Meis­ter be­ein­druckt – Schluss­licht auch

Rum­me­nig­ge: Dür­fen nicht ar­ro­gant sein – Völ­ler hält an Kor­kut fest – Darm­stadt will auch Bay­ern är­gern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Was be­deu­tet der Ti­tel­ge­winn dem FC Bay­ern?

Mehr als der Trost­preis, zu dem man­che den 27. Ti­tel­ge­winn her­ab­stuf­ten. Nach dem Aus in der Cham­pi­ons Le­ague und im DFB-Po­kal leg­te sich der Re­kord­meis­ter be­son­ders ins Zeug und un­ter­strich beim kon­zen­triert und pro­fes­sio­nell her­aus­ge­spiel­ten 6:0 in Wolfs­burg, wie ernst es ih­nen ist, die na­tio­na­le Vor­macht­stel­lung zu be­to­nen. Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, der auf der Tri­bü­ne mit Bier im Plas­tik­be­cher mit Fi­nanz­chef Jan-Chris­ti­an Dree­sen an­stieß, rück­te die fünf­te Meis­ter­schaft in Fol­ge – das ist in Deutsch­land noch nie ei­nem Club ge­lun­gen – mit klu­gen Wor­ten ins rech­te Licht: „Wir las­sen uns ei­ne deut­sche Meis­ter­schaft nicht klein­re­den, denn es ist der ehr­lichs­te Ti­tel, den man ge­win­nen kann. Und wir ha­ben nicht die­sen ar­ro­gan­ten An­spruch, je­des Jahr das Triple zu ge­win­nen.“Tat­säch­lich ist die Do­mi­nanz des er­folg­reichs­ten

Zum fünf­ten Mal in Fol­ge Meis­ter, der 27. Ti­tel per­fekt: Nie war die Do­mi­nanz des FC Bay­ern so groß – Jetzt will der HSV ins Trai­nings­la­ger – Ab­stiegs­angst in Le­ver­ku­sen

deut­schen Ver­eins noch nie so groß ge­we­sen wie in die­ser Epo­che. Und von den Af­fä­ren und Skan­da­len aus der Ära des „FC Hol­ly­wood“ist man weit ent­fernt. „Auf die Dau­er ist ein Ti­tel schon ein biss­chen we­nig für uns“, sag­te Uli Ho­en­eß vor dem Spiel, doch die Aus­sa­ge taug­te nicht, um ei­nen Keil zwi­schen den Prä­si­den­ten und sei­nen Vor­stands­chef zu trei­ben. Nach dem 6:0, das Ho­en­eß bei ei­nem Fan­fest in Mün­chen ver­folg­te, fei­er­te er den Ti­tel mit den An­hän­gern in ei­ner Po­lo­nai­se und sag­te fröh­lich: „Ich bin stolz auf un­se­re Mann­schaft. Wir sind wie­der zehn Punk­te vor­ne – was will man mehr?“

Zieht Völ­ler noch mal die Not­brem­se?

Tay­fun Kor­kut setzt sei­ne glück­lo­se Trai­ner­kar­rie­re in Le­ver­ku­sen fort, doch der Werks­club ver­traut im un­ge­wohn­ten Ab­stiegs­kampf of­fen­bar trotz der ra­san­ten Tal­fahrt dem schon in Han­no­ver und Kai­sers­lau­tern er­folg­lo­sen Coach. Von sei­nen letz­ten 21 Bun­des­li­ga­spie­len als Trai­ner ge­wann er nur eins. Ei­ne Ent­las­sung schloss Ru­di Völ­ler aus, der Sport­di­rek­tor be­ton­te nach dem 1:4-Heim­de­ba­kel ge­gen Schal­ke 04: „Ich bin zu­nächst ein­mal fest da­von über­zeugt, dass wir drin­blei­ben.“Ob das auch nach dem Kel­ler­der­by bei den gif­ti­gen und un­be­que­men In­gol­städ­tern am Sams­tag gilt? Kor­kut ist an­greif­bar und hat auch in der Mann­schaft we­nig Für­spre­cher. Und es ge­lingt ihm nicht, das schwie­ri­ge Team auf ei­nen ge­mein­sa­men Kurs ein­zu­schwö­ren, Zer­falls­er­schei­nun­gen sind un­ver­kenn­bar. Der ge­sperr­te Ha­kan Cal­ha­nog­lu zwei­fel­te in ei­nem In­ter­view an, ob die Ent­las­sung von Ro­ger Schmidt rich­tig ge­we­sen ist. Ste­fan Kieß­ling ist of­fen­bar nicht da­von über­zeugt, dass die Be­reit­schaft in der Mann­schaft aus­reicht: „Wir ha­ben noch drei Spie­le Zeit, und ich bin ge­spannt, ob da je­der mit­zieht.“Völ­ler kün­digt für die Zeit nach dem Sai­son­en­de ei­ne „knall­har­te Ana­ly­se“an: „Da­nach muss man sich der Kri­tik stel­len, auch ich

selbst.“Nach ei­ner Nie­der­la­ge in In­gol­stadt könn­te das al­les schon an­ders aus­se­hen – ein Völ­ler als No­t­hel­fer für die dann letz­ten zwei Spie­le ist nicht die schlech­tes­te Op­ti­on.

