Andre­as Ga­ba­lier wärmt die Her­zen

Volks-Rock-’n’-Rol­ler sorgt bei 4000 Zu­schau­ern für Gän­se­haut

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Horses & Dreams -

Was für ein Auf­tritt: Andre­as Ga­ba­lier hat Ha­gen am Frei­tag­abend ein gro­ßes Kon­zert­er­eig­nis be­schert. Ein­ein­halb St­un­den lang brach­te der Ös­ter­rei­cher 4000 Zu­schau­er auf dem Hof Kas­sel­mann zum Tan­zen – ein un­ver­gess­li­cher Abend nicht nur für die Zu­schau­er, son­dern auch für Ga­ba­lier selbst, wenn man sei­nem Schmäh glau­ben darf.

Drei Grad im spä­ten April – es war ein „kna­ckig fri­scher Früh­lings­tag“, wie Ga­ba­lier es for­mu­lier­te. Was da­ge­gen hilft? „Vier­zig Grad am Dance­floor“, wes­halb der Hit „Hu­la­pa­lu“mit eben die­ser Zei­le die pas­sen­de Num­mer zum Auf­takt war. Mit dem Ohr­wurm-Re­frain „Ho­di odi ohh di eh“hat­ten sich die Un­ge­dul­di­gen schon im Vor­pro­gramm wäh­rend der Auf­trit­te von Marc Pir­cher und Die 3 warm ge­sun­gen.

Volks-Rock-’ n’ -Roll nennt der Mann aus der Stei­er­mark, was er macht; in Le­der­ho­se und mit Schmalz­tol­le steht er auf der Büh­ne, sei­ne Band wech­selt mü­he­los zwi­schen Rock, Schla­ger, Ro­cka­bil­ly und Bal­la­den. Die Mi­schung aus bo­den­stän­dig und wild funk­tio­niert: Wenn Ga­ba­lier die Hüf­ten krei­sen lässt, krei­schen die Frau­en, wenn die Gi­tar­re jault, ro­cken die Män­ner mit.

Die Num­mer, die dem 33Jäh­ri­gen in Deutsch­land „sämt­li­che Tü­ren ge­öff­net hat“, wie er er­zählt, ist „I sing a Li­ad für di“. 2011 war das, und noch im­mer ge­hört der Gas­sen­hau­er fest zum Re­per­toire, meist so­gar zwei­mal. So auch in Ha­gen, wo der be­sag­te Ohr­wurm „Hu­la­pa­lu“eben­falls nicht nur zu Be­ginn, son­dern noch ein­mal

im Schluss­teil des Pro­gramms zu hö­ren ist. Es stört kei­nen, im Ge­gen­teil.

Vi­el­leicht lässt sich dar­an fest­ma­chen, was den Künst­ler Andre­as Ga­ba­lier aus­macht: Bei ihm wirkt es nicht an­bie­dernd, die Hits mehr­mals zu spie­len, son­dern sou­ve­rän. Er weiß, was er sei­nem Pu­bli­kum zu ver­dan­ken hat. Die Fans wie­der­um dan­ken es mit Ju­bel, Mit­sin­gen und Klat­schen. Nur mit der Text­si­cher­heit ha­pert es et­was in Nord­deutsch­land – al­ler­dings auch beim Sän­ger selbst. Sei­ne char­man­te Er­klä­rung: Das lie­ge an die­sem „in­ti­men Mo­ment“; das Kon­zert in Ha­gen fal­le zwi­schen Un­plug­ged-Kon­zer­ten und Sta­di­on-Auf­trit­ten ganz aus der Rei­he.

Die­ser Charme, auch das ist ein Er­folgs­ge­heim­nis Ga­ba­liers.

Da­mit kriegt er sie al­le, die Jun­gen und die Al­ten, die Män­ner und die Frau­en. Und spä­tes­tens wenn er sei­ne gro­ße Bal­la­de „Amoi seg ma uns wie­der“singt, liegt ihm auch in Ha­gen das Pu­bli­kum zu Fü­ßen. Man kann das Lied für gro­ßen Kitsch hal­ten, kalt aber lässt es kei­nen. Schon gar nicht, wenn Ga­ba­lier die Ge­schich­te da­hin­ter er­zählt, dass er es sei­nem Va­ter und sei­ner Schwes­ter ge­wid­met hat, die bei­de im Ab­stand von zwei Jah­ren Sui­zid be­gin­gen. In Ha­gen setzt er da­mit den Schluss­punkt, steht al­lei­ne mit akus­ti­scher Gi­tar­re auf der Büh­ne. Wenn 4000 Men­schen erst an­däch­tig und still zu­hö­ren und dann Zei­le für Zei­le selbst sin­gen, im bläu­li­chen Schein der Smart­pho­ne-Dis­plays, dann ist das ein gro­ßer Kon­zert­mo­ment.

Bo­den­stän­dig und wild, mit die­ser Mi­schung be­geis­ter­te Andre­as Ga­ba­lier auch in Ha­gen sei­ne Fans. Fo­to: Micha­el Grün­del

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