Oh­ne Pomp und Pa­thos

Wes­ter­kap­peln zeigt am 1. Mai Flag­ge

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

WES­TER­KAP­PELN. Zu be­son­de­ren An­läs­sen wird in Wes­ter­kap­peln ge­flaggt. Am 1. Mai ist so ein Tag, an dem so­gar drei Flag­gen fei­er­lich vor dem Rat­haus we­hen, auch wenn das His­sen in der Re­gel oh­ne gro­ßen Pomp und Pa­thos über die Büh­ne geht.

Hol­ly­wood hat das Pro­ze­de­re in den USA wohl schon un­zäh­li­ge Ma­le in Sze­ne ge­setzt: Ein Sol­dat hisst „The Star-Span­g­led Ban­ner“, ein an­de­rer bläst auf der Trom­pe­te, und die an­de­ren sa­lu­tie­ren ehr­fürch­tig. Auch in Frank­reich sind die Men­schen stolz auf ih­re „tri­co­lo­re“. Und heut­zu­ta­ge gibt es kaum noch Sport­ler, die ih­re in­ter­na­tio­na­len Er­fol­ge oh­ne Na­tio­nal­fah­ne fei­ern. Die Flag­ge hat über­all auf der Welt ei­nen ho­hen Sym­bol­cha­rak­ter und ist für vie­le Men­schen ein Teil der ei­ge­nen Iden­ti­tät.

Flag­ge zei­gen am 1. Mai

Zu be­son­de­ren An­läs­sen wird auch in Wes­ter­kap­peln ge­flaggt. Am 1. Mai ist so ein Tag, an dem so­gar drei Flag­gen fei­er­lich vor dem Rat­haus we­hen, auch wenn das His­sen in der Re­gel oh­ne gro­ßen Pomp über die Büh­ne geht.

„Für das Be­flag­gen brau­che ich un­ge­fähr zehn Mi­nu­ten, und es geht da­bei we­nig fei­er­lich zu“, er­zählt Tho­mas Ja­retz­ki. Er ist der Haus­meis­ter des Wes­ter­kap­pel­ner Rat­hau­ses und für das pünkt­li­che und ord­nungs­ge­mä­ße Be­flag­gen der Mas­ten zu­stän­dig.

Deut­sche Gründ­lich­keit

„Pünkt­lich“und „ord­nungs­ge­mäß“sind sper­ri­ge Wör­ter, aber sie ha­ben in die­sem Zu­sam­men­hang ih­re Be­rech­ti­gung. In Deutsch­land gibt es, wer hät­te es ge­dacht, ei­nen Be­flag­gungs­er­lass der Bun­des­re­gie­rung und im Fal­le von Nord­rhein-West­fa­len ei­ne im Lan­des­ge­setz ver­an­ker­te „Be­flag­gungs­ver­ord­nung“, die das öf­fent­li­che Flag­gen de­tail­reich re­geln. Letzt­ge­nann­ter ist bei­spiels­wei­se zu ent­neh­men, dass es in NRW zehn re­gel­mä­ßi­ge Be­flag­gungs­ta­ge gibt. Ei­ner da­von ist der „Tag des Frie­dens und der Völ­ker­ver­stän­di­gung“, der am Mon­tag, al­so am 1. Mai, be­gan­gen wird. Tho­mas Ja­retz­ki muss des­halb schon früh auf­ste­hen, denn die Ver­ord­nung ver­langt, dass die Flag­gen um 7 Uhr mor­gens auf­ge­hängt wer­den müs­sen. Erst nach Ein­bruch der Dun­kel­heit dür­fen sie wie­der ab­ge­nom­men wer­den.

Im Kel­ler des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des hat Ja­retz­ki Zu­griff auf vier ver­schie­de­ne Flag­gen. Die Flag­ge der Eu­ro­päi­schen Uni­on, die Flag­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die Flag­ge des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len und, ge­ziert mit der Rein­hil­dis, die Flag­ge der Ge­mein­de Wes­ter­kap­peln.

