Yücel ist nur ei­ner von vie­len

Et­li­che Län­der er­schwe­ren die Ar­beit von Jour­na­lis­ten – Heu­te Tag der Pres­se­frei­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

„Free De­niz Yücel“. Seit Mo­na­ten ver­su­chen Un­ter­stüt­zer des deutsch-tür­ki­schen Jour­na­lis­ten, die Frei­las­sung des 43-Jäh­ri­gen zu er­wir­ken. Aber die tür­ki­sche Re­gie­rung ver­wei­gert das. Sie wirft dem Kor­re­spon­den­ten der „Welt“un­ter an­de­rem Ter­ror­pro­pa­gan­da vor.

Yücel ist nur ein Bei­spiel für die schwie­ri­ge La­ge von Jour­na­lis­ten in der Tür­kei – in vie­len an­de­ren Län­dern die­ser Welt. Vie­ler­orts ist die La­ge aus Sicht von Men­schen­recht­lern schlech­ter ge­wor­den. Die Ver­ein­ten Na­tio­nen se­hen ein weit­rei­chen­des Pro­blem und ha­ben vor dem Tag der Pres­se­frei­heit an die­sem Mitt­woch ei­ne „Dä­mo­ni­sie­rung“kri­ti­scher Me­di­en in vie­len Län­dern der Welt kri­ti­siert.

„In kei­nem Land der Welt sit­zen der­zeit mehr Jour­na­lis­ten im Ge­fäng­nis als in der Tür­kei. Die ,freie Pres­se‘ ist hier weit­ge­hend in Haft“, sag­te Mar­kus Bee­ko, Ge­ne­ral­se­kre­tär von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal in Deutsch­land. Die Un­ter­su­chungs­haft in der Tür­kei wer­de „de fac­to als Stra­fe an­ge­wandt“, kri­ti­sier­te er wei­ter. Zu­dem wür­den fai­re Ver­fah­ren „sys­te­ma­tisch ver­hin­dert, in­dem bei­spiels­wei­se al­le Ge­sprä­che der In­haf­tier­ten mit ih­ren Rechts­an­wäl­ten über­wacht und auf­ge­zeich­net wer­den“.

Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal hat die „so­for­ti­ge be­din­gungs­lo­se Frei­las­sung“al­ler in­haf­tier­ten Jour­na­lis­ten in der Tür­kei ge­for­dert. Nach un­ter­schied­li­chen An­ga­ben sit­zen in der Tür­kei zur­zeit zwi­schen 49 (Re­por­ter oh­ne Gren­zen) und 165 (Jour­na­lis­ten­platt­form P24) Jour­na­lis­ten in Haft.

Wer in der Tür­kei die Zei­tung „Cumhu­riy­et“auf­schlägt, wird je­den Tag mit ei­ner Mah­nung kon­fron­tiert:

Auf der Ti­tel­sei­te pran­gen die Por­träts von zwölf Mit­ar­bei­tern der Zei­tung, die in Un­ter­su­chungs­haft sit­zen. Dar­un­ter ist zu le­sen: „Sie sind nicht frei“. Un­ter ih­nen ist der ak­tu­el­le Chef­re­dak­teur Mu­rat Sa­bun­cu. Der ehe­ma­li­ge Chef­re­dak­teur Can Dündar lebt im Exil in Deutsch­land. Der Zu­stand der „Cumhu­riy­et“steht sym­bo­lisch für den der Me­di­en in der Tür­kei. Zahl­rei­che Jour­na­lis­ten sind im Ge­fäng­nis. Und das teil­wei­se un­ter ab­surd an­mu­ten­den Vor­wür­fen oder oh­ne An­kla­ge, wie Kri­ti­ker be­män­geln. Zur welt­wei­ten Ver­schlech­te­rung hat laut der Or­ga­ni­sa­ti­on „Re­por­ter oh­ne Gren­zen“auch das rück­sichts­lo­se Vor­ge­hen der Re­gie­run­gen in Län­dern wie Ägyp­ten oder Bu­run­di bei­ge­tra­gen. In Kriegs- und Kri­sen­län­dern wie Sy­ri­en, Li­by­en oder dem Je­men sei­en Jour­na­lis­ten un­ver­än­dert töd­li­chen Ge­fah­ren aus­ge­setzt.

Der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band (DJV) sieht den Po­pu­lis­mus als „mo­der­nen Feind der Pres­se­frei­heit im In­nern“an. „Wenn im­mer mehr Po­li­ti­ker die Spra­che des Po­pu­lis­mus be­nut­zen, müs­sen bei uns Jour­na­lis­ten al­le Alarm­si­gna­le schril­len“, ap­pel­lier­te der DJV-Bun­des­vor­sit­zen­de Frank Über­all. Im­mer mehr Men­schen ge­wich­te­ten Mei­nung hö­her als In­for­ma­ti­on. Da­mit ge­ra­te der Jour­na­lis­mus mit­ten in der Ge­sell­schaft un­ter Druck.

Der be­kann­tes­te Jour­na­list, der in der Tür­kei in Haft sitzt: De­niz Yücel. Fo­to: dpa

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