„Es war es wert, dar­auf zu war­ten“

Bot­tas fährt in sei­nem 81. For­mel-1-Ren­nen ers­ten Sieg ein – Vet­tel dis­tan­ziert Ha­mil­ton

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Le­sen Sie auf noz.de/sport

Valt­te­ri Bot­tas fei­ert in Russ­land den ers­ten Grand-Prix-Sieg sei­ner Kar­rie­re. Zwei Wo­chen nach­dem er Le­wis Ha­mil­ton zwei­mal vor­bei­las­sen muss­te, kam kei­ner an ihm vor­bei. Auch sei­nen welt­meis­ter­li­chen Vor­gän­ger beim deut­schen Mer­ce­des-Team freut’s.

Von Jens Marx

SOT­SCHI. An ei­nen An­ruf bei sei­nem Vor­gän­ger Ni­co Ros­berg dach­te Valt­te­ri Bot­tas nun gar nicht. Als Ers­tes woll­te der Fin­ne nach dem größ­ten Er­folg sei­ner For­mel-1-Kar­rie­re mit sei­ner Frau Emi­lia te­le­fo­nie­ren, ei­ner ehe­ma­li­gen Olym­pia­Schwim­me­rin. „Mal se­hen, wen ich da­nach an­ru­fe“, sag­te Bot­tas mit ei­nem Lä­cheln.

In sei­nem 81. For­mel-1Ren­nen fei­er­te der Fin­ne sei­nen ers­ten Grand-Prix-Sieg. „Das hat ja ei­ne Wei­le ge­dau­ert. Aber das war es wert zu war­ten“, mein­te er da­nach. Es war ein Sieg über den ei­ge­nen Team­kol­le­gen Le­wis Ha­mil­ton und den WM-Spit­zen­rei­ter Se­bas­ti­an Vet­tel im Fer­ra­ri, ein Sieg ge­gen zu­sam­men sie­ben WM-Ti­tel (Vet­tel 4/Ha­mil­ton 3) und 98 Renn­sie­ge (Vet­tel 44/Ha­mil­ton 54). „Ich wuss­te im­mer, dass ich gu­te Resultate er­zie­len kann, wenn al­les rich­tig läuft“, sag­te Bot­tas.

Es war auch ein Sieg ge­gen mög­li­che Zweif­ler. Bot­tas’ An­fang als ins­ge­samt elf­ter Pi­lot in der ruhm­rei­chen His­to­rie der Sil­ber­pfei­le war nicht ganz ein­fach. In Chi­na leis­te­te sich Bot­tas im zwei­ten Ren­nen in ei­ner Sa­fe­ty­Car-Pha­se ei­nen pein­li­chen Dre­her, nur Rang sechs. In Bah­rain vor zwei Wo­chen kämpf­te Bot­tas nach der ers­ten Po­le sei­ner Kar­rie­re mit dem Wa­gen und kam wie beim Auf­takt letzt­lich auf Mit­ten ins Ge­sicht: Platz drei. Zwei­mal muss­te er da­bei auf Team-Ge­heiß so­gar Kol­le­ge Ha­mil­ton vor­bei­las­sen.

In Russ­land zeig­te Bot­tas, was er kann. Er ist der fünf­te fin­ni­sche For­mel-1-Ge­win­ner nach Ki­mi Räik­kö­nen, Mi­ka Häk­ki­nen, Heik­ki Ko­va­lai­nen und Ke­ke Ros­berg und der 107. Grand-Prix-Ge­win­ner in der Ge­schich­te der Mo­tor­sport-Kö­nigs­klas­se. 21 Jah­re nach­dem Bot­tas die ers­ten Run­den mit Go­karts ab­sol­viert hat­te, wirk­te der Mann aus Nas­to­la selbst auf dem Po­dest aber noch im­mer ein biss­chen, als kön­ne er nach ge­ta­ner For­mel-1-Ar­beit den Er­folg nicht ganz fas­sen.

„Es ist ein biss­chen sur­re­al“, mein­te Bot­tas und räum­te ein, dass er ei­gent­lich gar nicht so emo­tio­nal sei. Al­ler­dings hiel­ten sich die öf­fent­li­chen Freu­den­aus­brü­che in nach­ge­sagt ty­pisch fin­ni­schen Gren­zen. Ein zu­frie­de­nes Lä­cheln hier, ei­ne herz­li­che Umar­mung mit Mer­ce­des-Team­auf­se­her Ni­ki Lau­da da. „Er ist die cools­te So­cke auf dem Grid“, sag­te Lau­da. Vor al­lem, weil Bot­tas dem Druck des her­an­ja­gen­den Vet­tel im Fer­ra­ri stand­hielt.

Na­he­zu Räik­kö­nen’ sche Aus­ma­ße nahm da­bei die An­sa­ge per Funk an sein Team an. Bot­tas woll­te auf der Fahrt zu sei­nem zwölf­ten und bis­her wich­tigs­ten Po­di­ums­platz seit sei­nem For­mel-1-Ein­stieg 2013 in den Schluss­run­den nicht ge­stört wer­den, die vol­le Kon­zen­tra­ti­on auf per­fek­te Run­den le­gen. „Ich ha­be mein Team um et­was mehr Ru­he ge­be­ten“, sag­te Bot­tas, der erst Mit­te Ja­nu­ar von Wil­li­ams zu Mer­ce­des ge­kom­men war und das wohl be­gehr­tes­te Cock­pit in der For­mel 1 über­nom­men hat­te.

Den Glück­wunsch an sei­nen Nach­fol­ger ließ sich dann auch Ros­berg nicht neh­men, nicht per Te­le­fon, son­dern per Twit­ter. „Du hast es wirk­lich ver­dient!“, schrieb Ros­berg.

Und auch Vet­tel gra­tu­lier­te fair. Der Zweit­plat­zier­te hat­te am En­de al­les an­de­re als schlech­te Lau­ne, ob­wohl ihn Fe­li­pe Mas­sa beim Über­run­den wert­vol­le Se­kun­den kos­te­te. „Im ers­ten Mo­ment beißt man sich in den Hin­tern. Un­term Strich kön­nen wir aber am bes­ten ein­schät­zen, wie man am Lenk­rad dre­hen muss, und er hat das su­per ge­macht. Er ist ganz klar der Mann des Ren­nens, auch wenn es ei­nem selbst stinkt“, sag­te der WM-Spit­zen­rei­ter.

Vet­tel konn­te sei­nen zwei­ten Platz in die­ser Sai­son vor al­lem auch aus ei­nem Grund gut ver­kraf­ten: WM-Ver­fol­ger Le­wis Ha­mil­ton kam nicht über Platz vier hin­aus. Noch zwi­schen die bei­den Ti­tel­ri­va­len schob sich Vet­tels Fer­ra­riKol­le­ge Ki­mi Räik­kö­nen.

Mehr zur For­mel 1

Valt­te­ri Bot­tas fei­er­te sei­nen ers­ten For­mel-1-Sieg aus­gie­big. Auf dem Po­dest be­kam er ei­ne or­dent­li­che Cham­pa­gner-Du­sche von Se­bas­ti­an Vet­tel. Fo­tos: ima­go (Mar­ca/HochZwei)/AFP/Wit­ters

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