür­den die Be­trof­fe­nen zu Be­ginn der Ge­sprä­che dar­auf hin­ge­wie­sen, dass dann ei­ne Wei­ter­ga­be der Hin­wei­se an die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den und an kirch­li­che Gre­mi­en auf je­den Fall er­fol­ge, wenn wei­te­re Op­fer nicht aus­zu­schlie­ßen sei­en.

Der Per­so­nal­re­fe­rent des Bis­tums, Pfar­rer Ul­rich Beck­wer­mert, rief da­zu auf, bei Ver­dachts­fäl­len von Kin­des­miss­brauch die An­sprech­part­ner zu kon­tak­tie­ren, und be­ton­te, dass je­der, auch ein weit zu­rück­lie­gen­der, Vor­fall ein Ver­bre­chen sei. Das Bis­tum ge­he je­dem Ver­dacht nach. Um ei­ne Wie­der­ho­lung sol­cher Ta­ten zu ver­mei­den, sei ein of­fe­ner Um­gang mit dem The­ma Miss­brauch nicht nur in der Ver­gan­gen­heit und Ge­gen­wart wich­tig, son­dern auch in der Zu­kunft, be­ton­te Beck­wer­mert. Da­her sei­en prä­ven­ti­ve Schu­lungs­mo­du­le im Bis­tum fes­ter Be­stand­teil so­wohl der Be­rufs­ein­füh­rung und -aus­übung als auch der eh­ren­amt­li­chen Ar­beit in den Ge­mein­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.