In­te­gra­ti­on mit er­ho­be­nem Zei­ge­fin­ger?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt mh.schmidt@noz.de

Deutsch­land braucht ei­ne neue Leit­kul­tur, fin­det Mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re und legt zehn Punk­te vor. Die Lis­te ent­hält vor al­lem ei­nes: Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten. Kein Wun­der, schließ­lich ha­ben wir längst ei­ne Leit­kul­tur. Sie heißt Grund­ge­setz.

Der In­nen­mi­nis­ter kennt die Be­deu­tung des Grund­ge­set­zes für un­ser zi­vi­li­sier­tes Zu­sam­men­le­ben, das darf man un­ter­stel­len.

Eben­so, dass er weiß, wie ei­ne Leit­kul­tur-De­bat­te üb­li­cher­wei­se läuft: Ei­ner wirft den ers­ten St­ein – in der Re­gel ein CDU- oder CSUMann –, und kaum ist das Wort „Leit­kul­tur“aus­ge­spro­chen, gibt es Streit. Ei­ni­ge füh­len sich be­stä­tigt, die Nächs­ten be­vor­mun­det, die Über­nächs­ten be­lei­digt, die Letz­ten er­schreckt. Auch jetzt geht der Schuss nach hin­ten los. Zum ei­nen, weil der Be­griff Leit­kul­tur nach Deutsch­tü­me­lei und Aus­gren­zung müf­felt und eher rück­wärts­ge­wand­te Dis­kus­sio­nen pro­vo­ziert. Zu­dem ist der Vor­stoß ein of­fen­sicht­li­ches Wahl­kampf­ma­nö­ver. Mit dem plat­ten „Wir sind nicht Bur­ka“buhlt der CDU-Mi­nis­ter um Stim­men vom rech­ten Rand. Lei­der ziem­lich plump.

Das Pro­blem ei­ner Leit­kul­tur-De­bat­te bleibt: Wer an­de­ren vor­schreibt, wie sie den­ken, han­deln und füh­len sol­len, er­hebt sich über sie, grenzt aus, schreckt ab. Wer je­doch In­te­gra­ti­on för­dern will, muss sich be­we­gen und an­de­ren die Hand rei­chen. Den er­ho­be­nen Zei­ge­fin­ger soll­te er sich lie­ber spa­ren.

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