Wie re­agiert der HSV auf das er­neu­te De­ba­kel?

Ty­pisch Ham­burg. Sie fühl­ten sich schon so gut wie ge­ret­tet und träum­ten von bes­se­ren Zei­ten. Jetzt tau­meln die Re­le­ga­ti­ons-Glücks­rit­ter des Ham­bur­ger SV mal wie­der auf den Ab­grund zu. Das 1:2 in Bre­men war an­ge­sichts des Wer­der-Hö­hen­flugs zu ver­schmer­zen, die Heim­nie­der­la­ge ge­gen Schluss­licht Darm­stadt dann als Aus­rut­scher schnell ab­ge­hakt. Doch das 0:4 in Augs­burg – der FCA fei­er­te den höchs­ten Bun­des­li­ga­sieg sei­ner Ge­schich­te – war nicht schön­zu­re­den. Das Sta­der Ta­ge­blatt ver­zich­te­te auf ei­ne Ein­zel­kri­tik, be­schei­nig­te nur Er­satz­tor­wart Tom Mi­ckel ei­ne or­dent­li­che Leis­tung und schrieb über des­sen Kol­le­gen:

„Wer so schlecht spielt, hat es nicht ein­mal ver­dient, an die­ser Stel­le mit Na­men in der Zei­tung ge­nannt zu wer­den.“Trai­ner Mar­kus Gis­dol ver­brei­te­te am Tag da­nach Zu­ver­sicht: „Ich weiß, dass un­se­re Mann­schaft gu­te Neh­mer­qua­li­tä­ten hat, um dann wie­der da zu sein, wenn es dar­auf an­kommt.“Sport­di­rek­tor Jens Todt küm­mert sich der­weil dar­um, ei­nen ge­eig­ne­ten Ort für ein Kurz­trai­nings­la­ger zu su­chen.

Wo nimmt Darm­stadt die­se Moral her?

Tors­ten Frings ist stolz – und er hat al­les Recht der Fuß­bal­lwelt da­zu. Sei­ne Darm­städ­ter fei­er­ten den drit­ten Sieg in Fol­ge, schos­sen beim 3:0 ge­gen den po­ten­zi­el­len Eu­ro­pa-Le­ague-Star­ter SC Frei­burg den höchs­ten Sieg her­aus – und spiel­ten wie­der gu­ten Fuß­ball. „Wir ha­ben jetzt wie­der ei­ne Wo­che vor uns, in der wir uns wie ein rich­ti­ger Bun­des­li­gist füh­len dür­fen“, sag­te Frings, der of­fen­bar nur ein paar Wo­chen zu spät ans Böl­len­fall­tor ge­kom­men ist – sonst hät­ten die „Li­li­en“heu­te ei­ne grö­ße­re Chan­ce auf den Klas­sen­er­halt. Denn bei al­ler „Jetz­terst-recht-Stim­mung“wis­sen sie auch, dass der Ab­stieg nicht ab­zu­wen­den ist. Da­zu müss­ten in den letz­ten drei Spie­len drei Sie­ge her, gleich­zei­tig müss­ten ent­we­der der HSV, Mainz 05 oder der VfL Wolfs­burg punkt­los blei­ben. Am nächs­ten Sams­tag geht es zu den Bay­ern. „Wir fah­ren mit brei­ter Brust nach Mün­chen, denn wir ha­ben Cha­rak­ter“, sagt Stür­mer Mar­cel Hel­ler. Sie spie­len um neue Ver­trä­ge, sie spie­len um die Zu­kunft ih­rer Mann­schaft und um die Per­spek­ti­ve des Ver­eins – das be­ein­druckt Fans und Spon­so­ren. „Es ist wich­tig, dass wir die­se Sai­son mit ei­nem sport­li­chen Aus­ru­fe­zei­chen be­en­den und man über­all sieht, wo­für Darm­stadt steht“, sagt Prä­si­dent Rü­di­ger Fritsch. Der Wirt­schafts­an­walt denkt da­bei an die Ge­sprä­che mit der Stadt Darm­stadt über den Bau ei­nes neu­en Sta­di­ons, das den An­for­de­run­gen der DFL ge­nügt.

Fo­to: Wit­ters

Die Angst ist zu­rück: Mer­gim Mav­raj und der HSV sind in aku­ter Ab­stiegs­not.

Moral in­takt: Tors­ten Frings und Darm­stadt 98 be­ein­dru­cken. Fo­to: Wit­ters

Fal­sche Scha­le, ech­ter Meis­ter: Die Bay­ern um Ar­turo Vi­dal und Tho­mas Mül­ler (MIt­te) fei­ern den fünf­ten Ti­tel in Fol­ge. Fo­to: Wit­ters

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