Gäh­nen­de Lee­re am Mor­gen da­nach

Müll und mü­de Gestal­ten: Vom Nacht­floh­markt ist am Sonn­tag nicht mehr viel üb­rig

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Of­fi­zi­ell en­det der Nacht­floh­markt am Sonn­tag um 12 Uhr. Doch die­ses Jahr herrsch­te be­reits am frü­hen Mor­gen gäh­nen­de Lee­re auf den Stra­ßen und Plät­zen. Of­fen­bar en­de­ten die Ge­schäf­te be­reits um 2 Uhr nachts. Ei­ne Nach­le­se.

Von Ull­rich Schell­haas

OS­NA­BRÜCK. Tief hängt die Son­ne um 6.30 Uhr über den Häu­sern im Os­ten der Os­na­brü­cker Ci­ty. Es ver­spricht ein schö­ner Tag zu wer­den, auch in der in­ner­städ­ti­schen Ein­kaufs­mei­le. Ide­al ei­gent­lich für ei­nen Bum­mel über den Floh­markt. Nur: Wo ist der Markt ge­blie­ben, der ei­gent­lich bis 12 Uhr mit­tags ge­hen soll?

Am Thea­ter, am obe­ren En­de der Gro­ßen Stra­ße, am Ni­ko­lai­ort und in der Red­lin­ger­stra­ße: gäh­nen­de Lee­re. Am Kamp und an der Ins­ter­bur­ger Rei­he schaut es nicht an­ders aus. Wo noch am Nach­mit­tag zu­vor teils schon St­un­den vor dem of­fi­zi­el­len Floh­markt­be­ginn gu­te Ge­schäf­te ge­macht und Kis­ten oft von drauf­gän­ge­ri­schen Schnäpp­chen­jä­gern durch­wühlt wur­den, be­vor die Be­schi­cker sie aus­pa­cken konn­ten, kün­den al­len­falls die meist sehr or­dent­lich um die Big Bel­lys sor­tier­ten Müll­ber­ge da­von, was hier letz­te Nacht ge­sche­hen ist.

„Bis cir­ca zwei Uhr“, schätzt ein Gas­tro­no­mie-Be­diens­te­ter, Sie har­ren aus: Eli­sa­beth und Jür­gen (rechts un­ter dem Schlaf­sack) Rei­chel ha­ben wie sonst kaum je­mand die gan­ze Nacht bei Tem­pe­ra­tu­ren um den Ge­frier­punkt aus­ge­hal­ten.

der sei­ne Lo­ka­li­tät ge­ra­de schließt, „sind die Floh­markt­ge­schäf­te ge­gan­gen. Dann war Schluss.“100 Me­ter wei­ter kann dies die An­ge­stell­te ei­ner in­ner­städ­ti­schen Bä­cke­rei­ket­ten-Fi­lia­le be­stä­ti­gen: „Wir ha­ben zwar we­gen des Floh­markts die gan­ze Nacht of­fen ge­habt“, sagt sie, „aber als ich um 6 Uhr kam, war hier schon nichts mehr.“Ob­wohl ja nichts auch ein we­nig über­trie­ben ist, denn ei­ner­seits sind da die Müll­ber­ge und an­de­rer­seits auch ein paar ganz frü­he Be­su­cher, die eben­die­se nach brauch­ba­ren Über­bleib­seln durch­wüh­len.

Auch die ei­ne oder an­de­re En­te stö­bert im Dreck nach Fut­ter.

Dick in ei­nen Schlaf­sack ein­ge­packt, sitzt schließ­lich Eli­sa­beth Rei­chel hin­ter ih­rem Stand vor der Ge­schäfts­stel­le der Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung. Kalt sei die Nacht ge­we­sen, schil­dert die Os­na­brü­cke­rin, die si­cher, so schätzt sie, schon ein hal­bes Dut­zend Mal auf dem Floh­markt war. Die­se Ein­schät­zung be­stä­tigt der Schlaf­sack ne­ben ihr, un­ter dem sich ihr Mann Jür­gen ein­ge­mum­melt hat, brum­melnd. „Aber bis zwei Uhr wa­ren die Ge­schäf­te gut“, so Eli­sa­beth Rei­chel.

Das Ehe­paar war, so schil­dern sie, et­wa ge­gen 17 Uhr in der Gro­ßen Stra­ße und durf­te nach Rück­spra­che mit der Ge­schäfts­stel­le auch schon et­was eher auf­bau­en. Ei­nen Stand­platz zu fin­den sei da noch gut mög­lich ge­we­sen, meint Eli­sa­beth Rei­chel, auch wenn sie sich über ein­zel­ne Leu­te mo­kiert, die deut­lich grö­ße­re Schau­fens­ter­flä­chen re­ser­viert ge­hal­ten ha­ben. Und bis 2 Uhr mor­gens sei­en die Ge­schäf­te auch gut ge­lau­fen, er­klärt sie, aber­mals von ei­nem Brum­meln des Man­nes un­ter dem Schlaf­sack be­stä­tigt.

Ob man auch zu­künf­tig die

gan­ze Nacht in der Fuß­gän­ger­zo­ne sit­zen wol­le, wis­sen die Rei­chels aber noch nicht. „Wir ha­ben ja kein Au­to, und ein Nach­bar hat uns ex­tra hier­hin­ge­bracht“, sagt Eli­sa­beth Rei­chel. Den wol­le man aber nun nicht un­be­dingt mit­ten in der Nacht für ei­ne Rück­fahrt ein­be­stel­len, so­dass ih­re per­sön­li­che Zu­kunft für den Nacht­floh­markt eher düs­ter aus­sieht – auch bei strah­len­dem Son­nen­schein.

Zu­nächst hoff­ten die bei­den zu frü­her St­un­de aber doch noch auf den ei­nen oder an­de­ren sonn­tag­mor­gend­li­chen Be­su­cher.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.