Der „ganz nor­ma­le Wahn­sinn“am 1. Mai

Aus­ge­las­se­ne Stim­mung und Bol­ler­wa­gen-Wett­rüs­ten in und um Os­na­brück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region - und Hin­ter­grün­de auf noz.de/os

Zum 1. Mai ge­hört für vie­le ei­ne Wan­de­rung mit dem Bol­ler­wa­gen ein­fach da­zu. Vie­le Mai­wan­de­rer zieht es am Fei­er­tag vor al­lem zum Rub­ben­bruch­see nach Os­na­brück, ins Net­te­tal, ins Rö­mer­la­ger nach Bad La­er und an den Char­lot­ten­see nach Bad Iburg. Die Po­li­zei sprach von ei­nem wei­test­ge­hend ru­hi­gen Tag.

Von Ro­bert Schä­fer und Chris­toph Bey­er

OS­NA­BRÜCK/BAD LA­ER/ BAD IBURG. Bei Ju­gend­li­chen aus Os­na­brück ist das Net­te­tal be­son­ders be­liebt. Dort hat sich ein rich­ti­ger Wett­be­werb um den aus­ge­fal­lens­ten Bol­ler­wa­gen ent­wi­ckelt. Und da­bei ist Bol­ler­wa­gen schon nicht mehr das rich­ti­ge Wort.

Die Ju­gend Has­te hat zwei­fels­frei den auf­wen­digs­ten Wa­gen. Ge­schätz­te 800 Ki­lo­gramm wiegt das Ge­fährt, des­sen Ge­stell vor sechs Jah­ren bei Kar­mann ge­schweißt wur­de. Seit­dem baut das Team je­des Jahr et­was wei­ter. Mitt­ler­wei­le ver­sorgt der Ge­ne­ra­tor im In­nern nicht nur die Bier­zapf­an­la­ge und den Flat­ter­mann mit Ener­gie, son­dern auch zwei 4000Watt-End­stu­fen. Da­mit ist der Bol­ler­wa­gen laut wie ein Mu­sik­fes­ti­val.

Et­was lei­ser ist das „Jagd­ge­fährt“, an dem ei­ne an­de­re Grup­pe seit drei Jah­ren baut. Sie set­zen lie­ber auf „Klas­se statt Mas­se“. Da ihr Bol­ler­wa­gen mitt­ler­wei­le auf über 400 Ki­lo­gramm an­ge­wach­sen ist, braucht es die Kraft von sechs Jungs, um das Ge­fährt den Berg hoch­zu­zie­hen.

Der Rub­ben­bruch­see in Os­na­brück ist am 1. Mai Treff­punkt der Ge­ne­ra­tio­nen. Vie­le Ju­gend­li­che sind dort eben­so un­ter­wegs wie Fa­mi­li­en. Rich­tig wild geht es nur auf der gro­ßen Wie­se in der Nä­he des Spiel­plat­zes zu.

Gun­nar und sei­ne Grup­pe, dar­un­ter Gäs­te aus Spa­ni­en woll­ten hin­ge­gen mit dem Fahr­rad vom Rub­ben­bruch­see über die Sloopstei­ne nach Bram­sche und am Ka­nal zu­rück nach Os­na­brück.

Die Kehr­sei­te der fröh­li­chen Mai­tou­ren: Vie­le ka­put­te Bier- und Schnaps­fla­schen so­wie Müll al­ler Art in den Bü­schen und auf den We­gen.

Die vor­läu­fi­ge Bi­lanz der Po­li­zei zum Mai­fei­er­tag: Im Net­te­tal wa­ren rund 500 jun­ge Men­schen un­ter­wegs, hier wur­den Schlä­ge­rei­en, Zün­den von Py­ro­tech­nik und ein­zel­ne Kör­per­ver­let­zun­gen ge­mel­det. Am Rub­ben­bruch­see tra­fen sich 500 bis 600 Men­schen, die un­ter an­de­rem we­gen Schlä­ge­rei­en die Po­li­zei auf den Plan rie­fen.

