Po­li­ti­sches Cha­os in Ma­ze­do­ni­en: 100 Ver­letz­te bei Sturm auf Par­la­ment

Re­gie­rungs­kri­se es­ka­liert – Eu­ro­päi­sche Uni­on und USA üben Kri­tik

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Bei ei­nem Ge­walt­aus­bruch im ma­ze­do­ni­schen Par­la­ment sind in Skopje rund 100 Men­schen ver­letzt wor­den. Dar­un­ter wa­ren 22 Po­li­zis­ten und drei Ab­ge­ord­ne­te, mel­de­te das In­nen­mi­nis­te­ri­um am Frei­tag.

Die Sze­nen vom Don­ners­tag­abend wa­ren bru­tal. Hun­der­te stürm­ten das Par­la­ment, an­ge­führt von mas­kier­ten Män­nern. Auf Vi­de­os war zu se­hen, wie Na­tio­na­lis­ten mit Stüh­len und Ka­me­ras­ta­ti­ven auf po­li­ti­sche Geg­ner und Jour­na­lis­ten ein­schlu­gen. Der de­si­gnier­te Re­gie­rungs­chef Zoran Zaev wur­de am Kopf ver­letzt. Erst St­un­den spä­ter ver­trie­ben Spe­zi­al­ein­hei­ten die An­grei­fer mit Trä­nen­gas aus dem Par­la­ment.

Zaev will sich von der blu­ti­gen Er­stür­mung des Par­la­ments durch An­hän­ger der ab­ge­wähl­ten Re­gie­rung aber nicht stop­pen las­sen. „Wir sind der Mo­tor zur Wie­der­her­stel­lung der De­mo­kra­tie im Land“, sag­te der Chef der So­zi­al­de­mo­kra­ten (SDSM).

Ob­wohl sei­ne Par­tei mit ei­ni­gen Par­tei­en der al­ba­ni­schen Min­der­heit ei­ne kla­re Mehr­heit im Par­la­ment be­sitzt, hat­te das La­ger des lang­jäh­ri­gen Re­gie­rungs­chefs Ni­ko­la Gruev­ski seit Mo­na­ten ei­ne Re­gie­rung ver­hin­dert. Auch „die ver­such­ten Mor­de“könn­ten die zü­gi­ge Bil­dung der neu­en Re­gie­rung nicht ver­hin­dern, sag­te Zaev.

In­nen­mi­nis­ter Agim Nuhiu bot sei­nen Rück­tritt an. Füh­ren­de Po­li­zei­be­am­te hät­ten nicht die An­wei­sun­gen des Mi­nis­te­ri­ums be­folgt, son­dern An­ord­nun­gen der lang­jäh­ri­gen Re­gie­rungs­par­tei VMRO von Ni­ko­la Gruev­ski, be­grün­de­te er sei­nen Schritt.

Gruev­ski mach­te die So­zi­al­de­mo­kra­ten für die Ge­walt ver­ant­wort­lich, weil sie trotz Wi­der­stan­des des am­tie­ren­den Par­la­ments­prä­si­den­ten auf il­le­ga­le Art und Wei­se des­sen Nach­fol­ger be­stimmt hät­ten.

Die USA und die EU ver­ur­teil­ten die Atta­cke. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el sag­te am Ran­de ei­nes EU-Tref­fens auf Mal­ta, das Vor­ge­hen der bis­he­ri­gen Re­gie­rungs­par­tei sei „nicht nur un­trag­bar, das ist gleich­be­deu­tend mit dem Zu­schla­gen der Tür zur Eu­ro­päi­schen Uni­on.“Die ab­ge­wähl­ten po­li­ti­schen Kräf­te in Ma­ze­do­ni­en dürf­ten dem Land nicht den Weg in die EU ver­sper­ren. Ma­ze­do­ni­en ist seit 2015 durch ei­ne po­li­ti­sche Krise ge­lähmt. Auch Par­la­ments­wah­len im De­zem­ber hat­ten kei­nen Aus­weg ge­bracht.

Bru­ta­le Atta­cken: Bei Tu­mul­ten im ma­ze­do­ni­schen Par­la­ment gab es 100 Ver­letz­te. Fo­to: dpa

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