Im­mer mehr Sy­rer als Flücht­lin­ge an­er­kannt

Bun­des­amt er­lei­det vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Os­na­brück ei­ne Nie­der­la­ge nach der an­de­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Os­na­brück ge­steht im­mer mehr Sy­rern die Flücht­lings­ei­gen­schaft nach der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on (GFK) zu – ent­ge­gen der Ent­schei­dung des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf). Die­ses er­lei­det ei­ne Schlap­pe nach der an­de­ren.

Von Jörg San­ders

„Seit De­zem­ber 2016 hat die 7. Kam­mer 150 Ur­tei­le ge­fällt, in de­nen sy­ri­schen Klä­gern die Flücht­lings­ei­gen­schaft zu­er­kannt wor­den ist“, sagt Ju­lia Schra­der, Spre­che­rin des Ver­wal­tungs­ge­richts Os­na­brück, auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. Das Ge­richt ist zu­stän­dig für die Land­krei­se Ems­land, Graf­schaft Bent­heim, Os­na­brück so­wie die Stadt Os­na­brück.

Im De­zem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res er­kann­te das Os­na­brü­cker Ge­richt erst­mals fünf Sy­rern die Flücht­lings­ei­gen­schaft zu. Vier Ur­tei­le ak­zep­tier­te das Bamf aus un­be­kann­ten Grün­den. In ei­nem Fall stell­te es am Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt (OVG) in Lü­ne­burg ei­nen An­trag auf Zu­las­sung der Be­ru­fung – den die­ses ab­lehn­te. Da­mit wa­ren al­le fünf Ur­tei­le aus Os­na­brück rechts­kräf­tig. Das Ge­richt hat­te da­mals an­ge­kün­digt, Sy­rer wei­ter­hin als Flücht­lin­ge nach der GFK an­zu­er­ken­nen, was Kriegs­flücht­lin­gen Vor­tei­le bringt.

Bei den seit­her 150 Ur­tei­len zu­guns­ten der Sy­rer ist dem Ver­wal­tungs­ge­richt

nicht be­kannt, wie vie­le das Bamf ak­zep­tier­te. Ei­ne ent­spre­chen­de Sta­tis­tik führt das Ge­richt nicht. Al­ler­dings war das „Bamf in kei­nem Ver­fah­ren, das zum Nie­der­säch­si­schen

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ging, bis­her er­folg­reich“, sagt Schra­der. Denn bei der Mehr­zahl der Fäl­le ha­be das Os­na­brü­cker Ge­richt „meh­re­re tra­gen­de Ent­schei­dungs­grün­de“

47 Ver­fah­ren des Bamf ge­gen Ur­tei­le aus Os­na­brück sind beim OVG noch an­hän­gig. Und: Über die rei­ne

an­ge­führt.

Rück­keh­rer­ge­fähr­dung ha­be das OVG aber noch nicht ent­schie­den, sagt Schra­der. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Os­na­brück sieht sy­ri­sche Flücht­lin­ge bei ih­rer Rück­kehr ge­fähr­det. Da sie il­le­gal aus ih­rer Hei­mat ge­reist sei­en und in Deutsch­land Asyl be­an­tragt hät­ten, sei es wahr­schein­lich, dass das sy­ri­sche Re­gime sie als Op­po­si­tio­nel­le be­trach­te. Das kön­ne Fol­ter oder gar das spur­lo­se Ver­schwin­den nach sich zie­hen, ar­gu­men­tiert das Ge­richt.

Im lau­fen­den Jahr sei­en bis­lang 112 Kla­gen sy­ri­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger ein­ge­gan­gen, be­rich­tet Schra­der wei­ter. „In der 7. Kam­mer gibt es trotz der vie­len schon ge­trof­fe­nen Ent­schei­dun­gen noch ei­nen Be­stand von 546 Kla­gen“, er­gänzt die Rich­te­rin. Die im Ok­to­ber 2016 neu ge­schaf­fe­ne 7. Kam­mer be­fasst sich pri­mär mit Asyl­ver­fah­ren von Sy­rern.

Ins­ge­samt, al­le Her­kunfts­län­der ein­be­zo­gen, ha­be das Ge­richt in die­sem Jahr bis zum ver­gan­ge­nen Don­ners­tag 1265 Kla­gen und Eil­ver­fah­ren re­gis­triert, be­rich­tet Schra­der wei­ter. 872 ar­bei­te­te es be­reits ab. 1730 Kla­gen und Eil­ver­fah­ren sind noch an­hän­gig. Ne­ben Sy­rern wen­den sich ins­be­son­de­re af­gha­ni­sche (390 Kla­gen und Eil­ver­fah­ren) und ira­ki­sche Staats­bür­ger (knapp 100) an das Ge­richt.

Mit 2650 Asyl­ver­fah­ren – da­von 1648 ab­ge­ar­bei­tet – war die Zahl der Kla­gen und einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren im ver­gan­ge­nen Jahr am Ver­wal­tungs­ge­richt Os­na­brück förm­lich ex­plo­diert. 1332 Ver­fah­ren wa­ren am Jah­res­en­de noch of­fen. In 2015 hat­te das Ge­richt ins­ge­samt 1067 neue Asyl­ver­fah­ren re­gis­triert. Eil­ver­fah­ren sind nö­tig, wenn die Ab­schie­bung un­mit­tel­bar droht; denn ei­ne Kla­ge hat kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt in Os­na­brück ge­steht im­mer mehr Sy­rern die Flücht­lings­ei­gen­schaft zu – ent­ge­gen der Ent­schei­dung des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge. Fo­to: Da­vid Ebe­ner

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