Ju­bel für den FDP-Sa­nie­rer

Lind­ner mit 91 Pro­zent als Par­tei­chef be­stä­tigt – Li­be­ra­le lau­fen sich warm für die Rück­kehr zur Macht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Bea­te Ten­fel­de

Ju­bel bran­det auf, als Chris­ti­an Lind­ner auf ei­nem Bun­des­par­tei­tag in Berlin als Vor­sit­zen­der der FDP be­stä­tigt wird. 91 Pro­zent für den Sa­nie­rer der Par­tei – nicht sein bes­tes Er­geb­nis, aber ei­ne star­ke Rü­cken­de­ckung.

Lind­ner sprach von ei­nem „mo­ti­vie­ren­den Vo­tum“. Vor zwei Jah­ren hat­te der Par­tei­chef al­ler­dings noch 92,4 Pro­zent be­kom­men. Sein Vi­ze Wolf­gang Ku­bi­cki ver­buch­te auf dem Bun­des­par­tei­tag ges­tern 92,4Pro­zent – auch er hat­te bei der Vor­stands­wahl 2015 mit 94,24 Pro­zent et­was bes­ser ab­ge­schnit­ten. Ku­bi­cki er­klär­te, dies sei „ein tol­les Er­geb­nis“. Er ver­ste­he es als „Auf­trag sei­ner Par­tei­freun­de, so wei­ter­zu­ma­chen wie bis­her“.

Die FDP läuft sich warm bei ih­rem drei­tä­gi­gen Kon­gress: Der 38-jäh­ri­ge Lind­ner will sei­ne Par­tei nach vier Jah­ren Zwangs­pau­se 2017 zu­rück in den Bun­des­tag füh­ren. Zu­vor ste­hen aber noch Wah­len in Schles­wig-Hol­stein (7. Mai) und Nord­rhein-West­fa­len (14. Mai) an. Ein Ver­bleib der FDP in den Land­ta­gen in Kiel und Düs­sel­dorf gilt als si­cher. Im Bund liegt die Par­tei nur bei fünf bis sechs Pro­zent, ver­zeich­net aber deut­li­che Mit­glie­der­zu­gän­ge.

„Schau­en wir nicht län­ger zu“– das ist das Par­tei­tags­mot­to. Es ist gar­niert mit dem of­fi­zi­el­len Warn­zei­chen für „Vor­sicht ent­zünd­lich“. Was die von der FDP an­ge­heu­er­ten PR-Pro­fis da­mit be­zweck­ten, blieb un­klar. Erst Par­tei­chef Lind­ner brach­te et­was Licht ins Dun­kel mit dem Hin­weis, dass es an al­le Ecken bren­ne.

„Be­weg­te Zei­ten – nichts pas­siert“, warf er der schwarz-ro­ten Bun­des­re­gie­rung vor. Uni­on und SPD hät­ten die ver­gan­ge­nen vier Jah­re ver­schla­fen. Als ein Bei­spiel nann­te Lind­ner den „Maut-Irr­sinn“von Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) – an­stel­le ei­nes Breit­band­aus­baus. Auch die ar­beits­markt­po­li­ti­schen Plä­ne des SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz kri­ti­sier­te der FDP-Chef – sie sei­en schäd­lich für die Wirt­schaft und wür­den Er­werbs­lo­sen nicht wei­ter­hel­fen. Lind­ner warn­te aber auch: „Das Come­back der FDP ist längst noch nicht er­reicht, aber wir ha­ben wie­der ei­ne Chan­ce dar­auf. Und wer hät­te das im Herbst 2013 ge­glaubt?“Die Li­be­ra­len hät­ten sich „er­neu­ert, weil wir Deutsch­land er­neu­ern wol­len“, rief Lind­ner.

Seit 2013 ha­be die FDP viel ge­lernt. „Au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Op­po­si­ti­on, das ist ein wahr­lich rau­es Ge­schäft. Die FDP ist jetzt ei­ne wet­ter­ge­gerb­te Par­tei.“Auch an ihm selbst sind die Spu­ren un­er­müd­li­chen Ein­sat­zes zu ent­de­cken. „Herr Lind­ner, Sie se­hen bes­ser aus als frü­her – so ver­lebt“, ha­be ihm ei­ne An­hän­ge­rin ge­schrie­ben, be­rich­tet der 38-Jäh­ri­ge.

Be­son­ders un­an­ge­nehm sei ihm grü­ne Scha­den­freu­de am Abend der Bun­des­tags­wahl 2013 in Er­in­ne­rung, sie ha­be ihn aber auch mo­ti­viert: „Das letz­te Bild der Ge­schich­te der FDP – das wird nicht der Ju­bel der Grü­nen über un­ser Aus­schei­den aus dem Bun­des­tag sein.“

„Da ist mehr drin“

Die Li­be­ra­len wol­len Deutsch­land ei­ne um­fang­rei­che „Re­form­agen­da 2030“ver­ord­nen. Ein Schwer­punkt ih­res Pro­gramms für die Wahl am 24. Sep­tem­ber sind Bil­dungs­po­li­tik und Di­gi­ta­li­sie­rung. Zu­dem soll­ten die Bür­ger bei Steu­ern und Ab­ga­ben um 30 bis 40 Mil­li­ar­den Eu­ro ent­las­tet wer­den. Wenn so­gar Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) 15 Mil­li­ar­den Eu­ro Ent­las­tung in Aus­sicht stel­le, sei deut­lich mehr drin.

Lind­ners Mah­nung, das Come­back sei aber nicht ge­wiss, wol­len die über 600 De­le­gier­ten des FDP-Bun­des­par­tei­tags al­ler­dings nicht hö­ren. „ Wir sind hoch mo­ti­viert“, sagt der Os­na­brü­cker De­le­gier­te Tho­mas Thie­le.

Die Li­be­ra­len lech­zen nach Er­folg – und Chris­ti­an Lind­ner, der die Par­tei im Al­lein­gang sa­niert hat, ganz ge­wiss am al­ler­meis­ten. „D – CL 2017“steht auf sei­nem Au­to­schild – ja, es ist ein Schick­sals­jahr für ihn.

80 Mi­nu­ten freie Re­de: FDP-Vor­sit­zen­der Chris­ti­an Lind­ner at­ta­ckier­te so­wohl die Uni­on als auch die SPD scharf. Für die FDP sieht er die „Chan­ce für ein Come­back“, si­cher sei dies aber nicht. Fo­to: AFP

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