Ho­hes Ni­veau bis zum letz­ten Ton

Fes­ti­val Clas­sic con brio klingt mit lei­den­schaft­li­cher Kam­mer­mu­sik des 19. Jahr­hun­derts aus

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Von Jan Kamp­mei­er

Star­ker Be­ginn, Oh­ren ge­spitzt! Von ir­gend­wo tö­nen ei­gen­ar­ti­ge Klän­ge, es röhrt und pfeift über lan­gen Strei­ch­er­klän­gen. Das O/Mo­dernt Streich­quar­tetts kom­bi­niert Fu­gen von Bach mit Ober­ton­ge­sang. Beet­ho­vens „Gro­ße Fu­ge“spie­len sie mit Über­druck und ir­rem Fu­ror. Ei­ne Mu­si­zi­er­hal­tung, die prä­gend für die meis­ten Künst­ler war, und so ist die Bi­lanz von Clas­sic con brio 2017 mit 15 hoch­klas­si­gen Kon­zer­ten in zehn Ta­gen mehr als be­ein­dru­ckend.

Das Fes­ti­val kann sich glück­lich schät­zen, seit ei­ni­gen Jah­ren über ein En­sem­ble wie das Ar­mi­da Quar­tett zu ver­fü­gen, des­sen Auf­tritt die­ses Jahr zu den Hö­he­punk­ten im klas­si­schen Kon­zert­le­ben der Re­gi­on über­haupt zähl­te. Den­noch ist dies nicht die ei­gent­li­che Stär­ke der Rei­he, denn ex­zel­len­te En­sem­bles kön­nen auch für ein­zel­ne Kon­zer­te au­ßer­halb ei­nes Fes­ti­vals an­rei­sen. Der Auf­ent­halt her­vor­ra­gen­der Mu­si­ker in Os­na­brück aber er­mög­licht Pro­gram­me, die sonst schwer zu rea­li­sie­ren wä­ren. Zum Bei­spiel der enor­me Ab­wechs­lungs­reich­tum fast al­ler Kon­zer­te. Nur an zwei Kon­zer­ten wa­ren we­ni­ger als sechs Mu­si­ker be­tei­ligt, acht­mal wa­ren es so­gar zehn oder mehr, da kann man mit Be­set­zun­gen spie­len und im­mer neue Kom­bi­na­tio­nen aus­pro­bie­ren.

Die Pia­nis­tin­nen Ju­lia Okruash­vili und Ni­no Gve­tad­ze hat­ten sich erst hier in Os­na­brück ken­nen­ge­lernt, ein ge­mein­sa­mer Auf­tritt war nicht vor­ge­se­hen. Nun hat­ten die bei­den am Frei­tag spon­tan Lust auf ei­nen Mo­zart für zwei Flü­gel. Gu­te Idee: auf geht’ s! Auch gro­ße En­sem­bles wer­den erst so mög­lich, et­wa ein Sep­tett von Beet­ho­ven mit Blas- und Streich­in­stru­men­ten oder das be­ein­dru­cken­de Streichok­tett von Ge­or­ge Enescu, das zu den Hö­he­punk­ten des letz­ten Wo­che­n­en­des zähl­te. Ein aus­ge­spro­chen span­nungs­rei­ches und un­ru­hig be­weg­tes Stück, dem die Ener­gie die­ser Fes­ti­val-Trup­pe sehr zu­gu­te­kam: knapp 40 Mi­nu­ten Höchst­span­nung. Na­tür­lich kön­nen auch sel­te­ne Be­set­zun­gen zu­sam­men­ge­stellt wer­den. Ein Bei­spiel da­für wä­re Hen­ri Du­til­leux’ „Ci­ta­ti­ons“, das am Frei­tag über wei­te Stre­cken ein me­di­ta­ti­ves Spiel mit Klang­far­ben bot.

Clas­sic con brio prä­sen­tiert zwar kei­ne welt­be­rühm­ten Stars, aber den­noch bril­lan­te Mu­si­ker. Von ih­rer ly­ri­schen und poe­ti­schen Sei­te zeig­ten sich ei­ni­ge am Sams­tag. So er­öff­ne­ten Ni­no Gve­tad­ze und Al­f­re­do Perl duf­tig mit leich­tem An­schlag als Kla­vier­duo in Ra­vels „Ma mè­re l‘ oye“. Ei­nen an­de­ren Schwer­punkt setz­te Ser­gey „Pa­ga­ni­ni“Mal­ov, der in die­sem Fes­ti­val ei­ni­ge der vir­tuo­ses­ten Din­ge mit­ge­bracht hat, die es für die Gei­ge so gibt. Sei­ner Bra­vour in Ra­vels „Tzi­ga­ne“hält beim Kon­zert am Sams­tag Ju­lia Okruash­vili am Flü­gel sou­ve­rän stand, am Sonn­tag spielt er dann ganz al­lein mit kräf­ti­gem Ton ei­ne der Vio­lin­so­na­ten Eu­gè­ne Ysayes.

Der Clas­sic-con-brio-Kern­be­stand ist groß di­men­sio­nier­te, lei­den­schaft­li­che Kam­mer­mu­sik des 19. Jahr­hun­derts, die man klang­lich so rich­tig schön blü­hen las­sen kann. Zum Bei­spiel Ga­b­ri­el Fau­rés Kla­vier­quar­tett g-Moll, das als letz­tes Werk am Sonn­tag er­klingt. Als Ur­ge­stei­ne des Fes­ti­vals mu­si­zie­ren noch ein­mal Al­f­re­do Perl und Vla­di­mir Men­dels­sohn, hier ge­mein­sam mit Ser­gey Mal­ov und Ju­li­an Arp. Dass die­se vier be­herzt zu­pa­cken, mit gro­ßer Ges­te im Klang schwel­gen und doch nicht ver­ges­sen, in vie­len So­li die Li­ni­en leuch­ten zu las­sen, konn­te man sich am En­de des Fes­ti­vals wohl den­ken.

sein groß­ar­ti­ges Ni­veau.

Bis zum letz­ten Kon­zert am Sonn­tag hielt Clas­sic con brio Fo­to: Tho­mas Os­ter­feld

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