Mis­si­on ge­gen den Hass

Fran­zis­kus in Ägyp­ten – „Feu­er­wehr­leu­te statt Brand­stif­ter“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Lob­na Mo­nieb, An­net­te Reu­ther und Benno Schwing­ham­mer

Papst Fran­zis­kus liebt Ges­ten, mehr als vie­le Wor­te. Ei­ne da­von ist, dass er sich in ei­nen Fi­at-Klein­wa­gen setzt statt in ei­nen ge­pan­zer­ten Wa­gen und trotz Ter­ror­ge­fahr durch Kai­ro fährt. Gott­ver­trau­en statt Ter­ror­angst. Aber das Ka­tho­li­kenOber­haupt will mit sei­nem ers­ten Be­such in Ägyp­ten ei­ne wich­ti­ge­re Bot­schaft sen­den: Re­li­gio­nen – egal wel­cher Glau­bens­rich­tung – ha­ben die Pflicht, sich ge­mein­sam ge­gen Ter­ror und Ge­walt ein­zu­set­zen. Vor al­lem hier in Ägyp­ten, dem zen­tra­len Land für ei­ne drin­gend nö­ti­ge Sta­bi­li­tät im Na­hen Os­ten, hat die­se Bot­schaft ein be­son­de­res Ge­wicht. Die christ­li­che Min­der­heit wird dort im­mer wie­der Ziel von töd­li­chen An­schlä­gen.

Die Be­to­nung liegt auf dem Wort „ge­mein­sam“, als der Papst in der Al-Az­har-Uni­ver­si­tät spricht, dem be­deu­tends­ten Leh­r­in­sti­tut des sun­ni­ti­schen Is­lam. „Ge­mein­sam be­kräf­ti­gen wir die Un­ver­ein­bar­keit von Ge­walt und

Glau­be, von Glau­ben und Has­sen“, sagt der Pon­ti­fex. „Ge­mein­sam er­klä­ren wir die Unan­tast­bar­keit je­des mensch­li­chen Le­bens ge­gen jeg­li­che Form von phy­si­scher, so­zia­ler, er­zie­he­ri­scher oder psy­cho­lo­gi­scher Ge­walt.“Im Na­men Got­tes mö­ge „die Son­ne ei­ner neu­en Brü­der­lich­keit auf­ge­hen“. Heu­te sei­en „Feu­er­wehr­leu­te und nicht Brand­stif­ter, Pre­di­ger von Ver­söh­nung und nicht Auf­ru­fer zur Zer­stö­rung“ge­fragt.

In dem über­wie­gend mus­li­mi­schen Land, das nach Re­gie­rungs­um­stür­zen nicht zur Ru­he kommt und mit Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in den Schlag­zei­len ist, ha­ben sol­che Aus­sa­gen be­son­de­re Be­deu­tung. Rund zehn Pro­zent der Ein­woh­ner sind Chris­ten, die meis­ten Kop­ten. Auch wenn Fran­zis­kus spä­ter Prä­si­dent Ab­del Fat­tah al-Si­si für sei­ne Be­mü­hun­gen im Kampf ge­gen den Ter­ror und für Re­li­gi­ons­frei­heit lobt: Bei den Men­schen­rech­ten gibt der Papst Al-Si­si dann doch noch ei­nen mit. In An­spie­lung auf die ara­bi­schen Auf­stän­de 2011 sagt er, die da­ma­li­gen Zie­le wie Frei­heit und so­zia­le Ge­rech­tig­keit wür­den Rea­li­tät, wenn al­le ge­willt sei­en, Wor­te in Ta­ten um­zu­set­zen.

Fran­zis­kus ist erst der zwei­te Papst der Neu­zeit, der das Land am Nil be­sucht. Der Be­such war des­halb schon vor­ab als his­to­risch ein­ge­stuft wor­den. Ob das bei der nor­ma­len Be­völ­ke­rung an­kommt, bleibt zu­min­dest frag­lich. „Die Stra­ßen sind seit 9 Uhr mor­gens blo­ckiert. Ich ha­be bis­her nur drei Kun­den ge­habt. Ich ver­ste­he nicht, wie sie das als Si­che­rung des Lan­des ver­ste­hen kön­nen“, sagt ein Ta­xi­fah­rer. An den Ein­fall­stra­ßen hän­gen zwar Pla­ka­te von Papst Fran­zis­kus. Die Pos­ter, auf der Fuß­ball­star Lio­nel Mes­si zu se­hen ist, sind al­ler­dings auf glei­cher Stre­cke um ein Viel­fa­ches grö­ßer.

Fo­to: AFP

His­to­risch: Fran­zis­kus ist der zwei­te neu­zeit­li­che Papst, der Ägyp­ten be­sucht.

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