Al­te IC-Zü­ge nicht zwangs­läu­fig schlech­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „ICE-Kom­fort erst ab 2023?“(Aus­ga­be vom 26. April).

„Seit ei­ni­gen Jah­ren ist aus Os­na­brü­cker Po­li­ti­ker- und Wirt­schafts­krei­sen im­mer mal wie­der das Ge­jam­mer über die ICE-freie nord­west­deut­sche/Os­na­brü­cker Zo­ne zu le­sen. Si­cher, als lei­den­schaft­li­cher Bahn­fah­rer wür­de auch ich nicht meh­re­re ICE-Ver­bin­dun­gen täg­lich von und nach Os­na­brück ab­leh­nen. Doch war­um nach jet­zi­gem Stand un­be­dingt den schnel­len ICE?

Auf der Re­la­ti­on Rhei­ne–Os­na­brück–Han­no­ver liegt die Höchst­ge­schwin­dig­keit fast im­mer deut­lich un­ter 200 km/h. Ein ICE macht hier erst Sinn, wenn, was to­po­gra­fisch durch­aus mög­lich und an­ge­bots­be­dingt sinn­voll ist, der ge­nann­te Stre­cken­ab­schnitt für 200 km/h aus­ge­baut wür­de. Das hät­te Vor­rang.

Und wie sieht es mit dem er­hoff­ten ICE-Kom­fort und dem mo­men­ta­nen IC-Kom­fort aus? Was ,an­ti­quiert‘ – wie CDU-Be­zirks­vor­sit­zen­der Ma­thi­as Mid­del­berg meint – er­scheint, muss nicht zwangs­läu­fig schlech­ter als das Neue sein. Die mehr­fach tech­nisch mo­der­ni­sier­ten ,al­ten‘ IC-Wa­gen ent­spre­chen im In­te­ri­eur (Be­stuh­lung) dem ers­ten ICE-2-Stan­dard. Was hier fehlt, sind die tech­nisch-elek­tro­ni­schen In­no­va­tio­nen der ICE 3 und 4: meh­re­re In­fo­dis­plays an der Wa­gen­de­cke mit Echt­zeitAus­kunft, auch über wei­te­re An­schluss­zü­ge, und Kar­ten­aus­schnit­te, die die Zug­po­si­ti­on wie­der­ge­ben (GPS lässt

grü­ßen!), hel­le LED-Be­leuch­tung. Fra­ge: Ist das für die über­wie­gen­de Zahl der Fahr­gäs­te wirk­lich so rei­se­re­le­vant? Und W-Lan lie­ße sich auch in den IC-Wa­gen nach­rüs­ten, wenn man denn woll­te. Und die ,Al­ten‘ bie­ten üb­ri­gens mehr Platz für den sit­zen­den Rei­sen­den als man­cher re­de­sign­te be­zie­hungs­wei­se neue ICE!

Geld, In­no­va­ti­ons­kraft und Krea­ti­vi­tät soll­ten da­ge­gen dort ein­ge­setzt wer­den, wo die täg­li­chen re­gel­mä­ßi­gen Miss­stän­de dem Bahn­rei­sen­den be­geg­nen. Dem­zu­fol­ge sind er­for­der­lich:

Pünkt­lich­keit, da­mit auch ei­ne 10-mi­nü­ti­ge Um­stei­ge­zeit ver­läss­lich ist, Sau­ber­keit, ein­wand­frei funk­tio­nie­ren­de Toi­let­ten (auch bei aus­ge­buch­ten Zü­gen), ef­fek­tiv ar­bei­ten­de Kli­ma­an­la­gen, die je­der mit­tel­eu­ro­päi­schen Hit­ze­pe­ri­ode stand­hal­ten, ei­ne an­ge­zeig­te Wa­gen­rei­hung, die der Rea­li­tät auch ent­spricht, ein paar Zen­ti­me­ter mehr Bein­frei­heit und ei­ne Bord­gas­tro­no­mie in al­len IC- und ICE-Zü­gen, die zu­dem auch die­sen Na­men ver­dient. All das lie­ße sich in den al­ten und wie auch im­mer be­zeich­ne­ten

neu­en Fern­rei­se­zü­gen der DB rea­li­sie­ren.“

Horst Hop­pe

Bad Iburg

Fo­to: dpa

Wich­ti­ger als neue IC-Wa­gen fin­det un­ser Le­ser Pünkt­lich­keit, Sau­ber­keit, ei­ne gu­te Bord­gas­tro­no­mie und funk­tio­nie­ren­de Kli­ma­an­la­gen.

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