Nie­der­sach­sens Land­wir­te müs­sen Dün­ge­pra­xis än­dern

Mehr Ord­nungs­wid­rig­kei­ten we­gen neu­er Ver­ord­nung er­war­tet

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

HAN­NO­VER. Die neue Dün­ge­ver­ord­nung mit ers­ten Neu­re­ge­lun­gen vom kom­men­den Jahr an hat für die Land­wir­te er­heb­li­che Fol­gen. Die kom­plet­te Dün­ge­pra­xis der ver­gan­ge­nen Jah­re müs­se auf den Prüf­stand ge­stellt wer­den, sag­te der Um­welt­re­fe­rent des Bau­ern­ver­ban­des Land­volk Nie­der­sach­sen, Hart­mut Schlepps. „Al­les muss über­prüft wer­den, ob es mit den neu­en Re­geln noch in Über­ein­stim­mung steht.“Das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in Han­no­ver geht da­von aus, dass die Zahl der Ord­nungs­wid­rig­kei­ten-Ver­fah­ren er­heb­lich zu­neh­men wird, da der Ka­ta­log buß­geld­be­währ­ter Tat­be­stän­de deut­lich aus­ge­wei­tet wur­de. Der Bun­des­rat hat­te die Neu­re­ge­lung der Dün­ge­ver­ord­nung En­de März be­schlos­sen.

Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den in Nie­der­sach­sen in 425 Fäl­len vom Prüf­dienst der Land­wirt­schafts­kam­mer Ver­fah­ren we­gen Ord­nungs­wid­rig­kei­ten ein­ge­lei­tet, heißt es aus dem Mi­nis­te­ri­um. Seit 2013 wur­den rund 4000 Ord­nungs­wid­rig­keits­ver­fah­ren ge­führt und Buß­gel­der in Hö­he von mehr als 370 000 Eu­ro ver­hängt.

Das neue Dün­ge­recht soll im Kern ei­ne bes­se­re Ver­tei­lung von Nähr­stof­fen auf den Fel­dern er­mög­li­chen: Die Land­wir­te sol­len nur so viel Dün­ger aus­brin­gen, wie die Pflan­zen auch brau­chen, da­mit die Be­las­tung des Ober­flä­chen­und Grund­was­sers so ge­ring wie mög­lich ist. Da­her wird un­ter an­de­rem der Dün­ge­be­darf für Stick­stoff bun­des­ein­heit­lich ge­re­gelt, und es gibt Ober­gren­zen für die Stick­stoff­dün­gung. Die Zei­t­räu­me, in de­nen kei­ne Dün­ge­mit­tel aus­ge­bracht wer­den dür­fen, wer­den ver­län­gert. Die Ab­stän­de zu Ge­wäs­sern wer­den grö­ßer.

„Bei den Acker­bau­be­trie­ben ist un­se­rer gro­ben Ein­schät­zung nach ver­hält­nis­mä­ßig we­nig An­pas­sungs­be­darf“, sag­te Schlepps. Ei­nen rie­si­gen An­pas­sungs­be­darf ge­be es aber al­ler Vor­aus­sicht nach bei den Tier­hal­tungs­be­trie­ben. Wenn Tier­hal­ter kei­nen Ab­neh­mer für ih­re Gül­le oder ih­ren Mist fin­den, droh­ten Buß­gel­der und letzt­lich ei­ne Re­du­zie­rung des Tier­be­stan­des. Wel­che Fol­gen das neue Dün­ge­recht für die Land­wir­te tat­säch­lich ha­ben wer­de, ste­he aber wohl erst En­de nächs­ten Jah­res fest.

Künf­tig be­kommt die Prüf­be­hör­de auch Zu­griff auf In­for­ma­tio­nen aus an­de­ren Be­rei­chen. So dür­fe sie auch Da­ten her­an­zie­hen, die die Land­wir­te an die Tier­seu­chen­kas­se oder ans Ve­te­ri­när­amt ge­mel­det ha­ben, sag­te Schlepps. Dann wer­den die Da­ten auf Plau­si­bi­li­tät ge­prüft, et­wa ob die ge­mel­de­te Men­ge an Gül­le zu den an­ge­ge­be­nen Tier­zah­len pas­se. Aus da­ten­schutz­recht­li­cher Sicht sei das ei­ne Krö­te ge­we­sen, die die Land­wirt­schaft ge­schluckt ha­be. Da­für ge­he man da­von aus, dass in den Fäl­len, in de­nen die Da­ten plau­si­bel sei­en, auf ei­ne wei­te­re Kon­trol­le der Be­trie­be ver­zich­tet wer­de.

Die Land­wirt­schafts­kam­mer hat ei­ne neue ei­gen­stän­di­ge Dün­ge­be­hör­de un­ter Auf­sicht des Mi­nis­te­ri­ums ein­ge­rich­tet.

Die Dün­ge­pra­xis soll über­prüft wer­den. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.