Vor al­lem der Müll är­ger­te den Ein­satz­lei­ter der Po­li­zei in Ber­sen­brück, wo ges­tern bis zu 1200 Mai­gän­ger zwi­schen An­kum und Ket­ten­kamp un­ter­wegs wa­ren. Hu­bert Kort­land kri­ti­sier­te laut Polizeibericht das rück­sichts­lo­se Ver­hal­ten der Men­schen.

Am Ka­nal in Bram­sche wa­ren den An­ga­ben der Be­am­ten zu­fol­ge rund 250 Per­so­nen un­ter­wegs. In Mel­le muss­te die Po­li­zei am We­ber­haus zwei Mai­gän­ger we­gen Wi­der­stan­des und Trun­ken­heit fest­neh­men.

In Bad La­er war das Ziel vie­ler Grup­pen das Rö­mer­la­ger. Die Po­li­zei schätz­te die Zahl am Mon­tag­abend auf et­wa 1000. Ge­gen zwölf Uhr sei­en die ers­ten Grup­pen am Rö­mer­la­ger ein­ge­trof­fen, be­rich­te­te Ste­fan Pelz, Fach­be­reichs­lei­ter in der Bad Lae­rer Ge­mein­de­ver­wal­tung. Der Ort des Ge­sche­hens war dies­mal groß­flä­chig für den Au­to­ver­kehr ge­sperrt, un­ter an­de­rem um Mu­sik­wa­gen zu stop­pen, die im ver­gan­ge­nen Jahr für Auf­se­hen sorg­ten. „Da gä­be es al­lein schon we­gen

der Zu­we­gun­gen und der Si­cher­heits­as­pek­te Pro­ble­me“, sag­te Pelz.

Aus al­len Him­mels­rich­tun­gen zo­gen fei­er­freu­di­ge Trupps in Rich­tung Rö­mer­la­ger. Zum Sound der mit ei­ner Au­to­bat­te­rie be­trie­be­nen Mu­sik­an­la­ge ließ es sich et­wa der Fa­xe Foot­ball Club (FFC), ei­ne 14-köp­fi­ge Cli­que aus Bad Iburg, gut ge­hen. Der ei­gens an den vo­lu­mi­nö­sen Wa­gen mon­tier­te Grill si­cher­te das Mit­tag­es­sen. „Man braucht ja schließ­lich ei­ne gu­te Grund­la­ge“, kom­men­tier­ten Lou­is (16) und Ni­k­las (18).

Deut­lich ru­hi­ger ging es am Bad Ibur­ger Char­lot­ten­see

zu. Ei­ni­ge Hun­dert Mai­gän­ger, die Po­li­zei sprach am Mon­tag­abend von et­wa 500 Per­so­nen, hat­ten es sich auf den Wie­sen be­quem ge­macht und ge­nos­sen die Mu­sik und das Pan­ora­ma. Die zahl­rei­chen Spa­zier­gän­ger schie­nen sich am bun­ten Trei­ben nicht zu stö­ren.

Ab­ge­se­hen von den ge­nann­ten Vor­komm­nis­sen, sprach die Po­li­zei in ih­rer vor­läu­fi­gen Bi­lanz zum 1. Mai ges­tern Abend vom für die­sen Tag „ganz nor­ma­len Wahn­sinn“.

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Has­ter Ju­gend ist ein Hin­gu­cker.

Zapf­an­la­ge, zwei­mal 4000 Watt Mu­sik­leis­tung und ein Flat­ter­mann: Der Bol­ler­wa­gen der Fo­to: Ro­bert Schä­fer

In Bad Iburg am Char­lot­ten­see fei­er­te die­se Grup­pe den 1. Mai mit Bol­ler­wa­gen. Fo­to: Chris­toph Bey­er

Die­se Cli­que zog in Rich­tung Rö­mer­la­ger in Bad La­er und hat­te je­de Men­ge Spaß. Fo­to Chris­toph Bey­er

Am Rub­ben­bruch­see tra­fen sich die Ju­gend­li­chen auf der Wie­se ne­ben dem Spiel­platz. Fo­to: Ro­bert Schä­fer

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