Russ­land hofft auf An­nä­he­rung

Mer­kel be­sucht Pu­tin in Sot­schi – Bot­schaf­ter: Ma­ni­pu­la­ti­ons­vor­wür­fe ab­surd

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Burk­hard Ewert

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­sucht nach zwei Jah­ren wie­der Russ­land. Des­sen Bot­schaf­ter in Ber­lin spricht von ei­nem „wich­ti­gen Si­gnal“.

Vor dem Tref­fen von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel mit dem rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin an die­sem Di­ens­tag in Sot­schi hofft des­sen Bot­schaf­ter in Ber­lin, Wla­di­mir Gri­nin, auf ein Si­gnal der Ent­span­nung in ei­ner nach sei­nen Wor­ten „höchst kon­fron­ta­ti­ven Si­tua­ti­on“zwi­schen dem Wes­ten und Russ­land. In ei­nem In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te der Di­plo­mat, „dass An­ge­la Mer­kel nach Russ­land reist, ist ein gu­tes und wich­ti­ges Si­gnal. Ich hof­fe auf po­si­ti­ve Er­geb­nis­se.“

Gri­nin rief Deutsch­land und Frank­reich da­zu auf, ih­ren Ein­fluss auf Kiew zu nut­zen und das Mins­ker Ab­kom­men am Le­ben zu er­hal­ten. Al­le vier be­tei­lig­ten Mäch­te hät­ten sich da­für aus­ge­spro­chen, dass die Lö­sung des Kon­flikts in der Ost­ukrai­ne ge­mäß den da­ma­li­gen Ver­ab­re­dun­gen er­fol­gen sol­le. „Lei­der pas­siert nichts auf der ukrai­ni­schen Sei­te“, sag­te Gri­nin. „Ich hof­fe, dass un­se­re deut­schen und fran­zö­si­schen Part­ner im Nor­man­die-For­mat ent­spre­chen­den Druck auf Kiew aus­üben.“

Gri­nin wies An­schul­di­gun­gen we­gen staat­lich ge­lenk­ter Be­ein­flus­sung von Wah­len und di­gi­ta­ler Mei­nungs­ma­ni­pu­la­ti­on zu­rück. „Sol­che Vor­wür­fe hö­ren wir prak­tisch je­den Tag“, sag­te er, „aber es gibt kei­ne Be­wei­se.“Vie­le Be­haup­tun­gen sei­en „frei von je­den An­halts­punk­ten“. Es ge­be so vie­le die­ser „ab­sur­den Ide­en“, dass man sie gar nicht al­le de­men­tie­ren kön­ne. „Man soll­te Hun­de bel­len las­sen“, er­klär­te Gri­nin und zeig­te sich über­zeugt: „Die Men­schen ha­ben mehr Ver­ständ­nis für Russ­land, als die Me­di­en den An­schein er­we­cken.“

Glo­bal be­trach­tet, plä­dier­te Gri­nin für ein Um­den­ken. „Das größ­te Pro­blem un­se­rer Zeit be­steht in den An­sprü­chen auf Ex­klu­si­vi­tät, Auf­drän­gung ei­ge­ner Le­bens­vor­stel­lun­gen und Wer­te, ins­be­son­de­re mit Ge­walt, denn eben­das hat die Welt­ent­wick­lung aus dem Gleich­ge­wicht ge­bracht.“Auch das Völ­ker­recht müs­se strikt be­ach­tet wer­den, for­der­te der Rus­se. Nach wie vor lie­ge Wla­di­mir Pu­tins Vor­schlag ei­nes ge­mein­sa­men Wirt­schafts­raums von Lis­s­a­bon bis Wla­di­wos­tok auf dem Tisch, er­in­ner­te Gri­nin und wünsch­te sich „ei­nen Auf­bau der Zu­sam­men­ar­beit auf Au­gen­hö­he“.

Im Vor­feld des Be­suchs hat der Vi­ze­prä­si­dent des Eu­ro­pa­par­la­ments, Alex­an­der Graf Lambs­dorff (FDP), ei­ne kon­se­quen­te Hal­tung ge­gen­über Pu­tin zum Ukrai­ne­Kon­flikt ge­for­dert. „Mit Russ­land muss man selbst­be­wusst aus ei­ner Po­si­ti­on der Stär­ke her­aus, aber im Geist der Part­ner­schaft spre­chen“, sag­te der Li­be­ra­le. Ein „star­kes, er­folg­rei­ches und fried­li­ches Russ­land als Part­ner“sei aber im In­ter­es­se Eu­ro­pas, füg­te Lambs­dorff hin­zu.

Die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Ma­rie­lui­se Beck sag­te in der „Welt“, es sei „im­mer gut, mit Pu­tin zu re­den“. „Ent­schei­dend ist aber, mit wel­cher Bot­schaft und wel­cher Hal­tung die Kanz­le­rin dort­hin fährt.“Pu­tin hat nach Über­zeu­gung der Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin kein In­ter­es­se dar­an, den Krieg in den Ost­ukrai­ne zu be­en­den.

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