Au­ßen­wirt­schafts-Ex­per­ten ver­hal­ten op­ti­mis­tisch

Br­ex­it, Russ­land-Sank­tio­nen und das Ver­hält­nis zur Tür­kei The­men auf der Han­no­ver Mes­se – 225 000 Be­su­cher

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Han­no­ver.

Von Joa­chim Gö­res

Am Frei­tag ist die Han­no­ver Mes­se zu En­de ge­gan­gen. Bis zum Abend wur­den 225 000 Be­su­cher ge­zählt, deut­lich mehr als die er­war­te­ten 200 000. Mit 75 000 Be­su­chern aus dem Aus­land ha­be die Mes­se ei­nen neu­en Re­kord auf­ge­stellt, er­läu­ter­te Jo­chen Köck­ler, Mit­glied des Vor­stands der Deut­schen Mes­se AG.

Ei­ne Ver­an­stal­tung wäh­rend der Aus­stel­lung war der nie­der­säch­si­sche Au­ßen­wirt­schafts­tag. Die Teil­neh­mer dis­ku­tier­ten den Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU, die wirt­schaft­li­chen Sank­tio­nen ge­gen Russ­land seit der Krim­kri­se und die po­li­ti­schen Ve­rän­de­run­gen in der Tür­kei. Gera­de die auf Ex­port aus­ge­rich­te­te deut­sche Wirt­schaft be­ob­ach­tet be­son­ders auf­merk­sam, wie sich die­se Ent­wick­lun­gen auf den Han­del aus­wir­ken. Die meis­ten Ex­per­ten zeig­ten sich ver­hal­ten op­ti­mis­tisch.

„Nur ein Drit­tel der von der IHK be­frag­ten 1700 deut­schen Un­ter­neh­men er­war­tet ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen durch den Br­ex­it. Die Mehr­heit ist po­si­tiv ge­stimmt, das ist er­staun­lich“, sag­te Horst Schra­ge, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Nie­der­sach­sen.

Mit­tel­fris­tig sei die Per­spek­ti­ve im Han­del mit den USA, Groß­bri­tan­ni­en oder der Tür­kei eher schlech­ter. „Es gibt in Groß­bri­tan­ni­en nach der Ent­schei­dung für den Br­ex­it viel Eu­pho­rie. Der er­war­te­te wirt­schaft­li­che Ein­bruch ist aus­ge­blie­ben. Das kön­nen wir als Öko­no­men nicht er­klä­ren“, gab sich Tors­ten Win­dels, Chef­volks­wirt der Nord­deut­schen Lan­des­bank, et­was rat­los. 2016 ha­be es ein Ex­port­mi­nus von zehn Pro­zent für deut­sche Gü­ter nach Groß­bri­tan­ni­en ge­ge­ben. Da­für sei aber nicht der Br­ex­it, son­dern die Ab­wer­tung des bri­ti­schen Pfun­des ver­ant­wort­lich ge­we­sen. Die Zu­kunft

In Russ­land ist in den letz­ten Jah­ren die Wirt­schaft ein­ge­bro­chen, mit deut­li­chen Fol­gen für deut­sche Un­ter­neh­men, die dort pro­du­zie­ren. „Für uns hat sich seit 2012 der Markt hal­biert, wir ver­kau­fen in Russ­land nur noch die Hälf­te der Fahr­zeu­ge“, er­klär­te Mar­cus Ose­go­witsch, Ge­ne­ral­di­rek­tor der VW Group Russ­land. Den­noch blickt er zu­ver­sicht­lich in die Zu­kunft. Laut Jens Böhl­mann, Lei­ter der Kon­takt­stel­le Mit­tel­stand für Russ­land beim Ost­aus­schuss der Deut­schen Wirt­schaft, wol­len 33 Pro­zent der in Russ­land ak­ti­ven deut­schen Fir­men in die­sem Jahr in­ves­tie­ren. Zu­dem stei­ge das In­ter­es­se der rus­si­schen Wirt­schaft an Kon­tak­ten in Rich­tung Wes­ten, nach­dem es in der Zu­sam­men­ar­beit mit chi­ne­si­schen Part­nern zu­neh­mend Pro­ble­me ge­be.

5200 deut­sche Un­ter­neh­men sind an rus­si­schen Fir­men be­tei­ligt. Im ver­gan­ge­nen Jahr sind die Ein­fuh­ren aus Deutsch­land ge­sun­ken, die Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen in Russ­land da­ge­gen ge­stie­gen.

„Vie­le er­war­ten in der Tür­kei ei­ne Krise, aber sie kommt nicht, und die Fir­men in­ves­tie­ren“, sag­te Pe­ter Hei­din­ger, Ge­schäfts­füh­rer der FMCon­sul­ting aus Istan­bul. In den letz­ten fünf Jah­ren sind die Aus­fuh­ren nie­der­säch­si­scher Un­ter­neh­men in die Tür­kei stän­dig ge­stie­gen.

Al­ler­dings spricht die IHK Han­no­ver da­von, dass das In­ter­es­se an neu­en Kon­tak­ten in die Tür­kei in letz­ter Zeit deut­lich zu­rück­ge­gan­gen sei, we­gen der un­si­che­ren po­li­ti­schen La­ge.

war zu Gast in Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.