Streit über Ta­blets für Prü­fun­gen

Land sieht Schu­len in Vor­rei­ter­rol­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Nie­der­sach­sen treibt die Di­gi­ta­li­sie­rung in Klas­sen­zim­mern vor­an. Jetzt sol­len Smart­pho­nes und Ta­blet-Com­pu­ter auch bei Prü­fun­gen als Hilfs­mit­tel ver­wen­det wer­den dür­fen. „Ein Mar­ke­ting­gag“, ur­teilt der Deut­sche Phi­lo­lo­gen­ver­band über die Plä­ne der Kul­tus­mi­nis­te­rin.

Von Lo­re­na Dreu­si­cke und Bea­te Ten­fel­de

Zu­neh­mend kom­men Smart­pho­nes und Ta­blet-Com­pu­ter im Un­ter­richt zum Ein­satz. An vie­len Schu­len wer­den die Ge­rä­te schon im All­tag viel­fach ge­nutzt. Künf­tig sol­len auch in Prü­fun­gen die nütz­li­chen Hel­fer ver­wen­det wer­den dür­fen und den Ta­schen­rech­ner, die For­mel­samm­lung oder das Wör­ter­buch er­set­zen.

Da­zu hat die nie­der­säch­si­sche Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) am Di­ens­tag ei­nen Er­las­sent­wurf an­ge­kün­digt. Er de­fi­niert die Re­geln, nach de­nen Schü­ler an wei­ter­füh­ren­den Schu­len mo­bi­le End­ge­rä­te auch bei Prü­fun­gen be­nut­zen dür­fen.

Al­ler­dings gilt dies nur für Schü­ler, die auch im Un­ter­richt mit Smart­pho­nes und Ta­blets ar­bei­ten. Zu­dem müs­sen die Ap­pa­ra­te tech­ni­sche An­for­de­run­gen er­fül­len. Ein Prü­fungs­mo­dus soll die Be­di­en­mög­lich­kei­ten so ein­schrän­ken, dass et­wa Schum­meln per In­ter­net­re­cher­che nicht mög­lich ist.

Mit dem Er­lass ist Nie­der­sach­sen laut Hei­li­gen­stadt das ers­te Bun­des­land, das den Ein­satz di­gi­ta­ler Hilfs­mit­tel bei Prü­fun­gen re­gelt. „Wir be­stä­ti­gen da­mit er­neut un­se­re Vor­rei­ter­rol­le bei der Di­gi­ta­li­sie­rung“, be­ton­te die Mi­nis­te­rin. Die Re­ge­lung soll laut Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ab dem kom­men­den Schul­jahr grei­fen.

„Das ist kei­ne Re­vo­lu­ti­on, son­dern ein Mar­ke­ting­gag der Mi­nis­te­rin. In der Sa­che ist dar­an über­haupt nichts in­no­va­tiv und neu“, sag­te der Vor­sit­zen­de des Phi­lo­lo­gen­ver­ban­des, Heinz-Pe­ter Mei­din­ger, un­se­rer Re­dak­ti­on. Von ei­ner „Vor­rei­ter­rol­le“Nie­der­sach­sens kön­ne kei­ne Re­de sein. Das Ge­gen­teil sei der Fall. Schon jetzt dürf­ten Schü­ler mit mo­to­ri­schen Stö­run­gen oder an­de­ren kör­per­li­chen Han­di­caps so­wie mit Schreib­schwä­chen Ta­blets als Schreib­ge­rät be­nut­zen.

„Das wird in ei­ni­gen Bun­des­län­dern, un­ter an­de­rem in Bay­ern, seit Län­ge­rem so ge­hand­habt“, mein­te Mei­din­ger. Der Ein­satz von Ta­blets kön­ne nach sei­ner An­sicht in der Klau­sur sinn­voll sein. Auf­se­hen­er­re­gend und höchst pro­ble­ma­tisch wä­re der Ein­satz nur, wenn die be­nut­zen Ta­blets In­ter­net­an­schluss hät­ten. „Das wä­re al­ler­dings ei­ne mas­si­ve Wett­be­werbs­ver­zer­rung und da­mit nicht ak­zep­ta­bel“, sag­te Mei­din­ger, der 90000 Gym­na­si­al­leh­rer ver­tritt.

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