Uni­on stützt de Mai­ziè­re: Leit­kul­tur-De­bat­te wich­tig

„Neu­bür­gern Be­din­gun­gen nen­nen“– Lin­ke: Glau­bens­krie­ge

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bea­te Ten­fel­de

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) hat in der Uni­on ei­ne brei­te De­bat­te über ei­ne deut­sche Leit­kul­tur aus­ge­löst. In CDU und CSU mel­den sich ver­stärkt Un­ter­stüt­zer von de Mai­ziè­res The­sen zu Wort. Der CDU-Wirt­schafts­rat hält den Vor­stoß des In­nen­mi­nis­ters für „wich­tig“. Die The­sen sei­en in der In­te­gra­ti­ons­po­li­tik zu­kunfts­wei­send. „Ein Ein­wan­de­rungs­land muss kla­re Be­din­gun­gen nen­nen. Das tun al­le klas­si­schen Ein­wan­de­rungs­län­der“, sag­te Ge­ne­ral­se­kre­tär Wolf­gang Stei­ger auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on.

Ein wich­ti­ger Teil der In­te­gra­ti­on wer­de in der Ar­beits­welt und in Un­ter­neh­men ge­leis­tet, sag­te Stei­ger wei­ter. Die­ses Zu­sam­men­le­ben und -ar­bei­ten wer­de er­leich­tert und ge­stützt, wenn Neu­bür­gern Maß­stä­be und Wer­te ver­mit­telt wür­den.

Nö­tig sei­en un­ter an­de­rem deut­li­che Aus­sa­gen zu Gleich­be­rech­ti­gung und re­li­giö­ser To­le­ranz. Es müs­se Klar­heit herr­schen, dass na­tio­na­le und re­li­giö­se Kon­flik­te nicht am Ar­beits­platz aus­ge­tra­gen wer­den dürf­ten. Laut Stei­ger ist es „rich­tig“, wenn Deutsch­land von Neu­bür­gern ei­ge­nes En­ga­ge­ment ein­for­de­re, an­statt „ die Seg­nun­gen des Wohl­fahrts­staa­tes mit der Gieß­kan­ne“und oh­ne Vor­ga­ben aus­zu­schüt­ten.

Auch die CSU ver­tei­dig­te de Mai­ziè­res Vor­stoß – wenn auch nicht oh­ne klei­ne Spit­zen. CSU-Chef Horst See­ho­fer sag­te der „Rhei­ni­schen Post“: „Die Leit­kul­tur ist in un­se­rem baye­ri­schen In­te­gra­ti­ons­ge­setz längst ver­an­kert. Das ist not­wen­dig für die kul­tu­rel­le Iden­ti­tät im Land.“End­lich fin­de die­se Dis­kus­si­on jetzt auch auf Bun­des­ebe­ne statt. Der frü­he­re CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ruprecht Po­lenz sag­te da­ge­gen im Deutsch­land­funk, er hal­te den Be­griff Leit­kul­tur für pro­ble­ma­tisch.

De Mai­ziè­re hat­te er­klärt, für Deutsch­land sei­en Re­spekt und To­le­ranz wich­tig. Ge­walt wer­de grund­sätz­lich nicht ak­zep­tiert. Deutsch­land sei ei­ne of­fe­ne Ge­sell­schaft. „Wir zei­gen un­ser Ge­sicht. Wir sind nicht Bur­ka“, be­ton­te der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter.

Die nord­rhein-west­fä­li­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) hält die­se The­sen of­fen­bar für über­flüs­sig. „Wich­tigs­te Richt­schnur für un­ser Zu­sam­men­le­ben ist und bleibt un­se­re Ver­fas­sung“, sag­te sie. Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, SPDVi­ze Ay­dan Özo­guz, wer­te­te die Auf­lis­tung als „hilf­lo­se Ben­imm­re­geln“.

Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) äu­ßer­te sich ver­wun­dert, dass ein „be­son­ne­ner“Mi­nis­ter wie de Mai­ziè­re das The­ma auf­ge­grif­fen ha­be. „Mei­ner An­sicht nach ist der Be­griff ‚deut­sche Leit­kul­tur‘ durch ver­gan­ge­ne Dis­kus­sio­nen ver­brannt.“Die Lin­ke-Po­li­ti­ke­rin Ul­la Jelp­ke warf de Mai­ziè­re vor, er spie­le sich zum „iden­ti­tä­ren Glau­bens­krie­ger“auf.

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