Orts­kun­di­gen Bür­gern wird an die­ser Stel­le auf­fal­len, dass es vor dem Rat­haus le­dig­lich drei Fah­nen­mas­ten gibt. Das ist je­doch kein Pro­blem, denn die Ver­ord­nung re­gelt selbst­ver­ständ­lich auch die Rei­hen­fol­ge der Be­flag­gung. „Mit Blick auf das Rat­haus hängt links die wich­tigs­te Flag­ge“, er­läu­tert Ja­retz­ki. Aus die­sem Grund ist bei­spiels­wei­se am Eu­ro­pa­tag (9. Mai) kei­ne Ge­mein­de­flag­ge zu se­hen. Die­se wür­de aber selbst­ver­ständ­lich ge­hisst, wenn ein au­ßer­or­dent­li­ches Er­eig­nis spe­zi­ell Wes­ter­kap­peln be­trifft, denn auf kom­mu­na­ler Ebe­ne kann die Bür­ger­meis­te­rin ei­ne Be­flag­gung an­ord­nen.

Kein halb­mast mög­lich

So wie in der ver­gan­ge­nen Wo­che, als fran­zö­si­sche Aus­tausch­schü­ler der Re­al­schu­le im Rat­haus emp­fan­gen wur­den. Au­ßer­or­dent­li­che Be­flag­gung kann auch vom In­nen­mi­nis­ter Nord­rheinWest­fa­lens oder so­gar von Am Eu­ro­pa­tag hängt die Eu­ro­paf­lag­ge als wich­tigs­te Fah­ne links. Da­ne­ben hän­gen die Deutsch­land­flag­ge und die nord­rhein-west­fä­li­sche. Zu au­ßer­or­dent­li­chen kom­mu­na­len Er­eig­nis­sen wird auch die Ge­mein­de­flag­ge ge­hisst.

der Bun­des­re­gie­rung an­ge­ord­net wer­den. Qua­si per De­kret. „Zu­letzt gab es ei­ne sol­che An­ord­nung nach dem Ter­ror­an­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt“, be­rich­tet Ja­retz­ki, der in sol­chen Fäl­len kurz­fris­tig re­agie­ren muss. Zu solch ei­nem schreck­li­chen An­lass ver­langt die Ver­ord­nung ei­ne Trau­er­be­flag­gung. Die Flag­gen sol­len al­so nur auf halb­mast ge­setzt wer­den. „Das kön­nen wir hier in Wes­ter­kap­peln al­ler­dings nicht, da wir hoch­for­ma­ti­ge Flag­gen ha­ben“, klärt Ja­retz­ki auf. Die Flag­gen der Ge­mein­de

wer­den da­her in ei­nem sol­chen Fall mit dem schwar­zen Trau­er­flor ver­se­hen.

Mit we­hen­den Fah­nen

Im Mai muss Ja­retz­ki üb­ri­gens gleich vier­mal an die Ar­beit, denn ne­ben drei fi­xen Be­flag­gungs­ta­gen kommt in die­sem Jahr noch der Tag der Land­tags­wahl da­zu. Ge­nü­gend Ge­le­gen­heit al­so für die Wes­ter­kap­pel­ner, sich an die­ser Sym­bo­lik zu er­freu­en. Und das un­ab­hän­gig von der Wet­ter­la­ge. „Es wird auch bei Re­gen und Schnee ge­flaggt“, sagt Ja­retz­ki.

Die Flag­gen wer­den dann an­schlie­ßend ganz un­spek­ta­ku­lär im Kel­ler des Rat­hau­ses zum Trock­nen auf­ge­hängt. Ein­zig ein schwe­rer Sturm kön­ne ei­ne Be­flag­gung ver­hin­dern, meint Tho­mas Ja­retz­ki, der sich in sei­ner 24-jäh­ri­gen Tä­tig­keit als Haus­meis­ter des Rat­hau­ses al­ler­dings nicht an ei­nen ein­zi­gen sol­chen Fall er­in­nern kann.

Und des­halb we­hen die Flag­gen auch am 1. Mai wie­der in vol­ler Pracht vor dem Rat­haus. Oh­ne das Pa­thos aus Hol­ly­wood, aber doch ir­gend­wie fei­er­lich.

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